Ich brauche jemanden, der mich hält

· 1262 Wörter Nähe , Gehalten werden , Sehnsucht , Single , Bedürfnis , Verletzlichkeit

Du sitzt allein.

Auf dem Sofa. Im Bett. Am Küchentisch.

Und da ist dieses Gefühl. Diese Leere. Diese Sehnsucht nach… nach was genau?

Du findest die Worte. Endlich.

Ich brauche jemanden, der mich hält.

Sobald du es denkst, kommt die Scham.

Das ist bedürftig. Das ist schwach. Erwachsene Menschen brauchen das nicht. Was ist los mit mir?

Also schiebst du den Gedanken weg. Wieder einmal. Du machst den Fernseher an. Du scrollst durch dein Handy. Du beschäftigst dich.

Aber das Gefühl bleibt.

Die Wahrheit, die niemand ausspricht

“Ich brauche jemanden, der mich hält.”

Das sagt man nicht laut.

Nicht bei der Arbeit. Nicht bei Freunden. Nicht mal sich selbst gegenüber.

Es klingt zu… verletzlich. Zu bedürftig. Zu ehrlich.

Die Gesellschaft will, dass du sagst: “Ich brauche niemanden, um glücklich zu sein.”

Aber dein Körper sagt etwas anderes. Dein Nervensystem. Dein Herz.

Die sagen: Ich brauche jemanden.

Und diese Stimme ist nicht schwach. Sie ist menschlich.

Die Wissenschaft hinter dem Bedürfnis

Coan und Sbarra (2015) haben die “Social Baseline Theory” entwickelt. Ihre Kernaussage: Das menschliche Gehirn ist nicht dafür gebaut, die Welt allein zu bewältigen.

Dein Nervensystem geht davon aus, dass jemand da ist.

Wenn du allein bist, arbeitet dein Gehirn härter. Es verbraucht mehr Energie. Es bleibt wachsamer. Weil der “Normalzustand” – die Baseline – Verbindung ist, nicht Isolation.

Jemanden zu brauchen ist keine Schwäche. Es ist deine Grundeinstellung.

Baumeister und Leary (1995) haben es ähnlich formuliert: Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist fundamental. Es ist nicht anerzogen. Es ist verdrahtet. Wie Hunger. Wie Durst.

Würdest du dich schämen, weil du Hunger hast? Weil du Durst hast?

Dann schäm dich auch nicht, weil du jemanden brauchst.

Die Lüge der Unabhängigkeit

“Ich brauche niemanden.” “Ich bin glücklich allein.” “Ich bin stark genug für mich selbst.”

Das klingt gut. Empowernd. Erwachsen.

Aber es ist oft eine Lüge.

Eine Lüge, die du dir erzählst, weil die Wahrheit zu weh tut. Weil du niemanden hast. Weil du nicht weisst, wie du jemanden finden sollst. Weil du Angst hast, verletzlich zu sein.

“Ich brauche niemanden” ist manchmal Stärke.

Aber oft ist es Selbstschutz. Ein Panzer gegen den Schmerz des Alleinseins.

Der Panzer schützt. Aber er isoliert auch.

Und irgendwann – nachts, wenn niemand zuschaut – bröckelt er. Und darunter ist die Wahrheit:

Du brauchst jemanden.

Das ist okay.

Was “gehalten werden” wirklich bedeutet

“Gehalten werden” ist nicht nur eine Umarmung.

Es ist das Gefühl, dass jemand DA ist. Körperlich. Präsent. Für dich.

Es bedeutet:

  • Arme, die dich umschlingen
  • Wärme an deinem Rücken
  • Einen Herzschlag neben deinem
  • Das Gefühl, nicht allein zu sein mit dem, was dich belastet

Uvnäs-Moberg (2013) hat gezeigt: Diese Art von Nähe setzt Oxytocin frei. Das Hormon, das Stress reduziert, Vertrauen aufbaut, Verbindung schafft.

Gehalten werden ist nicht nur “schön”. Es ist Medizin.

Dein Körper braucht es. Nicht als Luxus. Als Grundbedürfnis.

Die Nächte, in denen es am schlimmsten ist

Es gibt Nächte, in denen die Sehnsucht unerträglich wird.

Du liegst im Bett. Die andere Seite ist leer. Das Kissen neben dir – kalt.

Du drehst dich um. Schliesst die Augen. Versuchst zu schlafen.

Aber das Gefühl lässt dich nicht los.

Diese Leere in der Brust. Dieses Bedürfnis, das keinen Namen hat – bis jetzt.

Ich brauche jemanden, der mich hält.

Nachts ist es am ehrlichsten. Da fallen die Masken. Da ist keine Ablenkung mehr. Da spürst du, was tagsüber funktioniert wegschiebt.

Die Sehnsucht nach Nähe, die dich nachts wach hält – sie ist real. Und sie verdient eine Antwort.

Warum du es niemandem sagst

Du sagst es nicht.

Weil du Angst hast, bedürftig zu wirken. Weil du nicht weisst, wen du fragen sollst. Weil du nicht glaubst, dass jemand “nur halten” würde, ohne mehr zu wollen. Weil du denkst, du müsstest das allein können.

Also trägst du das Bedürfnis allein. Wie einen Stein in der Brust. Jeden Tag.

Aber hier ist die Sache: Das Bedürfnis verschwindet nicht, weil du es versteckst.

Es wächst. Es wird lauter. Es zeigt sich in anderen Symptomen – Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, diese diffuse Traurigkeit, die nie weggeht.

Berührungsmangel ist real. Und er macht krank.

Die Erlaubnis, die du brauchst

Du wartest auf Erlaubnis.

Erlaubnis, jemanden zu brauchen. Erlaubnis, es auszusprechen. Erlaubnis, danach zu suchen.

Hier ist sie:

Du darfst jemanden brauchen.

Das ist nicht schwach. Das ist nicht bedürftig. Das ist nicht peinlich.

Das ist menschlich.

Du darfst diese Sehnsucht haben. Du darfst sie aussprechen. Du darfst aktiv danach suchen.

Jemanden zu brauchen ist keine Schwäche. Es ist die ehrlichste Form von Menschsein.

Was du verdienst

Du verdienst jemanden, der dich hält.

Nicht nur wenn du “verdient” hast. Nicht nur wenn du “genug an dir gearbeitet” hast. Nicht nur wenn du “perfekt” bist.

Jetzt. So wie du bist.

Du verdienst:

  • Arme, die dich auffangen, wenn du fällst
  • Jemanden, der da ist, ohne etwas zu wollen
  • Wärme, die nicht von einer Decke kommt
  • Die Antwort auf die Frage: Wer hält mich?

Das zu wollen ist nicht zu viel verlangt. Das ist das Minimum menschlicher Verbindung.

Der Schritt, den du nicht machst

Du weisst, was du brauchst. Aber du tust nichts.

Du wartest. Auf den richtigen Moment. Auf den richtigen Menschen. Auf ein Zeichen.

Aber das Warten ändert nichts. Es verlängert nur das Alleinsein.

Der Schritt, den du nicht machst: Aktiv werden.

Nicht warten, bis jemand kommt. Suchen. Nicht hoffen, dass es sich “ergibt”. Handeln. Nicht verstecken, was du brauchst. Sagen.

Das ist beängstigend. Verletzlich. Riskant.

Aber es ist der einzige Weg.

Die Frage, die bleibt

Am Ende bleibt die Frage:

Wie lange willst du noch allein sein?

Nicht “allein” im Sinne von “single”. Sondern allein mit dem Bedürfnis, gehalten zu werden. Allein mit der Sehnsucht. Allein in den Nächten.

Du kannst weitermachen wie bisher. Funktionieren. Die Sehnsucht unterdrücken. So tun, als bräuchtest du niemanden.

Oder du kannst ehrlich sein. Zu dir selbst. Und vielleicht zu jemandem, der zuhört.


Ich bin Simon. Ich lebe in Zuchwil, in der Schweiz.

Ich verstehe dieses Bedürfnis. Nicht theoretisch – praktisch. Ich höre von Frauen, die jemanden brauchen, der sie hält. Die sich dafür schämen. Die denken, sie müssten stärker sein.

Du musst nicht stärker sein. Du musst nur ehrlich sein.

Wenn du magst, schreib mir. Nicht für Ratschläge. Für jemanden, der das Bedürfnis versteht – und es nicht für schwach hält.

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FAQ: Jemanden brauchen

Ist es okay, jemanden zu brauchen, obwohl ich “eigentlich” allein klarkommen sollte?

Ja. Das “sollte” ist eine gesellschaftliche Erfindung, keine biologische Realität. Dein Nervensystem ist auf Verbindung ausgelegt. Das zu ignorieren ist nicht Stärke – es ist Selbstverleugnung.

Wie finde ich jemanden, der mich hält, ohne dass es gleich eine Beziehung sein muss?

Freunde, die körperliche Nähe schätzen. Professionelle Kuschelpartner (ja, das gibt es). Oder: Sei ehrlich darüber, was du suchst, bevor du jemanden triffst. Der richtige Mensch versteht, dass “Halten” nicht “Beziehung” bedeuten muss.

Was mache ich, wenn die Sehnsucht unerträglich wird?

Kurzfristig: Hand aufs Herz, tief atmen, eine warme Dusche, eine gewichtete Decke. Langfristig: Die Sehnsucht als Signal nehmen, nicht als Schwäche. Sie zeigt dir, was fehlt – und motiviert dich hoffentlich, es zu suchen.


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Du brauchst jemanden, der dich hält? Schreib mir. Nicht für Ratschläge, was du “anders machen” sollst. Sondern für jemanden, der versteht.

Über den Autor

Simon H. ist kein Therapeut und kein Experte – er ist ein Mann, der eine ehrliche Verbindung sucht. Seine Überzeugung: Die Lösung für viele körperliche Blockaden liegt nicht in Symptombehandlung, sondern in menschlicher Nähe und echtem Vertrauen.

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