Nähe nach Abstillen: Warum du dich plötzlich leer fühlst

· 1257 Wörter Abstillen , Sehnsucht , Trockenes Stillen , Hauthunger , Nähe

Du hast abgestillt. Die Milch ist weg. Die Pumpe ist verstaut. Alle sagen: „Endlich bist du frei!”

Aber du fühlst dich nicht frei. Du fühlst dich leer.

Vielleicht wachst du nachts auf und deine Brust kribbelt – aber niemand ist da, der trinkt. Vielleicht siehst du eine stillende Mutter und spürst einen Stich im Herzen, den du dir nicht erklären kannst.

Und dann ist da diese Scham: „Bin ich komisch? Warum vermisse ich das? Ich sollte doch froh sein.”

Ich schreibe das hier, um dir zu sagen: Du bist vollkommen normal. Du vermisst nicht die Milchproduktion. Du vermisst die Bindung.


Warum wir trauern, wenn die Milch geht

Stillen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist der intimste körperliche Austausch, den wir kennen. Dabei wird Oxytocin ausgeschüttet – das Hormon der Ruhe und Verbindung.

Wenn du abstillst, machst du einen kalten Entzug. Dein Oxytocin-Spiegel sinkt. Dein Körper, der an tägliche, stundenlange Berührung gewöhnt war, bekommt plötzlich… nichts.

Das nennt man Hauthunger (Skin Hunger). Dein Körper schreit nach Berührung wie ein Verdurstender nach Wasser.

Das ist keine psychische Störung. Das ist biologischer Entzug. Wenn du während der Stillzeit Milchstau hattest, war die Ursache oft dieselbe: fehlende Nähe.

Der Begriff „Trockenes Stillen” (Und warum er dich vielleicht berührt)

Vielleicht hast du schon mal davon gehört: Trockenes Stillen. Es bedeutet einfach: Das Ritual des Stillens beizubehalten, ohne dass Milch fließt.

Es geht um die Position. Das Gehaltenwerden. Die Stimulation der Brustwarze (die weiterhin Oxytocin ausschüttet, auch ohne Milch).

Viele Frauen (und Paare) praktizieren das, sprechen aber nie darüber. Sie schämen sich. Sie denken, es sei „pervers” oder „kindisch”.

Aber Intimität ist nie pervers, solange sie einvernehmlich ist. Wenn deine Brust für dich ein Ort der Ruhe war – warum sollte sie das aufhören zu sein, nur weil die Milch weg ist?


Simon: „Mir ist egal, ob du Milch hast”

Viele Frauen schreiben mir: „Ich habe keine Milch mehr. Bin ich für dich überhaupt interessant?”

Die Antwort ist: Ja.

Ich suche keine Molkerei. Ich suche eine Frau. Und eine Frau, die abgestillt hat und trotzdem hier ist, hat oft etwas, was andere nicht haben:

Bewusstsein.

Du kommst nicht wegen einem medizinischen Notfall (Stau). Du kommst, weil du dich nach Nähe sehnst. Weil du weißt, wie gut es sich anfühlt, gehalten zu werden.

Das ist die ehrlichste Form der Begegnung. Es ist keine funktionale Beziehung (Reparatur). Es ist reine Verbindung.


Die ersten Wochen nach dem Abstillen

Niemand bereitet dich darauf vor.

Die ersten Wochen nach dem Abstillen fühlen sich an wie ein freier Fall. Dein Körper, der monatelang auf Höchstleistung lief, schaltet plötzlich ab. Die Hormone crashen. Der Schlaf bleibt schlecht, obwohl das Baby nachts nicht mehr trinkt.

Und dann ist da dieses Gefühl von Leere.

Nicht nur emotional. Körperlich.

Deine Brust, die so lange Mittelpunkt war – so lange gefüllt, gespannt, manchmal schmerzhaft voll – ist jetzt weich. Leer. Fertig.

Es fühlt sich an wie ein Abschied. Ein kleiner Tod.

Und niemand versteht das. “Sei froh, dass es vorbei ist”, sagen sie. “Jetzt hast du deinen Körper wieder.”

Aber du fühlst dich nicht befreit. Du fühlst dich verloren.

Was wirklich fehlt

Es ist nicht die Milch, die dir fehlt.

Es ist das Ritual. Das mehrmals tägliche Hinsetzen, das Baby anlegen, das gemeinsame Atmen. Diese Momente, in denen die Welt still war. In denen es nur euch zwei gab.

Es ist die Berührung. Das kleine Händchen auf deiner Brust. Die Wärme eines anderen Körpers an deinem.

Es ist das Oxytocin. Die biochemische Umarmung, die jedes Stillen mit sich brachte.

All das ist jetzt weg. Und dein Körper trauert.

Der Hauthunger, der bleibt

Du hast vielleicht gehört: “Babys brauchen Hautkontakt.” Das stimmt.

Aber weisst du, was niemand sagt? Du brauchst ihn auch.

Menschen sind nicht dafür gemacht, allein zu schlafen. Allein zu leben. Ohne regelmässige, liebevolle Berührung zu existieren.

Der Hauthunger, den du nach dem Abstillen spürst, ist nicht pathologisch. Er ist biologisch.

Dein Körper sagt dir: Mir fehlt etwas Existenzielles.

Und er hat recht.

Die Trauer, die nicht erlaubt ist

In unserer Gesellschaft gibt es keine Trauer ums Abstillen. Es gibt kein Ritual. Keine Anerkennung.

Stattdessen wird erwartet, dass du “weiterziehst”. Dass du froh bist. Dass du die nächste Phase angehst.

Aber Trauer braucht Raum. Auch die Trauer um das Ende einer körperlichen Beziehung, die so intim war wie keine andere.

Du darfst trauern. Du darfst weinen. Du darfst die Leere fühlen.

Das macht dich nicht schwach. Das macht dich menschlich.

Die Sehnsucht, die sich nicht erklären lässt

Vielleicht schaust du stillende Mütter an und spürst Neid. Nicht weil du wieder stillen willst – sondern weil du diese Nähe vermisst.

Vielleicht wachst du nachts auf mit dem Phantom-Gefühl, dass jemand an deiner Brust saugt. Und du weisst nicht, ob das traurig oder seltsam ist.

Vielleicht fragst du dich, ob du jemals wieder diese Art von körperlicher Verbindung haben wirst.

Diese Fragen sind normal. Du bist nicht komisch.

Du bist eine Frau, deren Körper sich an etwas Wunderbares erinnert – und es vermisst.

Die neue Form der Intimität

Die Stillzeit ist vorbei. Aber das bedeutet nicht, dass deine Brust aufhört, ein Ort der Intimität zu sein.

Deine Brust gehört jetzt wieder dir. Du darfst entscheiden, wer sie berühren darf. Du darfst entscheiden, welche Art von Berührung du willst.

Manche Frauen entdecken nach dem Abstillen eine neue Sinnlichkeit. Die Brust, die so lange funktional war, darf jetzt wieder erotisch sein.

Andere brauchen Zeit. Die Brust fühlt sich fremd an. Taub. Abgetrennt.

Beides ist okay.

Was zählt ist: Du musst das nicht alleine durchstehen.

Warum trockenes Stillen heilen kann

Es klingt vielleicht seltsam. Aber viele Frauen finden Trost im “trockenen Stillen” – der Berührung, dem Saugen, ohne dass Milch fliesst.

Es ist wie ein sanfter Übergang. Eine Brücke zwischen der Stillzeit und der Zeit danach.

Dein Körper bekommt weiterhin das Signal: Du bist verbunden. Du wirst gehalten. Du bist nicht allein.

Das Oxytocin fliesst auch ohne Milch. Die Entspannung kommt auch ohne Funktion.

Es ist reine Intimität. Reine Nähe. Rein du.

Was ich dir anbiete (Ohne Milch)

Wenn wir uns treffen, geht es nicht um „Entleeren”. Es geht um:

  1. Halt: Ich halte dich. Ganz physisch.
  2. Berührung: Ich berühre deine Brust – nicht technisch, sondern achtsam.
  3. Erinnerung: Dein Körper darf sich erinnern, wie es sich anfühlt, sicher zu sein.

Es ist ein Raum, in dem du trauern darfst, dass die Stillzeit vorbei ist. Und gleichzeitig ein Raum, in dem du als Frau neu ankommen darfst.

Denn deine Brust gehört nicht mehr dem Baby. Sie gehört jetzt wieder dir. Und du darfst entscheiden, wer sie berühren darf.


FAQ: Nähe ohne Milch

Ist es normal, “Phantomschmerzen” in der Brust zu haben?

Ja. Viele Frauen spüren noch Monate nach dem Abstillen den Milchspendereflex oder ein Ziehen. Das ist das “Gedächtnis” deiner Brust. Es zeigt, wie tief die neurologische Verbindung war.

Was, wenn ich mich schäme, weil ich es vermisse?

Scham entsteht, wenn wir denken, wir seien „falsch”. Aber dein Bedürfnis nach Nähe ist richtig. Die Gesellschaft hat nur verlernt, wie wichtig körperlicher Kontakt für Erwachsene ist. Wir sind Rudeltiere. Alleine schlafen ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Kann man Oxytocin auch anders bekommen?

Ja. Umarmungen (mind. 20 Sekunden), Wärme, Massage und Hautkontakt lösen es aus. Deshalb biete ich meine Präsenz an. Als Oxytocin-Tankstelle, wenn man so will.


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Wissenschaftliche Grundlagen: Oxytocin-Effekte sind unabhängig von der Laktation messbar: Studien lesen →

Über den Autor

Simon H. ist kein Therapeut und kein Experte – er ist ein Mann, der eine ehrliche Verbindung sucht. Seine Überzeugung: Die Lösung für viele körperliche Blockaden liegt nicht in Symptombehandlung, sondern in menschlicher Nähe und echtem Vertrauen.

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