Angst vor Milchstau: Wenn der Schmerz dich nicht loslässt

· 2292 Wörter Angst , Milchstau , Schmerzen , Trauma , Kontrollverlust , Panik

Du kennst diesen Moment.

Es ist 2 Uhr nachts. Das Haus ist still. Zu still. Du liegst im Bett, aber du schläfst nicht. Das kannst du nicht mehr – nicht richtig, nicht mehr seit Wochen.

Deine Hand wandert zur Brust. Fast automatisch. Du tastest. Fühlst. Drückst vorsichtig. Ist da was? Ist da eine Verhärtung? War das ein Ziehen? Oder bildest du dir das nur ein?

Das Herz klopft. Der Atem wird flach. Ein Schweissfilm legt sich auf deine Stirn.

Du versuchst dich zu beruhigen. “Es ist nichts”, sagst du dir. “Du übertreibst.” Aber dein Körper hört nicht auf dich. Er ist in Alarmbereitschaft. Er wartet auf den Schmerz.

Die Angst sitzt dir im Nacken wie ein Tier, das seine Krallen in deine Schultern gräbt. Sie lässt dich nicht schlafen. Sie lässt dich nicht atmen. Sie lässt dich nicht leben.

Angst vor Milchstau. Sie ist real. Sie ist lähmend. Und sie ist oft schlimmer als der Schmerz selbst.

Du hast Angst vor der Nacht. Angst vor dem Fieber. Angst, die Kontrolle zu verlieren. Angst, komplett ausgeliefert zu sein. Angst, dass es wieder passiert – dieses Brennen, dieses Pochen, diese Hilflosigkeit.

Ich will dir sagen: Du bist nicht verrückt. Du bist nicht überempfindlich. Deine Angst ist eine normale Reaktion auf eine unnormale Situation.

Und ich will dir zeigen, wie du da rauskommst.


Was passiert in deinem Körper, wenn die Angst kommt

Lass uns kurz verstehen, was in dir passiert. Nicht um es zu analysieren – sondern um zu begreifen, warum du nicht “einfach entspannen” kannst.

Dein Gehirn hat einen Alarm-Bereich: die Amygdala. Sie ist wie ein Rauchmelder. Wenn Gefahr droht, löst sie Alarm aus – bevor du überhaupt nachdenken kannst.

Wenn du einmal einen schweren Milchstau erlebt hast – die Schmerzen, das Fieber, die Panik – dann hat deine Amygdala das gespeichert. Sie hat gelernt: “Das war gefährlich. Das darf nie wieder passieren.”

Jetzt reicht ein kleines Signal – ein leichtes Spannen, eine Verhärtung, die du vielleicht nur einbildest – und der Alarm geht los. Volle Kraft. Adrenalin schiesst ins Blut. Das Herz rast. Die Muskeln spannen sich an.

Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist Evolution.

Dein Körper versucht, dich zu schützen. Aber er übertreibt. Weil die ursprüngliche Bedrohung – der erste schlimme Milchstau – so traumatisch war.

Der Teufelskreis der Angst

Hier wird es tragisch:

Angst erzeugt genau das, wovor sie warnt.

Wenn du Angst hast:

  • Ziehen sich deine Muskeln zusammen
  • Wird dein Atem flach und schnell
  • Werden deine Blutgefässe eng
  • Sinkt dein Oxytocin-Spiegel dramatisch
  • Steigen Cortisol und Adrenalin

Und genau das – diese körperliche Enge, diese hormonelle Stressantwort – blockiert den Milchfluss. Die Milchgänge verengen sich. Die Milch staut sich.

Du hattest Angst vor dem Stau. Und deine Angst hat den Stau verursacht.

Das ist brutal unfair. Aber es erklärt, warum du nicht einfach “aufhören” kannst, Angst zu haben. Dein Körper hat sich in einen Kreislauf eingeschlossen.

→ Verstehe hier, warum die Ursache wichtiger ist als das Symptom

Forschungen zeigen: Angst vor Schmerz (Fear-Avoidance) führt oft zu noch mehr Schmerz, weil der Körper in einer dauerhaften Anspannung verharrt (Vlaeyen et al., 2016).


Warum die Angst nicht dein Feind ist

Bevor wir weitergehen, will ich etwas Wichtiges sagen:

Deine Angst ist nicht dein Feind. Sie ist ein verwirrter Beschützer.

Dein Körper ist schlau. Er hat gelernt: „Milchstau = Schmerz = Gefahr.”

Wenn du einmal erlebt hast, wie sich eine Mastitis anfühlt – die Schüttelfrost, die glühende Brust, die Verzweiflung, weil niemand hilft, die Nächte ohne Schlaf, das Gefühl, komplett ausgeliefert zu sein – dann speichert dein Nervensystem das ab. Als Trauma.

Ja, Trauma. Das Wort klingt gross. Aber ein schwerer Milchstau kann traumatisch sein. Du hattest Schmerzen. Du hattest keine Kontrolle. Du warst vielleicht allein. Das sind die Zutaten für ein Trauma.

Jetzt versucht dich dein Körper zu schützen. Er aktiviert die Angst, damit du vorsichtig bist. Damit du kontrollierst. Damit du nie wieder überrascht wirst.

Das Problem ist nur: Diese Art von Kontrolle funktioniert nicht. Sie macht alles schlimmer.


Die verschiedenen Gesichter der Angst

Angst vor Milchstau zeigt sich auf viele Arten. Vielleicht erkennst du dich in einem dieser Punkte wieder:

1. Die Angst vor der Nacht

Tagsüber geht es. Du bist abgelenkt. Du funktionierst. Da ist das Baby, das gefüttert werden muss. Da sind Aufgaben, die erledigt werden wollen.

Aber sobald es dunkel wird, kommt die Panik. Sie kriecht heran wie ein Schatten.

Weil du weisst: Nachts hilft niemand. Nachts bist du allein. Nachts ist die Hebamme nicht erreichbar. Nachts ist die Welt still – und du bist mit deiner Angst eingesperrt.

Du liegst da und wartest. Wartest auf den Schmerz, der vielleicht kommt. Oder auch nicht. Aber das Warten ist fast schlimmer als der Schmerz selbst.

2. Die Angst vor dem Schmerz

Du hast Angst vor jeder Berührung. Selbst das Anlegen des Babys – was eigentlich natürlich sein sollte – macht dir Angst. Du zuckst zusammen, bevor überhaupt etwas passiert. Dein Körper ist wie ein rohes Ei.

Diese Angst ist körperlich. Sie sitzt in deinen Schultern, in deinem Kiefer, in deiner Brust. Du merkst es vielleicht nicht, aber du hältst den Atem an. Ständig.

3. Der Kontrollverlust

Das ist vielleicht die tiefste Angst: nicht mehr Herr im eigenen Körper zu sein.

Im Wochenbett gibt es keinen Plan. Das Baby schreit wann es will. Die Brust staut wann sie will. Du hast das Gefühl, nur noch Passagier in deinem eigenen Leben zu sein. Und das ist erschreckend.

Du warst vielleicht eine Frau, die alles im Griff hatte. Die planen konnte. Die wusste, was als nächstes kommt. Und jetzt? Jetzt bist du ausgeliefert. An deinen Körper. An den Schmerz. An die Unvorhersehbarkeit.

4. Die Angst vor dem Versagen

Unter all den anderen Ängsten lauert oft noch eine: die Angst, als Mutter zu versagen.

Du fragst dich: “Warum kann ich das nicht? Warum haben andere Frauen keinen Milchstau? Was mache ich falsch?”

Und dann schämst du dich für deine Angst. Du schämst dich, dass du nicht “einfach stillen” kannst wie alle anderen. Und Scham verstärkt die Angst – ein weiterer Kreislauf.


Wie Angst im Körper gespeichert wird

Hier wird es wissenschaftlich – aber wichtig:

Angst ist nicht nur ein Gedanke. Angst ist ein körperlicher Zustand.

Der Forscher Stephen Porges hat etwas entwickelt, das er die Polyvagal-Theorie nennt. Vereinfacht gesagt: Dein Nervensystem hat verschiedene Modi.

  1. Sicher und sozial: Du fühlst dich entspannt, verbunden, offen. Dein Körper funktioniert optimal.

  2. Kampf oder Flucht: Dein Körper ist in Alarmbereitschaft. Herz rast, Muskeln gespannt, Verdauung stoppt. (Hier bist du, wenn du Angst vor Milchstau hast.)

  3. Erstarren: Wenn Kampf oder Flucht nicht möglich ist, fährt der Körper herunter. Du fühlst dich taub, abgeschnitten, wie nicht richtig da.

Die schlechte Nachricht: Du kannst nicht durch Willenskraft vom Alarm-Modus in den Sicherheits-Modus wechseln. Dein bewusstes Denken hat darauf keinen direkten Zugriff.

Die gute Nachricht: Es gibt einen Weg. Und der führt über den Körper, nicht über den Kopf.


Was du jetzt NICHT brauchst

Wenn du voller Angst bist, helfen Sprüche wie “Entspann dich doch mal” nicht. Sie sind ein Schlag ins Gesicht.

Wie sollst du dich entspannen, wenn dein Körper “ALARM!” schreit?

Du brauchst auch keine Checklisten. Pläne machen oft noch mehr Druck. “Ich muss jetzt entspannen, damit die Milch fliesst” – das ist der sicherste Weg, um nicht zu entspannen. Entspannung auf Kommando funktioniert nicht.

Du brauchst keine weiteren Tipps zum “Stressabbau”. Keine Atemübungen, die du allein in der Dunkelheit machst. Das hilft vielleicht ein bisschen – aber es reicht nicht.

Was du brauchst, ist etwas anderes.


Was wirklich gegen die Angst hilft: Sicherheit durch Verbindung

Gegen Angst hilft nur eines: Sicherheit.

Und Sicherheit ist nicht “wissen, dass nichts passiert”. Sicherheit ist das Gefühl: “Wenn etwas passiert, bin ich nicht allein.”

Dein Nervensystem ist darauf programmiert, Sicherheit von anderen Menschen zu empfangen. Das nennt sich Co-Regulation. Dein Körper reguliert sich, indem er sich an einem anderen ruhigen Körper orientiert.

Stell dir vor: Du hast wieder diesen Knoten. Die Angst steigt hoch.

Aber diesmal liegst du nicht allein im Dunkeln. Jemand ist da. Jemand, der ruhig bleibt. Jemand, der dich hält. Jemand, der nicht sagt “Stell dich nicht an”, sondern: “Ich bin da. Wir schaffen das.”

Dein Nervensystem spürt diese Präsenz. Es spürt die Wärme einer anderen Hand auf deiner Schulter. Es hört einen ruhigen Atem neben dir. Es fühlt, dass du nicht allein bist.

Langsam, ganz langsam, beginnt dein Alarm-System runterzufahren. Nicht, weil du es “willst”. Nicht durch Willenskraft. Sondern weil dein Körper spürt: Ich bin sicher. Hier ist jemand, der mich hält.

Das ist der Unterschied.

Forschungen zeigen: Bei Hautkontakt mit einer vertrauten Person steigt Oxytocin und sinken Stresshormone signifikant (Silva et al., 2020). Dein Körper weiss das instinktiv.


Warum du das nicht allein schaffst – und das okay ist

In unserer Gesellschaft gilt: Stark sein heisst allein sein. Hilfe brauchen heisst schwach sein.

Das ist Unsinn.

Menschen sind Herdentiere. Wir sind neurologisch darauf ausgelegt, uns gegenseitig zu regulieren. Ein Baby kann sich nicht selbst beruhigen – es braucht die Nähe der Mutter. Aber auch eine Mutter kann sich nicht immer selbst beruhigen – sie braucht die Nähe eines anderen Menschen.

Das ist keine Schwäche. Das ist Biologie.

Wenn du denkst, du musst die Angst vor Milchstau “allein überwinden”, dann setzt du dir ein unmögliches Ziel. Es ist wie versuchen, dich selbst zu kitzeln – es funktioniert nicht, weil das System auf Interaktion ausgelegt ist.

Du brauchst jemanden. Das ist die unbequeme Wahrheit.


Simon: Ein Raum ohne Angst

Ich kenne diese Angst. Ich habe sie in den Augen von Frauen gesehen.

Nicht als Theorie. Als Realität. Ich habe Frauen getroffen, die so angespannt waren, dass sie bei jeder Bewegung zusammenzuckten. Deren Körper so im Alarm-Modus war, dass an Entspannung nicht zu denken war.

Wenn ich anbiete, deine Brüste zu entleeren, dann geht es vordergründig um die Milch. Aber eigentlich geht es um die Angst.

Ich biete dir einen Raum, in dem du die Kontrolle abgeben darfst. Wo du nicht stark sein musst. Wo du zittern darfst. Wo du weinen darfst.

Ich bin da. Ich halte den Raum. Ich halte dich.

Meine Berührung ist achtsam. Ich fordere nichts. Ich repariere nichts. Ich bin einfach präsent – ruhig, stabil, da. Mein Körper reguliert deinen, ohne dass du etwas “tun” musst.

Und oft passiert dann das Wunder: Wenn die Angst den Raum verlassen darf, weil Sicherheit eingezogen ist – dann beginnt auch die Milch zu fliessen. Ganz von allein. Nicht weil ich irgendetwas tue. Sondern weil dein Körper endlich loslassen kann.

Das ist keine Magie. Das ist Physiologie. Wenn Oxytocin steigt und Cortisol sinkt, öffnen sich die Milchgänge. Einfach so.

Aber es braucht einen Auslöser. Und der Auslöser ist: Sicherheit fühlen.

Ich kann dir diese Sicherheit geben.

Wenn du das willst. Wenn du bereit bist.

Schreib mir auf Telegram @Simon_18081 – anonym, unverbindlich, im eigenen Tempo.


FAQ: Angst vor Milchstau

Ist es normal, so viel Angst zu haben?

Ja, absolut. Ein schwerer Milchstau kann extrem schmerzhaft und bedrohlich wirken. Dein Körper reagiert darauf vollkommen gesund mit einem Schutzmechanismus: Angst. Du bist nicht hysterisch. Du bist nicht überempfindlich. Du hast etwas Traumatisches erlebt, und dein Körper versucht, dich zu schützen.

Verschlimmert Angst den Stau?

Leider ja. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol sind direkte Gegenspieler von Oxytocin. Sie verengen die Milchgänge. Deshalb ist Sicherheit so wichtig – sie ist das “Gegengift” zur Angst. Wenn du dich sicher fühlst, sinkt der Stress, und die Milch kann fliessen.

Was, wenn ich mich vor Berührung ekele oder fürchte?

Das ist oft eine Schutzreaktion, weil Berührung in der Vergangenheit wehgetan hat (z.B. grobes Ausstreichen im Krankenhaus). Wir gehen ganz langsam vor. Du bestimmst das Tempo. Es passiert nichts gegen deinen Willen. Echte Sicherheit bedeutet auch: Du hast jederzeit die Kontrolle darüber, was passiert.

Kann ich die Angst allein überwinden?

Ehrlich gesagt: schwer. Das Nervensystem reguliert sich am besten durch Verbindung mit einem anderen Menschen. Allein im dunklen Zimmer gegen die Angst ankämpfen ist wie Schwimmen gegen den Strom. Es geht – aber es ist erschöpfend. Mit Unterstützung wird es leichter.

Was ist der Unterschied zwischen Angst vor Milchstau und normaler Sorge?

Normale Sorge ist kurz und handhabbar. Du denkst “Hoffentlich passiert nichts” und kannst dann weitermachen. Angst vor Milchstau ist anders: Sie ist körperlich, sie hält dich wach, sie lässt dich nicht los. Wenn die Angst dein Leben dominiert, ist es Zeit, Hilfe zu suchen.

Brauche ich eine Therapie?

Wenn die Angst sehr stark ist und dich im Alltag einschränkt, kann eine Traumatherapie helfen. Aber manchmal reicht auch etwas Einfacheres: echte Verbindung, echte Sicherheit, jemand der da ist. Nicht alles muss “therapiert” werden – manchmal braucht es nur einen Menschen.

Wird die Angst jemals weggehen?

Ja. Wenn du neue Erfahrungen machst – Erfahrungen von Sicherheit, von Gehaltenwerden, von Entspannung trotz der Angst – dann lernt dein Nervensystem um. Es braucht Zeit. Aber die Angst wird schwächer, wenn du immer wieder erlebst: Ich bin nicht allein. Es ist okay.


Die Wahrheit über deine Angst

Deine Angst vor Milchstau ist real. Sie ist berechtigt. Sie ist verständlich.

Aber sie muss nicht dein Gefängnis bleiben.

Der Ausweg führt nicht über Willenskraft, nicht über Tipps, nicht über “zusammenreissen”.

Der Ausweg führt über Sicherheit. Über Verbindung. Über einen anderen Menschen, der da ist.

Du musst nicht allein kämpfen. Du darfst Hilfe annehmen. Das ist nicht schwach – das ist menschlich.


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Wissenschaftliche Grundlagen: Ohne Sicherheit kein Oxytocin. Ohne Oxytocin kein Milchfluss. Lies hier die Studien dazu →

Über den Autor

Simon H. ist kein Therapeut und kein Experte – er ist ein Mann, der eine ehrliche Verbindung sucht. Seine Überzeugung: Die Lösung für viele körperliche Blockaden liegt nicht in Symptombehandlung, sondern in menschlicher Nähe und echtem Vertrauen.

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