Du gibst nicht auf.
Du versuchst es. Immer wieder.
Du swipst. Du schreibst. Du triffst dich. Du hoffst.
Und jedes Mal… nichts.
Entweder passt er nicht. Oder du passt ihm nicht. Oder es passt, aber dann ghostet er. Oder es wird kompliziert. Oder langweilig. Oder enttäuschend.
Du fragst dich: Was mache ich falsch?
Du liest Ratgeber. Du arbeitest an dir. Du optimierst dein Profil, deine Fotos, deine Bio. Du versuchst, “entspannter” zu sein, “weniger bedürftig”, “unabhängiger”.
Und trotzdem. Nichts klappt.
Die Partnersuche ist frustrierend. Und du bist nicht die Einzige, die das so empfindet.
Die Frustration, die niemand ausspricht
Wenn jemand fragt, wie die Partnersuche läuft, sagst du:
“Ach, läuft so. Nichts Ernstes gerade.”
Mit einem Lachen. Mit einem Schulterzucken. Als wäre es egal.
Aber wenn du ehrlich wärst – wirklich ehrlich – würdest du sagen:
“Es ist frustrierend. Ich bin müde. Ich verstehe nicht, warum es bei mir nicht klappt. Ich frage mich, ob ich jemals jemanden finde.”
Das sagt man nicht. Weil es sich anfühlt wie Versagen. Wie ein Eingeständnis, dass man nicht begehrenswert ist.
Also schluckst du die Frustration runter. Und machst weiter.
Swipe. Match. Chat. Date. Enttäuschung. Wiederholen.
Warum die Partnersuche heute so schwer ist
Es war nicht immer so.
Unsere Grosseltern haben geheiratet, wen sie kannten. Aus dem Dorf, aus der Kirche, aus dem Betrieb. Die Auswahl war klein, aber die Verbindlichkeit war gross.
Heute? Du hast theoretisch Millionen Optionen. Jeder ist nur einen Swipe entfernt.
Aber Schwartz (2004) hat gezeigt: Mehr Auswahl macht nicht glücklicher. Sie macht paralysiert. Wenn alles möglich ist, wird nichts gewählt.
Die Paradoxie der modernen Partnersuche: Je mehr Optionen du hast, desto schwieriger wird es, eine zu wählen.
Und desto schneller gibst du auf, wenn etwas nicht sofort perfekt ist. Weil das nächste Match ja nur einen Swipe entfernt ist.
Das System, das gegen dich arbeitet
Coduto et al. (2020) haben Dating-Apps untersucht. Ihre Erkenntnis: Je länger Menschen Apps nutzen, desto erschöpfter werden sie – und desto unzufriedener mit ihren romantischen Aussichten.
Das ist kein Zufall. Es ist das Design.
Dating-Apps sind nicht gebaut, um dir einen Partner zu finden. Sie sind gebaut, um dich auf der App zu halten. Engaged. Swipend. Hoffend.
Wenn du morgen den Partner deines Lebens fändest, würdest du die App löschen. Das wollen sie nicht.
Also zeigen sie dir Profile, die dich interessieren – aber nicht so sehr, dass du aufhörst zu suchen. Sie geben dir gerade genug Dopamin, um weiterzumachen. Aber nie genug Erfüllung, um aufzuhören.
Tinder funktioniert nicht. Nicht für dich. Nicht für die meisten Menschen.
Die Fragen, die du dir nachts stellst
“Was ist los mit mir?” “Warum klappt es bei anderen und nicht bei mir?” “Bin ich zu wählerisch? Oder nicht wählerisch genug?” “Bin ich zu bedürftig? Oder zu unnahbar?” “Werde ich jemals jemanden finden?”
Diese Fragen halten dich wach. Sie nagen an deinem Selbstwert. Sie lassen dich glauben, das Problem seist du.
Aber hier ist die Wahrheit, die niemand ausspricht:
Das Problem ist nicht du. Das Problem ist das System.
Du bist nicht unfähig zu lieben. Du bist in einem System gefangen, das nicht für Liebe gebaut ist.
Die Erschöpfung, die niemand sieht
Dating Burnout ist real.
Du spürst es vielleicht schon:
- Du öffnest die App mit einem Seufzer
- Jedes neue Match fühlt sich an wie Arbeit
- Du gehst auf Dates, aber fühlst dich leer danach
- Du bist zynisch geworden (“Alle Männer wollen nur…”)
- Der Gedanke an noch ein Kennenlernen macht dich müde
Das ist nicht Schwäche. Das ist eine normale Reaktion auf ein erschöpfendes System.
Du investierst Energie. Du bekommst nichts zurück. Irgendwann ist der Tank leer.
Was du wirklich suchst
Hinter all dem Swipen und Daten und Hoffen – was suchst du wirklich?
Sei ehrlich.
Wahrscheinlich nicht den perfekten Partner. Nicht das Model mit dem Traumjob und dem Humor und der emotionalen Intelligenz.
Wahrscheinlich suchst du etwas Einfacheres:
Jemanden, der da ist.
Der morgens neben dir aufwacht. Der dich hält, wenn du weinst. Der deine Geschichten hört, auch die langweiligen. Der bleibt. Einfach bleibt.
Baumeister und Leary (1995) haben es das “Need to Belong” genannt – das fundamentale Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Es ist nicht anerzogen. Es ist verdrahtet.
Du suchst nicht Perfektion. Du suchst Verbindung.
Warum “Suche aufgeben” keine Lösung ist
Manchmal denkt man: “Ich geb einfach auf. Wenn’s passieren soll, passiert’s.”
Das klingt weise. Entspannt. Spirituell.
Aber es ist oft nur Resignation, verkleidet als Gelassenheit.
Wenn du das Suchen aufgibst, weil du erschöpft bist – fair. Eine Pause ist manchmal nötig.
Aber wenn du das Suchen aufgibst, weil du glaubst, es eh nicht zu verdienen – dann ist das keine Lösung. Das ist Aufgabe.
Die Sehnsucht nach Nähe verschwindet nicht, weil du aufhörst zu suchen. Sie wartet. Nachts. Wenn niemand zuschaut.
Was statt frustrierender Partnersuche?
Die Frage ist nicht: Wie optimiere ich mein Dating?
Die Frage ist: Wie finde ich echte Verbindung?
Das sind zwei verschiedene Dinge.
1. Weniger swipen, mehr begegnen
Echte Verbindung entsteht selten durch Profile. Sie entsteht durch Präsenz. Durch Zeit. Durch geteilte Erfahrungen.
Kurse, Hobbys, Orte, an denen du regelmässig dieselben Menschen siehst – das ist fruchtbarer als tausend Matches.
2. Qualität über Quantität
Statt fünf oberflächliche Dates: Ein tiefes Gespräch. Statt hundert Matches: Eine echte Begegnung.
Die Frustration kommt oft daher, dass du viel tust – aber nichts davon tief geht.
3. Ehrlichkeit über das, was du suchst
Nicht “mal schauen”. Nicht “was Lockeres”.
Sondern: Ich brauche jemanden, der mich hält. Ich suche Nähe, nicht nur Dates.
Das schreckt manche ab. Gut. Die wolltest du ohnehin nicht.
4. Den richtigen Ort wählen
Nicht jeder Ort ist für ernsthafte Partnersuche geeignet. Apps optimieren auf Oberfläche. Clubs optimieren auf Rausch.
Wo findest du Menschen, die dasselbe suchen wie du? Das ist der Ort, an dem du sein solltest.
Die Frustration anerkennen
Hier ist, was ich dir sagen will:
Deine Frustration ist berechtigt.
Du bildest sie dir nicht ein. Du bist nicht zu sensibel. Das System ist wirklich kaputt.
Aber: Du bist dem System nicht ausgeliefert.
Du kannst anders suchen. Nicht mehr. Anders.
Du kannst aufhören, das Hamsterrad zu füttern.
Du kannst ehrlich sein über das, was du brauchst.
Und du kannst – vielleicht – jemanden finden, der es genauso satt hat wie du. Der auch echte Verbindung sucht, nicht das nächste Match.
Ich bin Simon. Ich lebe in Zuchwil, in der Schweiz.
Ich verstehe die Frustration. Nicht theoretisch – praktisch. Ich höre von Frauen, die alles versucht haben und müde sind. Die sich fragen, was mit ihnen nicht stimmt.
Mit dir stimmt alles. Das System ist das Problem.
Wenn du magst, schreib mir. Nicht für Dating-Tipps. Für ein Gespräch mit jemandem, der die Frustration versteht – und trotzdem glaubt, dass echte Verbindung möglich ist.
FAQ: Frustrierende Partnersuche
Sollte ich meine Ansprüche senken?
Nicht unbedingt. Aber prüfe: Sind deine Ansprüche auf das Richtige gerichtet? Suchst du ein Bild oder ein Gefühl? Der perfekte Lebenslauf ersetzt keine echte Verbindung.
Wie lange dauert es, bis man jemanden findet?
Es gibt keine Garantie und keinen Zeitplan. Aber: Die Dauer hängt davon ab, wie und wo du suchst. Mehr Swipen verkürzt sie nicht – oft verlängert es sie sogar.
Was mache ich falsch?
Wahrscheinlich nichts. Die Frage selbst zeigt, dass du das Problem bei dir suchst. Aber das System ist das Problem, nicht du. Die bessere Frage: Wie kann ich anders suchen?
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Die Partnersuche ist frustrierend – und du bist müde? Schreib mir. Nicht für noch mehr Tipps. Für jemanden, der versteht.