Schon wieder.
Der gleiche Schmerz. Die gleiche Verhärtung. Die gleiche Prozedur: Wärme, Massage, Anlegen, Kühlen.
Du machst alles richtig. Und trotzdem kommt er zurück.
Immer wieder. Immer wieder. Immer wieder.
Für die akute Not: Wenn du gerade jetzt Schmerzen hast und schnelle Hilfe brauchst: Lies diese 3-Phasen-Anleitung für den Moment
⚠️ Wichtig: Wenn aus dem “Dauernd” plötzlich “Fieber” wird, ist es ernst. Mach hier den schnellen Check: Milchstau oder Mastitis?
Das Muster, das dich fertig macht
Andere Frauen haben vielleicht einmal Milchstau. Du hast ihn dauernd.
Alle paar Tage. Manchmal täglich. Du bist immer auf der Hut, tastest immer, wartest auf den nächsten.
Das ist nicht nur körperlich erschöpfend. Es ist psychisch zermürbend.
Du fängst an zu glauben, dass mit dir etwas nicht stimmt. Dass dein Körper nicht “richtig” funktioniert.
Aber das stimmt nicht.
Dein Körper funktioniert genau so, wie er soll – unter den gegebenen Umständen.
→ Hier erkläre ich, warum die Ursache alles verändert
Warum der Stau immer wiederkehrt
Die üblichen Erklärungen:
- “Milchüberproduktion”
- “Empfindliche Milchgänge”
- “Falsche Stilltechnik”
- “Zu enge BHs”
Das kann alles eine Rolle spielen. Aber wenn du das alles adressiert hast und der Stau trotzdem wiederkommt, fehlt ein Teil der Erklärung.
Der hormonelle Teil.
Die vergessene Ursache
Dein Körper braucht Oxytocin für den Milchfluss.
Oxytocin lässt die kleinen Muskeln um die Milchdrüsen kontrahieren und die Milch in die Gänge fliessen. Ohne genug Oxytocin staut sich die Milch – egal wie viel du pumpst oder massierst.
Und hier ist der Punkt:
Oxytocin wird durch Stress blockiert.
Wenn du unter Dauerstress stehst – chronisch erschöpft, überfordert, allein – produziert dein Körper Cortisol statt Oxytocin.
Das Ergebnis: Die Milch wird produziert (Prolaktin funktioniert), aber sie fliesst nicht richtig ab (Oxytocin fehlt).
Der Teufelskreis des Dauerstress
So läuft es ab:
- Du bist erschöpft und gestresst
- Cortisol ist hoch, Oxytocin niedrig
- Die Milch fliesst schlecht
- Ein Stau bildet sich
- Du behandelst ihn (Wärme, Massage, Entleeren)
- Er geht weg
- Du bist immer noch erschöpft und gestresst
- Zurück zu Punkt 1
Das ist kein Versagen deinerseits. Das ist ein System, das so nicht funktionieren kann.
Warum du allein steckst
Die Frage ist: Warum bist du so gestresst?
Für viele Frauen lautet die Antwort: Weil sie allein sind.
Allein mit dem Baby. Allein mit der Verantwortung. Allein in der Nacht. Allein mit den Sorgen.
Kein Partner, der hilft. Keine Familie in der Nähe. Freundinnen, die nicht verstehen.
Das ist kein Lifestyle-Problem. Das ist ein Überlebensmodus.
Und in diesem Modus kann dein Körper nicht zur Ruhe kommen. Das Oxytocin bleibt niedrig. Der Milchstau kommt wieder.
Was die Forschung sagt
Studien zeigen: Körperliche Nähe zu einem vertrauten Menschen erhöht Oxytocin dramatisch. Bis zum Zehnfachen des Normalwerts.
Nicht Meditation. Nicht Yoga. Nicht tiefes Atmen.
Echte menschliche Nähe.
Wenn du diese Nähe nicht hast – wenn niemand da ist, der dich hält, der präsent ist – dann fehlt deinem Körper das, was er für die Oxytocin-Produktion braucht.
Die unbequeme Wahrheit
Ich sage dir jetzt etwas, das du vielleicht nicht hören willst:
Keine Technik kann ersetzen, was fehlt.
Du kannst die perfekte Stilltechnik haben. Du kannst alle Hausmittel kennen. Du kannst die beste Pumpe kaufen.
Aber solange du unter Dauerstress stehst – solange du allein bist und keine echte Unterstützung hast – wird der Milchstau immer wiederkommen.
Was du wirklich brauchst
Nicht noch bessere Technik.
Nicht noch mehr Tipps.
Du brauchst jemanden.
Jemanden, der da ist. Nicht nur praktisch hilft, sondern emotional präsent ist. Der das Gefühl gibt: “Du bist nicht allein mit dem allem.”
Das klingt vielleicht banal. Aber es ist das Fundament, ohne das dein Körper nicht zur Ruhe kommen kann.
Kann sich das ändern?
Ja.
Aber nicht durch mehr Selbstoptimierung. Nicht durch “besser werden” im Milchstau-Management.
Es ändert sich, wenn sich deine Situation ändert.
Wenn jemand da ist. Wenn du dich sicher fühlst. Wenn dein Nervensystem endlich aus dem Alarm-Modus rauskommt.
Das passiert nicht von allein. Aber es ist möglich.
Der erste Schritt
Ich kann dir keinen Schalter geben, der alles löst.
Aber ich weiss: Du musst das nicht allein durchstehen.
Es gibt Menschen, die verstehen. Die nicht mit noch mehr Tipps kommen. Die einfach da sein wollen.
Manchmal beginnt alles mit einer ehrlichen Nachricht.
FAQ: Dauernd Milchstau
Wie oft ist “zu oft” für Milchstau?
Wenn du mehr als zwei- bis dreimal im Monat Milchstau hast, ist das nicht mehr normal. Es zeigt, dass etwas Grundlegendes nicht stimmt – oft nicht die Technik, sondern die Umstände.
Kann häufiger Milchstau meiner Brust schaden?
Wiederholte Entzündungen können theoretisch Narbengewebe hinterlassen. Deshalb ist es so wichtig, nicht nur das Symptom zu behandeln, sondern die Ursache zu adressieren.
Sollte ich abstillen, wenn der Milchstau ständig wiederkommt?
Das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Bevor du aufgibst: Hast du die emotionale/hormonelle Seite adressiert? Manchmal ist es nicht das Stillen, das nicht funktioniert – sondern der fehlende Support drumherum.
Was kann ich sofort tun gegen den Dauerstress?
Kurzfristig: Erwartungen senken, “gut genug” akzeptieren, jede Hilfe annehmen. Langfristig: Menschen in dein Leben lassen, die die Last mitttragen. Das Zweite ist schwerer, aber wichtiger.
Hilft mir mehr Schlaf gegen den wiederkehrenden Milchstau?
Schlaf hilft, ja – er senkt Cortisol. Aber wenn du allein bist mit dem Baby, wie sollst du mehr schlafen? Das zeigt: Das Problem liegt tiefer als “mehr schlafen”.
Weiterlesen
- Warum habe ich immer Milchstau?
- Chronischer Milchstau: Wenn es nie aufhört
- Milchstau durch Stress: Was in deinem Körper passiert
- Wissenschaftliche Grundlagen: Oxytocin und Milchfluss
Dauernd Milchstau und du weisst nicht mehr weiter? Schreib mir. Nicht für weitere Tipps – sondern für jemanden, der versteht.