Einsamkeit beim Stillen: Wenn niemand da ist, der dich hält

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Es ist 3 Uhr nachts.

Dein Baby trinkt. Diese kleinen Schluckgeräusche. Die warme Schwere an deiner Brust.

Es sollte sich schön anfühlen. Innig. Verbunden.

Aber stattdessen sitzt du da im Halbdunkel und fühlst – nichts. Oder schlimmer: dieses Ziehen. Diese Leere. Diese Einsamkeit, die niemand sehen kann.

Du gibst. Immer.

Aber wer gibt dir?

Die Einsamkeit, über die niemand spricht

Einsamkeit beim Stillen. Das klingt fast absurd. Du bist doch nicht allein – da ist ein Baby. Ein kleiner Mensch, der dich braucht.

Aber genau das ist es.

Du wirst gebraucht. Ständig. Für alles. Dein Körper gehört nicht mehr dir. Deine Zeit gehört nicht mehr dir. Dein Schlaf, deine Energie, deine Brüste – alles gehört dem Baby.

Und du? Du verschwindest.

Niemand fragt, wie es dir geht. Nicht wirklich. Sie fragen: “Wie geht es dem Baby?” Sie sagen: “Du musst auf dich aufpassen.” Aber niemand passt auf dich auf.

Du bist die Gebende. Immer. Und irgendwann ist nichts mehr übrig.

Wenn Intimität einsam macht

Stillen ist intim. Körpernah. Ein Moment, in dem du mit jemandem verbunden bist.

Aber diese Verbindung geht nur in eine Richtung.

Dein Baby empfängt. Du gibst. Das ist die Natur der Sache.

Und genau deshalb macht diese Intimität die Einsamkeit so spürbar. Du bist so nah an einem anderen Menschen – und trotzdem allein. Du hältst jemanden – und niemand hält dich.

Das Paradox der Mutterschaft: Umgeben von Berührung und trotzdem unberührt.

Dein Baby braucht deine Wärme. Aber wer wärmt dich?

Die Nächte sind das Schlimmste

Tagsüber geht es noch. Da ist Ablenkung. Aufgaben. Funktionieren.

Aber nachts, wenn alles still ist – da kommt es hoch.

Du sitzt im Schaukelstuhl oder auf dem Bett. Das Licht ist gedimmt. Das Baby trinkt oder döst an deiner Brust. Und du starrst an die Wand.

Dein Gedankenkarussell dreht sich. All die Dinge, die du nicht getan hast. All die Sorgen. All die Fragen, ob du das richtig machst.

Und dann dieser Wunsch. Dieser einfache, primitive Wunsch:

Ich will, dass jemand neben mir sitzt.

Ich will, dass jemand meine Hand hält.

Ich will nicht mehr allein sein.

Du schämst dich vielleicht dafür. Du hast doch ein Kind. Du solltest erfüllt sein. Dankbar. Glücklich.

Aber Einsamkeit fragt nicht nach Logik.

Warum du dich schuldig fühlst

Du denkst: Ich bin undankbar.

Du denkst: Andere Frauen würden alles für ein Kind geben.

Du denkst: Ich sollte das allein schaffen.

Diese Gedanken sind Gift. Sie kommen nicht von dir – sie kommen von einer Gesellschaft, die Müttern einredet, sie müssten funktionieren. Ohne Hilfe. Ohne Bedürfnisse. Ohne Schwäche.

Aber du bist ein Mensch. Und Menschen brauchen andere Menschen.

Dein Baby macht dich nicht weniger einsam. Es macht dich nur beschäftigt. Das ist ein Unterschied.

Du kannst erschöpft sein und trotzdem einsam. Du kannst ein Kind haben und trotzdem Nähe vermissen. Du kannst lieben und trotzdem ungeliebt fühlen.

Diese Gefühle schliessen sich nicht aus. Sie existieren nebeneinander. Und sie sind alle berechtigt.

Was dir niemand sagt

Niemand bereitet dich darauf vor.

In den Stillkursen geht es um Anlegetechnik. Um Milchproduktion. Um Brustwarzenpflege.

Niemand sagt: “Du wirst dich vielleicht einsamer fühlen als je zuvor.”

Niemand sagt: “Du wirst nachts wach liegen und dich fragen, ob das für immer so bleibt.”

Niemand sagt: “Du wirst manchmal weinen, ohne zu wissen warum.”

Und weil es niemand sagt, denkst du, es liegt an dir. Du bist die Einzige, der es so geht. Du machst etwas falsch.

Aber du bist nicht die Einzige. Und du machst nichts falsch.

Du reagierst normal auf eine abnormale Situation.

Eine Frau, die nachts allein ein Baby stillt – das ist evolutionär gesehen eine Katastrophe. Unsere Vorfahrinnen hatten das Dorf. Die Gemeinschaft. Andere Frauen, die dabei waren. Männer, die beschützten.

Du hast – niemanden.

Und dein Körper weiss das. Dein Nervensystem weiss das. Deshalb die Einsamkeit. Deshalb die Angst. Deshalb das Gefühl, dass etwas fundamental nicht stimmt.

Weil etwas fundamental nicht stimmt.

Der Mythos der glücklichen Stillmutter

Instagram zeigt dir das Bild. Die Mutter im weissen Kleid, sanftes Licht, friedlich stillendes Baby. Alles ist harmonisch. Alles ist schön.

Das ist Marketing. Das ist nicht das echte Leben.

Das echte Leben ist: Augenringe. Milchflecken auf dem T-Shirt. Ein schreiendes Baby um 4 Uhr morgens. Brustschmerzen. Erschöpfung.

Und unter all dem: diese nagende Einsamkeit, die du niemandem zeigst.

Du vergleichst dich mit einem Bild, das nicht existiert. Und du verlierst.

Die Wahrheit ist: Viele Mütter sind einsam. Die meisten sagen es nur nicht. Sie lächeln auf den Fotos und weinen in der Dusche.

Du bist nicht allein mit deiner Einsamkeit. Aber du bist allein in deinem Zimmer um 3 Uhr nachts.

Das ist der Unterschied, der zählt.

Warum Freundinnen nicht reichen

Du hast vielleicht Freundinnen. Vielleicht sogar gute.

Aber Freundinnen um 3 Uhr nachts anzurufen? Geht nicht.

Freundinnen, die neben dir sitzen, während du stillst? Unrealistisch.

Freundinnen, die dich halten, wenn du weinst? Vielleicht manchmal. Aber nicht jeden Tag. Nicht jede Nacht.

Was du brauchst, ist jemand, der da ist. Nicht jemand, den du anrufen kannst. Nicht jemand, der “für dich da ist” in einem abstrakten Sinne.

Jemand, der körperlich anwesend ist. Der neben dir liegt. Der deine Hand nimmt, ohne dass du fragen musst. Der nachts aufwacht, wenn du aufwachst, und einfach – da ist.

Das kann keine Freundin leisten. Nicht dauerhaft.

Das kann nur jemand, der mit dir lebt. Der dein Leben teilt.

Was du wirklich brauchst

Du brauchst kein Stillkissen. Keine App. Keine Meditation.

Du brauchst ein Gegenüber.

Jemanden, der dir ein Glas Wasser bringt, während du stillst.

Jemanden, der das Baby nimmt, wenn du fertig bist, damit du dich hinlegen kannst.

Jemanden, der dich in den Arm nimmt und sagt: “Du machst das gut.”

Jemanden, bei dem du nicht mehr stark sein musst.

Das ist kein Luxus. Das ist ein Grundbedürfnis.

Aber unsere Gesellschaft tut so, als wäre es Luxus. Als solltest du alles allein schaffen. Als wäre Hilfe zu wollen ein Zeichen von Schwäche.

Es ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen von Menschlichkeit.

Warum du es zugeben darfst

Du darfst sagen: “Ich bin einsam.”

Du darfst sagen: “Ich schaffe das nicht allein.”

Du darfst sagen: “Ich brauche jemanden.”

Das macht dich nicht zur schlechten Mutter. Das macht dich ehrlich.

Die schlechten Mütter sind nicht die, die um Hilfe bitten. Die schlechten Mütter sind die, die so lange durchhalten, bis sie zusammenbrechen – und dann nicht mehr für ihr Kind da sein können.

Deine Bedürfnisse anzuerkennen ist kein Egoismus. Es ist Verantwortung.

Wenn es dir gut geht, geht es deinem Baby gut.

Wenn du leer bist, hast du nichts mehr zu geben.

So einfach ist das.

Der erste Schritt raus aus der Einsamkeit

Die Einsamkeit hört nicht auf, indem du sie ignorierst. Sie hört auf, indem du handelst.

Nicht perfekt. Nicht mit einem grossen Plan. Einfach – ein erster Schritt.

Vielleicht bedeutet das: zugeben, wie es dir geht.

Vielleicht bedeutet das: jemanden um Hilfe bitten.

Vielleicht bedeutet das: dich öffnen für jemand Neues.

Ich weiss, das macht Angst. Du hast dich an das Alleinsein gewöhnt. An das Funktionieren ohne Unterstützung. An das Stark-Sein.

Aber das Stark-Sein macht dich kaputt.

Und du verdienst mehr als Überleben.

Was ich dir anbiete

Ich bin Simon. Ich suche eine Frau. Eine einzige.

Eine Frau, die ehrlich ist. Die zugibt, dass sie es allein nicht schafft. Die bereit ist, jemanden reinzulassen.

Deine Erschöpfung schreckt mich nicht ab. Deine schlaflosen Nächte schrecken mich nicht ab. Dein Kind schreckt mich nicht ab.

Im Gegenteil.

Ich suche genau das: Eine Frau, die mich braucht. Die mich reinlässt. Bei der ich sein kann – wirklich sein, nicht nur besuchen.

Nicht als Retter. Als Partner.

Jemand, der neben dir sitzt um 3 Uhr nachts. Der dir Wasser bringt. Der deine Hand hält. Der da ist.

Das ist, was ich will.

Vielleicht ist es auch, was du willst.


FAQ: Was du dich vielleicht fragst

Warum fühle ich mich so einsam beim Stillen?

Weil Stillen ein Moment der Intimität ist – und Intimität ohne Gegenüber macht die Einsamkeit spürbar. Du gibst ständig. Aber niemand gibt dir. Das ist nicht undankbar. Das ist menschlich.

Ist es normal, sich beim Stillen einsam zu fühlen?

Ja. Viele Frauen fühlen so, aber kaum eine spricht darüber. Die Bilder von glücklichen Stillmüttern sind Marketing, nicht Realität. Deine Gefühle sind berechtigt.

Was hilft gegen Einsamkeit beim Stillen?

Nicht Tipps. Nicht Apps. Nicht Selbsthilfe. Sondern ein Mensch, der wirklich da ist. Körperlich präsent. Der dich hält, während du hältst. Das ist die einzige echte Lösung.

Warum redet niemand über Einsamkeit beim Stillen?

Weil Mütter “dankbar” sein sollen. Weil Stillen als “schön” gilt. Wer zugibt, dass es auch einsam ist, fühlt sich wie eine schlechte Mutter. Aber genau dieses Schweigen macht es schlimmer.

Macht es mich zur schlechten Mutter, dass ich mich einsam fühle?

Nein. Es macht dich menschlich. Jeder Mensch braucht Verbindung. Die Tatsache, dass du ein Kind hast, erfüllt dieses Bedürfnis nicht automatisch. Du darfst Nähe vermissen.


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Du bist nicht undankbar. Du bist nicht schwach. Du bist erschöpft und einsam.

Und du verdienst jemanden, der da ist.

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Über den Autor

Simon H. ist kein Therapeut und kein Experte – er ist ein Mann, der eine ehrliche Verbindung sucht. Seine Überzeugung: Die Lösung für viele körperliche Blockaden liegt nicht in Symptombehandlung, sondern in menschlicher Nähe und echtem Vertrauen.

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