Milchstau kommt immer wieder: Warum das passiert

· 1561 Wörter Milchstau , Chronisch , Psychosomatik , Stress , Warnsignal , Körperarbeit

Es ist wie ein Fluch. Du hast gekämpft. Du hast gewärmt, massiert, gepumpt, geweint. Endlich war der Knoten weg. Du hast aufgeatmet.

Und dann, drei Tage später: Derselbe Schmerz. Dieselbe Stelle.

Du fragst dich: “Was mache ich falsch? Lege ich falsch an? Ist mein BH zu eng? Bin ich zu blöd zum Stillen?”

Ich sage dir: Du machst nichts “falsch”. Aber du überhörst vielleicht etwas.

Der Körper als Bote

Wenn ein Milchstau einmal passiert, kann es “Pech” sein. Ein verrutschter Träger, eine lange Nacht. Wenn er immer wieder kommt (rezidivierender Milchstau), ist es kein Zufall. Es ist eine Botschaft.

Dein Körper ist wie ein kleines Kind. Wenn du ihm nicht zuhörst, wird es lauter. Erst flüstert er (ein leichtes Ziehen). Dann spricht er (eine Verhärtung). Dann schreit er (Fieber, Schüttelfrost, Mastitis).

Wenn der Stau immer wiederkehrt, schreit dein Körper: “Hier stimmt etwas Grundsätzliches nicht!”

Die emotionale Blockade

Milch ist Fluss. Milch ist Geben. Damit Milch fliessen kann, muss das System “offen” sein.

Wenn du aber im Leben ständig “dichtmachen” musst, um zu überleben… Wenn du die Zähne zusammenbeisst… Wenn du “die Ohren steif hältst”… Wenn du “den Arsch zusammenkneifst”…

…dann macht auch deine Brust dicht.

Du kannst nicht erwarten, dass ein Teil von dir (die Brust) weich und offen ist, während der Rest von dir (Kiefer, Schultern, Seele) im Verteidigungsmodus ist.

Der wiederkehrende Milchstau ist oft der physische Ausdruck einer emotionalen Überlastung. Er ist der Staudamm, der bricht, weil der Druck dahinter zu gross ist.

Warum Technik nicht reicht

Du kannst den Stau wegmassieren. Das ist wie Wasser aus einem lecken Boot schöpfen. Aber solange das Loch im Boot ist (der Stress, die Einsamkeit, die fehlende Unterstützung), wird das Wasser wiederkommen.

Du behandelst das Symptom (die harte Stelle). Aber du ignorierst die Ursache (den Mangel an Halt).

→ Darum ist die Ursache wichtiger als das Symptom

Die Angst vor dem “Loslassen”

Vielleicht sagst du: “Ich kann aber nicht loslassen! Wenn ich loslasse, bricht hier alles zusammen.”

Genau das ist der Punkt. Dein Körper zwingt dich durch den Schmerz in die Knie, damit du endlich Hilfe annimmst. Er macht dich handlungsunfähig (Fieber), damit du aufhörst zu funktionieren.

Es ist eine brutale Methode. Aber sie ist effektiv.

Wie du den Kreislauf durchbrichst

Du musst aufhören, den Milchstau als “Feind” zu sehen, den man “bekämpfen” muss. Frag dich stattdessen:

  1. Wann kommt er? (Oft nach Streit? Nach Besuch der Schwiegermutter? Wenn du dich besonders einsam fühlst?)
  2. Was würde passieren, wenn ich mich jetzt einfach ins Bett lege und liegen bleibe? (Die Welt geht nicht unter. Aber du brauchst Hilfe.)
  3. Wer hält mich?

Die Lösung für chronischen Milchstau ist oft nicht “noch mehr Lecithin”. Die Lösung ist oft: Ein Mensch.

Jemand, der dir erlaubt, die Rüstung abzulegen. Jemand, bei dem du nicht “funktionieren” musst. Jemand, der deine Brust nicht als “Problemzone” behandelt, sondern als Teil von dir, der Liebe braucht.

Ein Angebot für den Ausweg

Wenn du merkst, dass du in dieser Schleife feststeckst… Wenn du Angst hast vor dem nächsten Stau, noch bevor der alte weg ist…

Dann melde dich. Wir müssen nicht über “Stilltechnik” reden. Wir müssen darüber reden, wie du wieder sicher werden kannst. Wie du einen Raum findest, in dem du weich werden darfst.

Denn wenn du weich wirst, wird es deine Brust auch.

Der Schmerz, der nicht aufhört

Du kennst dieses Gefühl. Du wachst morgens auf und deine erste Bewegung ist: zur Brust greifen. Checken. Ist da ein Knoten? Ist es wieder soweit?

Die Angst ist immer da. Wie ein Schatten, der dir folgt.

Manchmal ist es zwei Tage gut. Manchmal sogar eine Woche. Und dann – aus dem Nichts – ist er wieder da. Härter als zuvor. An derselben Stelle. Als hätte er nur gewartet.

Du hast gelernt, die Zeichen zu erkennen. Das erste Ziehen. Die leichte Rötung. Die Stelle, die sich anders anfühlt.

Aber erkennen allein hilft nicht. Du weisst, was kommt. Und du kannst es nicht aufhalten.

Der Kreislauf der Erschöpfung

So sieht dein Leben aus:

Tag 1: Milchstau beginnt. Du massierst, pumpst, kämpfst. Tag 2: Es wird schlimmer. Du googlest verzweifelt nach Lösungen. Tag 3: Vielleicht leichtes Fieber. Du schaffst es kaum aus dem Bett. Tag 4: Es löst sich langsam. Du atmest auf. Tag 5-7: Du erholst dich. Hoffst, dass es diesmal vorbei ist. Tag 8-14: Relativ normal. Du vergisst fast, wie schlimm es war. Tag 15: Die erste Verhärtung. Und alles beginnt von vorn.

Dieser Kreislauf zermürbt dich. Nicht nur körperlich – seelisch. Du lebst in ständiger Erwartung des nächsten Schmerzes.

Das ist kein Leben. Das ist Überleben.

Warum gerade du?

Du fragst dich: Warum ich? Andere Frauen stillen problemlos. Warum kämpfe ich jeden zweiten Tag?

Die Antwort ist nicht, dass du etwas falsch machst. Die Antwort liegt oft in deiner Gesamtsituation.

Bist du alleinerziehend? Dann trägst du eine Last, die für zwei gemacht ist. Hast du niemanden, der dich nachts ablöst? Dann fehlt deinem Körper die Erholung. Fühlst du dich einsam, auch wenn Menschen um dich sind? Dann fehlt die echte Verbindung.

Chronischer Milchstau ist oft ein Zeichen dafür, dass dein ganzes System überlastet ist. Die Brust ist nur der Ort, an dem es sich zeigt.

Die Angst, die alles verschlimmert

Das Perfide ist: Die Angst vor dem Milchstau macht ihn wahrscheinlicher.

Wenn du ständig in Alarmbereitschaft bist, bleibt dein Cortisol hoch. Wenn Cortisol hoch ist, wird Oxytocin unterdrückt. Wenn Oxytocin fehlt, kann die Milch nicht fliessen.

Du steckst in einer Falle deines eigenen Körpers.

Und das Schlimmste: Du kannst dir nicht einfach sagen “Entspann dich”. Das funktioniert nicht. Entspannung lässt sich nicht befehlen.

Entspannung braucht Bedingungen. Sicherheit. Geborgenheit. Jemanden, der da ist.

Was wirklich helfen würde

Stell dir vor: Du liegst im Bett. Du spürst das erste Ziehen. Normalerweise würde jetzt die Panik einsetzen.

Aber diesmal ist jemand da. Eine warme Präsenz neben dir. Jemand, der sagt: “Ich bin hier. Wir machen das zusammen.”

Du entspannst dich – nicht weil du es dir befiehlst, sondern weil du sicher bist.

Die Milch beginnt zu fliessen. Nicht durch Technik. Durch Vertrauen.

Das ist keine Fantasie. Das ist, wie der menschliche Körper funktioniert. Wir sind nicht für das Alleinsein gemacht.

Die Muster erkennen

Fang an, ein Tagebuch zu führen. Nicht über Stillpositionen – über dein Leben.

Wann kommt der Milchstau?

  • Nach besonders stressigen Tagen?
  • Nach Nächten ohne Schlaf?
  • Nach Streit oder Konflikten?
  • Wenn du dich besonders einsam fühlst?
  • An bestimmten Wochentagen?

Die meisten Frauen erkennen Muster. Der Körper reagiert nicht zufällig. Er reagiert auf das, was du erlebst.

Wenn du die Muster kennst, kannst du anfangen, die Ursachen anzugehen – nicht nur die Symptome.

Die Gesellschaft, die dich allein lässt

Du bist nicht schuld. Das will ich ganz klar sagen.

Die Schuld liegt bei einer Gesellschaft, die Mütter isoliert und dann erwartet, dass sie “funktionieren”. Die keine Strukturen hat für das, was frischgebackene Mütter wirklich brauchen.

In anderen Kulturen gibt es das “Wochenbett” – 40 Tage, in denen die Mutter nur für sich und das Baby da sein darf. In denen andere kochen, putzen, helfen.

Bei uns gibt es: “Melde dich, wenn du was brauchst.” Und wer meldet sich schon, wenn er am Limit ist?

Der chronische Milchstau ist auch ein Symptom dieser gesellschaftlichen Krankheit.

Der Weg aus dem Kreislauf

Du kannst weiter kämpfen. Weiter Symptome behandeln. Weiter hoffen, dass es irgendwann von alleine aufhört.

Oder du kannst anfangen, an der Ursache zu arbeiten.

Das bedeutet: Hilfe annehmen. Echte Hilfe. Nicht nur Tipps, sondern Präsenz. Das bedeutet: Zugeben, dass du es nicht alleine schaffst – und dass das okay ist. Das bedeutet: Jemanden in dein Leben lassen, der dich hält.

Der erste Schritt ist der schwerste. Aber er ist auch der wichtigste.

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Hör auf zu kämpfen. Fang an zuzuhören.


FAQ: Wiederkehrender Milchstau

Kann es anatomische Gründe geben?

Ja, selten. Verengte Milchgänge oder Narbengewebe. Aber meistens ist die Anatomie okay und der Stressfaktor ist der Auslöser, der das “Fass zum Überlaufen” bringt.

Hilft Abstillen?

Viele Frauen stillen aus Verzweiflung ab. Aber oft verlagert sich das Problem dann nur (z.B. in Migräne oder Rückenschmerzen). Der Körper sucht sich einen anderen Weg, um “Stopp” zu sagen.

Warum immer an der gleichen Stelle?

Das ist deine “Schwachstelle”. Wie bei Menschen, die bei Stress immer Nackenschmerzen bekommen. Deine Brust hat ein “Gedächtnis” für den Schmerz. Umso wichtiger ist es, dieses Schmerzgedächtnis mit positiven Erfahrungen (sanfte Berührung, Entspannung) zu überschreiben.

Was ist “White Spots” (Milchbläschen)?

Ein Häutchen, das den Ausgang verstopft. Es kommt oft wieder. Aber auch hier: Warum wächst das Häutchen? Oft durch mechanische Reibung (falsches Saugen), die wiederum durch Stress beim Baby oder der Mutter entsteht.

Wie lange dauert es, bis der Kreislauf durchbrochen ist?

Sobald du wirklich loslässt (oft durch externe Hilfe), kann es sehr schnell gehen. Oxytocin wirkt sofort. Die Heilung beginnt in dem Moment, in dem du dich sicher fühlst.


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Wissenschaftliche Grundlagen: Chronischer Stress führt zu einer dauerhaften Vasokonstriktion (Gefässverengung), auch in der Brustdrüse. Entspannungstechniken und soziale Unterstützung sind nachweislich effektiver als rein medikamentöse Behandlungen bei rezidivierenden Beschwerden. Studien dazu →

Über den Autor

Simon H. ist kein Therapeut und kein Experte – er ist ein Mann, der eine ehrliche Verbindung sucht. Seine Überzeugung: Die Lösung für viele körperliche Blockaden liegt nicht in Symptombehandlung, sondern in menschlicher Nähe und echtem Vertrauen.

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