Du liegst im Bett und zitterst. Dir ist kalt, obwohl du unter zwei Decken liegst, und gleichzeitig glüht eine Stelle an deiner Brust, als läge ein heisser Stein darauf. Jede Berührung tut weh. Das Baby schläft neben dir, und in deinem Kopf kreist nur eine Frage: Ist das noch ein Milchstau, oder ist es etwas Ernstes?

Kurz gesagt: Eine Brustentzündung (Mastitis) betrifft meist einen Bereich der Brust. Er ist rot, heiss, geschwollen und schmerzhaft, oft kommen Fieber, Schüttelfrost und ein grippiges Gefühl dazu. Beim Milchstau fehlen Fieber und Krankheitsgefühl. Viele Brustentzündungen heilen mit Kühlen, einem Schmerzmittel und normalem Weiterstillen ab, ohne Antibiotika. Melde dich rasch bei Hebamme, Ärztin oder Arzt, wenn Fieber oder Schüttelfrost dazukommen oder es dir schlechter geht, und spätestens, wenn es 12 bis 24 Stunden nach Beginn dieser Massnahmen nicht besser wird. Weiterstillen ist für dein Baby sicher.

Wer hier schreibt: Ich bin Simon. Ich habe keine medizinische Ausbildung, und diese Seite ist keine Stillberatung. Ich suche eine Partnerin für eine feste Beziehung. Was hier zu Brustentzündung, Fieber und Arztbesuch steht, stammt aus dem Mastitis-Protokoll der Academy of Breastfeeding Medicine (ABM) von 2022 und aus den Seiten des britischen Gesundheitsdienstes NHS. Die Quellen stehen unten. Verbindlich ist, was deine Hebamme, Stillberaterin oder Ärztin sagt.

Milchstau oder Mastitis: Was ist der Unterschied?

Lange galten Milchstau und Brustentzündung als zwei verschiedene Dinge. Das aktuelle ABM-Protokoll beschreibt sie als Stufen derselben Entwicklung: Erst schwillt das Gewebe um die feinen Milchgänge an, dann entzündet sich der Bereich, manchmal kommen Bakterien dazu, und selten bildet sich ein Abszess. Wo du gerade stehst, erkennst du an diesen Zeichen:

  • Milchstau: eine harte, druckempfindliche Stelle, vielleicht leicht gerötet. Kein Fieber, du fühlst dich nicht krank.
  • Entzündliche Mastitis: Die Stelle wird röter, wärmer und geschwollener, dazu kommen Fieber, Schüttelfrost oder Herzrasen. Das kann auch ganz ohne Bakterien passieren, als Reaktion des Körpers auf die Entzündung.
  • Bakterielle Mastitis: Die Rötung breitet sich aus und wird trotz Kühlen, Schmerzmittel und normalem Stillen nicht besser. Dann braucht es in der Regel ein Antibiotikum.
  • Abszess: eine klar umgrenzte, pralle, sehr schmerzhafte Schwellung, oft nach einer Mastitis. Er muss abgelassen werden.

Typisch für eine Brustentzündung sind laut NHS ausserdem ein keilförmiger Knoten oder eine harte Stelle, ein brennender Schmerz, der ständig da ist oder nur beim Stillen, und manchmal Ausfluss aus der Brustwarze, weiss oder mit feinen Blutfäden. Auf dunkler Haut ist die Rötung schwerer zu sehen.

Fieber ist also kein sicherer Beweis für Bakterien, und nicht jede gerötete Brust ist eine Infektion. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf den Verlauf: Wird es mit den einfachen Massnahmen besser oder nicht?

Ab wann ist es Fieber?

Ab 38 Grad spricht der NHS von Fieber. Fühlst du dich heiss, kalt oder zitterig, kann es aber auch Fieber sein, wenn das Thermometer weniger anzeigt. Miss trotzdem, am besten mit einem digitalen Thermometer unter der Zunge.

In den ersten Wochen nach der Geburt gibt es eine Verwechslungsgefahr: Durch die Hormonumstellung schwitzen viele Frauen nachts stark oder haben Hitzewallungen, die sich wie Fieber anfühlen. Das Fachprotokoll weist ausdrücklich darauf hin. Und eine gerötete, schmerzende Brust am Morgen nach einer langen Schlafpause ist meist eine überfüllte, gereizte Brust und noch keine Infektion. Eine Infektion entsteht nicht innerhalb weniger Stunden.

Was hilft bei einer Brustentzündung?

Für Milchstau und Brustentzündung gelten laut ABM-Protokoll und NHS dieselben Grundregeln:

  • Weiterstillen wie gewohnt, wenn dein Baby will, an beiden Seiten. Nicht öfter und nicht länger, um die Brust zu leeren.
  • Kühlen: ein kaltes, feuchtes Tuch, etwa 10 Minuten jede Stunde.
  • Ibuprofen oder Paracetamol gegen Schmerz, Entzündung und Fieber. Die Dosis klärst du in der Apotheke. Kein Aspirin.
  • Ruhe und ein bequemer, stützender BH, nichts Enges.
  • Kein zusätzliches Abpumpen und keine kräftige Massage, auch keine Öle, Salzbäder oder Cremes auf der Brust.

Warum gerade das hilft und was du besser lässt, steht ausführlich im Artikel Knoten in der Brust beim Stillen. Wann die Pumpe sinnvoll ist: Abpumpen bei Milchstau.

Brauche ich bei einer Brustentzündung Antibiotika?

Nicht immer. Antibiotika helfen nur, wenn Bakterien beteiligt sind. In einer schwedischen Studie, die das Protokoll zitiert, heilte die Entzündung bei den meisten Frauen ganz ohne Antibiotika ab. Das Forschungsteam führte das darauf zurück, dass die Beschwerden gelindert wurden und die Frauen engen Kontakt zu ihrer Fachperson hatten. Ein Antibiotikum ohne bakterielle Entzündung kann dagegen das Gleichgewicht der Bakterien in der Brust stören und das Risiko erhöhen, dass doch noch eine bakterielle Mastitis entsteht.

Ob du eines brauchst, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Bekommst du eines, gibt es Präparate, mit denen du weiterstillen kannst. Ein kleiner Teil geht in die Milch über, das ist für dein Baby laut NHS ungefährlich, es kann höchstens etwas unruhiger werden. Geht es dir 48 Stunden nach Beginn des Antibiotikums nicht besser, meldest du dich noch einmal. Dann kann eine Milchprobe zeigen, welche Bakterien beteiligt sind.

Darf ich mit einer Brustentzündung weiterstillen?

Ja. Eine Brustentzündung ist nicht ansteckend, und die Milch aus der entzündeten Brust ist für dein Baby sicher, auch bei einer bakteriellen Mastitis. Du musst nichts abpumpen und wegschütten. Weiterstillen hilft der Brust eher, plötzliches Abstillen kann die Entzündung verstärken.

Tut das Stillen an der entzündeten Seite zu weh oder will dein Baby dort nicht trinken, kannst du so viel Milch von Hand ausstreichen, wie dein Baby braucht. Ins Spital musst du wegen einer Brustentzündung nur selten. Wenn doch, sollen Mutter und Baby laut ABM zusammenbleiben, damit du weiterstillen kannst.

Wann musst du mit einer Brustentzündung zur Ärztin?

Melde dich rasch, noch am gleichen Tag, bei Hebamme, Ärztin oder Arzt, wenn

  • Fieber, Schüttelfrost oder ein grippiges Krankheitsgefühl dazukommen,
  • sich die Rötung ausbreitet oder die Stelle röter, heisser oder grösser wird,
  • sich eine pralle, sehr schmerzhafte Schwellung bildet, die nach einem Abszess aussieht,
  • es dir zu irgendeinem Zeitpunkt schlechter geht.

Spätestens dann, wenn es 12 bis 24 Stunden, nachdem du mit Kühlen, Schmerzmittel und normalem Stillen begonnen hast, nicht besser wird. Und noch einmal, wenn sich 48 Stunden nach Beginn eines Antibiotikums nichts gebessert hat.

Sofort Hilfe holen, wenn du dich sehr krank fühlst, etwa mit hohem Fieber und Herzrasen. Ausserhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Notfalldienst deines Kantons, im Notfall die 144.

Einen Termin vereinbaren, wenn eine Brustentzündung immer wieder an derselben Stelle auftritt oder nach der Entzündung ein Knoten bleibt. Und rasch, wenn die Rötung trotz Kühlen und Schmerzmittel immer weiter zunimmt und die Haut aussieht wie eine Orangenschale oder sich die Brustwarze nach innen zieht. Dahinter kann sehr selten eine entzündliche Form von Brustkrebs stecken, die das Protokoll ausdrücklich nennt.

Was ist ein Abszess, und wie wird er behandelt?

Bei etwa 3 bis 11 von 100 Frauen mit einer akuten Brustentzündung bildet sich laut ABM ein Abszess, eine abgekapselte Eiteransammlung. Typisch ist eine pralle, sehr schmerzhafte, gerötete Schwellung in einem klar umgrenzten Bereich. Das Fieber kann dabei sogar zurückgehen, weil der Körper die Entzündung abkapselt, und später wiederkommen.

Ein Abszess wird per Ultraschall erkannt und muss abgelassen werden: unter örtlicher Betäubung mit einer Nadel, manchmal mehrmals, oder über einen kleinen Schnitt, meist ambulant. Danach heilt er in einigen Tagen bis Wochen ab, und du kannst weiterstillen, auch an der betroffenen Seite. Je früher eine Brustentzündung behandelt wird, desto geringer ist das Risiko für einen Abszess, schreibt der NHS.

Warum kommt die Brustentzündung immer wieder?

Die ABM nennt mehrere Gründe für wiederkehrende Entzündungen: eine dauerhaft zu hohe Milchmenge, die oft durch zusätzliches Abpumpen oder das Leeren der Brust entsteht, ein gestörtes Gleichgewicht der Bakterien in der Milch, eine frühere Entzündung, die nicht ganz ausgeheilt ist, und zu kräftige Massage. Der NHS ergänzt, dass es auch daran liegen kann, wie das Baby angelegt ist und andockt.

Bei wiederkehrenden Entzündungen lohnen sich deshalb zwei Dinge: eine ärztliche Untersuchung mit einer Milchprobe und eine Stillberatung, die sich anschaut, wie dein Baby trinkt und wie viel Milch du bildest. Tritt die Entzündung immer an derselben Stelle auf, gehört ein Ultraschall dazu.

Bin ich schuld an der Brustentzündung?

Nein. Eine Brustentzündung hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, und sie ist nicht ansteckend. Dass bestimmte Lebensmittel sie auslösen, ist nicht belegt. Das Protokoll beschreibt ein Zusammenspiel aus Milchmenge, Bakterien in der Milch, Antibiotika, Kaiserschnitt und Abpumpen, also vor allem Dinge, die du nicht in der Hand hattest. Und wenn du zusätzlich abgepumpt oder massiert hast, dann, weil man es dir so geraten hat. Wenn sich trotzdem das Gefühl festsetzt, versagt zu haben: Schuldgefühle & Milchstau.

Vielleicht hast du gelesen, Stress sei die eigentliche Ursache. Auch auf dieser Seite stand das früher so. Belegt ist es nicht. Was das Protokoll festhält: Frauen, die schon einmal Ängste oder Depressionen hatten, haben häufiger Beschwerden einer Brustentzündung, und nach der Geburt sind Ängste und Depressionen häufiger, wenn das Stillen schwierig ist. Ruhe, Entlastung und Unterstützung gehören deshalb dazu.

Nachts mit Fieber und Baby allein

Es ist zwei Uhr. Das T-Shirt ist durchgeschwitzt, das Thermometer zeigt 38,8. Mit einer Hand hältst du das Baby, mit der anderen tippst du «Milchstau oder Mastitis» ins Handy, und deine Finger zittern so, dass du dich zweimal vertippst.

Dann kommen die Fragen, die mit der Brust nichts zu tun haben: Wer nimmt das Baby, wenn ich zur Ärztin muss? Wen rufe ich um diese Zeit an? Darf ich deswegen überhaupt jemanden wecken?

Du darfst. Eine Brustentzündung mit Fieber ist genau der Fall, für den es den ärztlichen Notfalldienst gibt, und du störst niemanden, wenn du anrufst. Geht es dir sehr schlecht, ist die 144 da, auch für eine Mutter mit Baby im Arm.

Und wenn das Fieber gesunken ist und du wieder allein in der stillen Wohnung sitzt, darf auch das jemand wissen. Der Elternnotruf ist rund um die Uhr erreichbar, Telefon 0848 35 45 55.

Nach der Brustentzündung: Wenn die Angst bleibt

Das Fieber ist weg, die Brust wird wieder weich. Und trotzdem tastest du morgens, mittags und abends. Jede warme Stelle löst Alarm aus, und das Stillen, das einmal Nähe war, ist zur Kontrolle geworden.

Diese Wachsamkeit ist verständlich nach dem, was du erlebt hast. Raubt sie dir aber den Schlaf, oder fühlst du dich nach all dem nur noch geschlagen und ziehst dich zurück, dann nennt das Fachprotokoll beides als mögliches Zeichen einer Angststörung oder Depression nach der Geburt. Beides ist behandelbar. Erzähl deiner Hebamme oder Ärztin davon, ohne es kleinzureden. Mehr über diese Angst: Angst vor Milchstau.

Wo bekommst du in der Schweiz Hilfe bei einer Brustentzündung?

  • Deine Hebamme: im Wochenbett die erste Anlaufstelle, auch bei Fieber und roter Brust. Hebammen in deiner Nähe: Hebammensuche des Schweizerischen Hebammenverbands.
  • Eine Still- und Laktationsberaterin (BSS oder IBCLC): besonders bei wiederkehrenden Entzündungen. Drei Stillberatungen bezahlt die Krankenkasse. Beraterinnen in deiner Region: Verzeichnis des Berufsverbands.
  • La Leche League Schweiz: Beratung am Telefon, per E-Mail und in Stilltreffen: lalecheleague.ch.
  • Hausärztin, Frauenärztin oder Frauenarzt: bei allen Warnzeichen. Ausserhalb der Sprechzeiten der ärztliche Notfalldienst deines Kantons, im Notfall die 144.
  • Wenn du nicht mehr kannst: Elternnotruf 0848 35 45 55, rund um die Uhr, oder Die Dargebotene Hand, Telefon 143.

FAQ: Brustentzündung in der Stillzeit

Was ist der Unterschied zwischen Milchstau und Mastitis?

Beim Milchstau ist eine Stelle hart und druckempfindlich, du fühlst dich aber nicht krank. Bei einer Mastitis wird der Bereich röter, heisser und geschwollener, und es kommen Fieber, Schüttelfrost oder ein grippiges Gefühl dazu. Laut dem Protokoll der Academy of Breastfeeding Medicine gehören beide zum selben Spektrum.

Ab wie viel Grad ist es Fieber bei einer Brustentzündung?

Ab 38 Grad spricht der NHS von Fieber. Fühlst du dich heiss, kalt oder zitterig, kann es auch darunter Fieber sein. In den ersten Wochen nach der Geburt können Hitzewallungen und Nachtschweiss Fieber vortäuschen, deshalb lohnt es sich, mit dem Thermometer zu messen.

Brauche ich bei einer Brustentzündung immer Antibiotika?

Nein. Viele Brustentzündungen heilen mit Kühlen, Schmerzmitteln und normalem Weiterstillen ab. Ein Antibiotikum braucht es bei einer bakteriellen Entzündung, etwa wenn sich die Rötung ausbreitet und es trotz dieser Massnahmen nicht besser wird. Ob das so ist, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.

Ist eine Brustentzündung ansteckend für mein Baby?

Nein. Eine Mastitis ist nicht ansteckend, und die Milch aus der entzündeten Brust ist für dein Baby sicher, auch bei einer bakteriellen Entzündung. Du kannst weiterstillen und musst keine Milch abpumpen und wegschütten.

Wie lange dauert eine Brustentzündung?

Das ist unterschiedlich. Wichtig ist der Verlauf: 12 bis 24 Stunden nach Beginn von Kühlen, Schmerzmittel und normalem Stillen sollte es besser werden, mit Antibiotikum spätestens nach 48 Stunden. Nach einer starken Entzündung kann eine verhärtete Stelle noch Wochen zu spüren sein. Sie wird kontrolliert, bis sie verschwunden ist.

Soll ich bei einer Brustentzündung abstillen?

Nein, nicht deswegen. Weiterstillen hilft der Brust eher, und plötzliches Abstillen kann die Entzündung verstärken. Ist das Stillen an der entzündeten Seite zu schmerzhaft, kannst du dort so viel Milch von Hand ausstreichen, wie dein Baby braucht, und dir von Hebamme oder Stillberaterin helfen lassen.


Weiterlesen


Korrigiert am 30.10.2026: Frühere Fassungen dieses Artikels nannten eine feste Fiebergrenze von 38,5 Grad, enthielten einen selbst entwickelten Selbsttest, ungeprüfte Telefonnummern und Quellen, die nicht zu den Aussagen passten, und bezeichneten Stress als eigentliche Ursache. Der Text wurde vollständig überarbeitet und folgt jetzt dem Protokoll der Academy of Breastfeeding Medicine und den Seiten des NHS.