Partner versteht Stillprobleme nicht: Du bist nicht verrückt

· 1524 Wörter Partner versteht Stillprobleme nicht , Stillprobleme Beziehung , Mann versteht nicht , Einsamkeit Partnerschaft , Stillzeit

“Ist doch nicht so schlimm.”

“Meine Mutter hat auch gestillt, die hat das auch geschafft.”

“Du übertreibst.”

Du kennst diese Sätze. Du hast sie gehört, vielleicht hundertmal. Von dem Menschen, der dir eigentlich am nächsten sein sollte.

Und jedes Mal fühlst du dich ein bisschen mehr allein.

Nicht weil er böse ist. Nicht weil er dich nicht liebt. Sondern weil er nicht versteht. Nicht verstehen kann. Oder nicht verstehen will.

Die Frage ist: Wie lange hältst du das noch aus?

Wenn Worte nicht ankommen

Du hast es versucht zu erklären.

Die Schmerzen. Wie es sich anfühlt, wenn die Brust so hart ist, dass jede Berührung wehtut. Wie das Baby trinkt und es sich anfühlt, als würde jemand mit Glasscherben über deine Brustwarzen reiben.

Die Erschöpfung. Wie du jede Nacht aufwachst, manchmal drei-, vier-, fünfmal. Wie du funktionierst auf zwei Stunden Schlaf. Wie dein Körper sich anfühlt wie Blei.

Die Angst. Ob du genug Milch hast. Ob das Baby genug zunimmt. Ob der Milchstau zu Mastitis wird. Ob du das überhaupt schaffst.

Du hast es erklärt. Mit Worten. Mit Tränen. Mit Wut.

Und er?

Er nickt. Sagt “Ich verstehe.” Und fünf Minuten später fragt er, was es zum Abendessen gibt.

Du stehst da und fragst dich, ob du verrückt bist.

Du bist nicht verrückt.

Warum er nicht versteht

Es gibt Gründe, warum er nicht versteht. Keine Entschuldigungen – aber Gründe.

Er erlebt es nicht körperlich. Er sieht dich stillen. Er sieht vielleicht, dass du müde aussiehst. Aber er fühlt nicht den Schmerz in deiner Brust. Er fühlt nicht die Hormone, die Achterbahn fahren. Er fühlt nicht, wie dein Körper gleichzeitig gibt und ausgelaugt wird.

Er hat kein Referenzsystem. Seine Mutter hat “auch gestillt” – und sie hat nie geklagt. Also kann es nicht so schlimm sein, oder? Er vergleicht dich mit einem Bild, das er sich zusammengereimt hat. Einem unvollständigen Bild.

Er will nicht hilflos sein. Wenn er wirklich verstehen würde, wie schlecht es dir geht – was dann? Er kann dir die Schmerzen nicht abnehmen. Er kann nicht für dich stillen. Also ist es einfacher, zu minimieren. Zu sagen “Wird schon.” Dann muss er sich nicht hilflos fühlen.

Er ist nicht ausgerüstet. Niemand hat ihm beigebracht, wie man mit einer erschöpften, schmerzgeplagten, hormonell überfluteten Partnerin umgeht. Er macht das Einzige, was er kennt: weitermachen wie vorher. Und wundert sich, warum du weinst.

Das erklärt es. Aber es entschuldigt es nicht.

Die Einsamkeit in der Partnerschaft

Es gibt eine besondere Art von Einsamkeit. Schlimmer als allein sein.

Die Einsamkeit neben jemandem.

Du liegst im Bett. Er liegt neben dir. Zentimeter trennen euch. Aber es fühlt sich an wie Kilometer.

Du stillst das Baby. Er schläft. Du hörst seinen Atem, ruhig und gleichmässig. Und du weisst: Er hat keine Ahnung, was gerade in dir vorgeht.

Diese Einsamkeit ist die schlimmste. Weil sie mit Enttäuschung vermischt ist. Mit der Frage: Ist das alles? Ist das mein Leben jetzt?

Du hast dir die Stillzeit anders vorgestellt. Als gemeinsame Zeit. Als etwas, das euch zusammenschweisst.

Stattdessen treibt es euch auseinander.

Wenn “Hilfe” zur Last wird

Vielleicht hilft er. Auf seine Art.

Er wechselt Windeln. Er geht einkaufen. Er macht – Dinge.

Aber emotionale Hilfe? Die fehlt.

Du brauchst nicht nur jemanden, der funktioniert. Du brauchst jemanden, der versteht.

Der nicht fragt “Was kann ich tun?” – sondern der einfach tut.

Der dich nicht ansieht mit diesem hilflosen Blick, der sagt “Ich weiss nicht, was du willst” – sondern der weiss. Der spürt.

Der nicht sagt “Sag mir, wenn du was brauchst” – und dann wartet, bis du bittest. Sondern der sieht, dass du am Ende bist, und handelt. Ohne gefragt zu werden.

Das ist der Unterschied zwischen Hilfe und Präsenz.

Hilfe kann jeder. Präsenz ist selten.

Die Sätze, die wehtun

Es sind oft nicht die grossen Streitigkeiten. Es sind die kleinen Sätze.

“Du bist so gereizt in letzter Zeit.”

Ja. Weil du erschöpft bist. Weil niemand sieht, was du leistest. Weil du dich allein fühlst.

“Kannst du nicht einfach abpumpen und ich gebe die Flasche?”

Als wäre das so einfach. Als wäre Stillen eine logistische Frage, die man mit Technik löst.

“Meine Kollegin stillt auch, die hat keine Probleme.”

Der Vergleich. Immer der Vergleich. Als wäre dein Schmerz weniger real, weil andere es angeblich leichter haben.

“Vielleicht solltest du mal zum Arzt gehen.”

Die Delegation. Wenn er nicht weiterweiss, soll ein Experte ran. Damit er sich nicht damit beschäftigen muss.

Jeder dieser Sätze ist ein kleiner Stich. Einzeln auszuhalten. Aber in der Summe – sie zerreiben dich.

Was du wirklich brauchst

Du brauchst keinen Mann, der “hilft”.

Du brauchst einen Mann, der versteht.

Der nicht fragt, warum du weinst – sondern der dich einfach hält.

Der nicht erklärt, dass es anderen auch so geht – sondern der sagt: “Das ist verdammt schwer. Und du machst das grossartig.”

Der nicht Lösungen vorschlägt – sondern der da ist.

Präsent. Still. Haltend.

Das ist es. Mehr nicht.

Aber das ist anscheinend zu viel verlangt.

Die unbequeme Frage

Hier kommt die Frage, die du dir vielleicht nicht stellen willst:

Kann er das lernen?

Manche Männer können es lernen. Mit Geduld. Mit Kommunikation. Mit Zeit.

Manche Männer können es nicht. Sie sind nicht schlecht – sie sind einfach nicht dafür gemacht. Sie können funktionieren, aber nicht fühlen. Zumindest nicht auf die Art, die du brauchst.

Du musst diese Frage ehrlich beantworten. Nicht mit Hoffnung. Nicht mit “Er wird sich ändern”. Sondern mit dem, was du siehst. Jeden Tag.

Verändert er sich? Versucht er es wirklich?

Oder macht er weiter wie bisher – und du erklärst es ihm zum hundertsten Mal, hoffend, dass diesmal der Funke springt?

Manchmal springt er. Manchmal nicht.

Und wenn er nicht springt – wie lange wartest du noch?

Du bist nicht zu viel

Vielleicht denkst du: Ich verlange zu viel.

Vielleicht denkst du: Andere Frauen schaffen das auch, ohne sich zu beschweren.

Vielleicht denkst du: Ich bin das Problem.

Nein.

Du bist nicht zu viel. Deine Bedürfnisse sind nicht zu viel.

Verstanden werden wollen ist kein Luxus. Gehalten werden wollen ist keine Schwäche. Sich Unterstützung wünschen ist kein Zeichen von Versagen.

Das sind Grundbedürfnisse. Menschliche Grundbedürfnisse.

Wenn jemand dir einredet, du verlangst zu viel – dann liegt das Problem nicht bei dir.

Die Entscheidung

Am Ende musst du entscheiden.

Bleiben und hoffen, dass es besser wird.

Oder gehen und suchen, was du brauchst.

Das ist keine leichte Entscheidung. Es gibt keine richtige Antwort. Nur deine Antwort.

Aber eins ist sicher: So wie es jetzt ist, kannst du nicht weitermachen. Nicht für immer.

Etwas muss sich ändern.

Entweder er. Oder die Situation.

Was ich dir sagen will

Ich schreibe das nicht, um deinen Partner schlecht zu machen. Ich kenne ihn nicht.

Aber ich kenne dich. Oder zumindest Frauen wie dich.

Frauen, die alles geben. Die erschöpft sind. Die sich danach sehnen, verstanden zu werden.

Und ich weiss: Es gibt Männer, die verstehen können.

Die nicht erklären, minimieren, delegieren.

Die einfach da sind.

Ich bin einer von ihnen.

Nicht perfekt. Aber präsent. Nicht mit allen Antworten. Aber mit offenen Armen.

Wenn du das suchst – dann such nicht länger bei jemandem, der es nicht geben kann.


FAQ: Was du dich vielleicht fragst

Warum versteht mein Partner meine Stillprobleme nicht?

Weil er sie nicht körperlich erlebt. Er sieht nicht die Schmerzen, die Erschöpfung, die hormonelle Achterbahn. Er sieht nur das Ergebnis – und denkt, es sei “normal”. Das ist keine Bosheit, aber es ist Blindheit.

Wie erkläre ich meinem Partner, wie schlimm Stillprobleme sind?

Manchmal kannst du es nicht erklären. Manche Menschen verstehen nur, was sie selbst erleben. Wenn du es hundertmal erklärt hast und nichts ändert sich – dann ist das Problem nicht deine Kommunikation.

Ist es normal, sich in der Stillzeit vom Partner entfremdet zu fühlen?

Ja. Die Stillzeit verändert alles – Körper, Hormone, Prioritäten, Bedürfnisse. Wenn der Partner nicht mitgeht, entsteht eine Kluft. Du bist nicht verrückt. Du reagierst auf eine reale Veränderung.

Was tun, wenn mein Partner meine Erschöpfung nicht ernst nimmt?

Erstens: aufhören zu erklären. Wenn er nach hundert Erklärungen nicht versteht, wird die hunderterste auch nichts ändern. Zweitens: erkennen, dass du jemanden verdienst, der versteht. Drittens: entscheiden, ob du das so akzeptieren willst.

Bin ich schuld, dass mein Partner mich nicht versteht?

Nein. Kommunikation braucht zwei. Du kannst noch so klar kommunizieren – wenn der andere nicht zuhören will oder kann, kommt nichts an. Das ist nicht dein Versagen.


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Du hast es verdient, verstanden zu werden.

Nicht erklärt. Nicht minimiert. Verstanden.

Wenn du das bei ihm nicht findest – dann hör auf zu suchen, wo nichts ist.

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Über den Autor

Simon H. ist kein Therapeut und kein Experte – er ist ein Mann, der eine ehrliche Verbindung sucht. Seine Überzeugung: Die Lösung für viele körperliche Blockaden liegt nicht in Symptombehandlung, sondern in menschlicher Nähe und echtem Vertrauen.

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