Du wirst den ganzen Tag berührt.
Kleine Hände, die nach dir greifen. Ein warmer Körper an deiner Brust. Ein Kopf in deiner Armbeuge. Finger, die in dein Gesicht fassen.
Du bist nie allein. Nie unberührt.
Und trotzdem – dieses Verlangen. Dieses Ziehen. Diese Sehnsucht nach etwas, das du nicht benennen kannst.
Du fühlst dich schuldig. Du hast doch ein Kind. Du wirst doch berührt. Ständig.
Aber es ist nicht die richtige Art von Berührung.
Und du weisst das. Auch wenn du es dir nicht eingestehst.
Der Unterschied, den niemand erklärt
Es gibt Berührung, die nimmt.
Und es gibt Berührung, die gibt.
Dein Baby berührt dich. Aber es nimmt. Es nimmt deine Milch, deine Wärme, deine Energie. Das ist keine Kritik – das ist Natur. Babys sind gemacht, um zu nehmen. So überleben sie.
Aber du?
Du brauchst Berührung, die gibt.
Arme, die dich halten – nicht umgekehrt.
Hände, die dich streicheln – ohne etwas zu wollen.
Wärme, in die du dich fallen lassen kannst – statt Wärme zu geben.
Das ist ein fundamentaler Unterschied. Und er erklärt, warum du erschöpft bist, obwohl du den ganzen Tag Körperkontakt hast.
Du gibst. Ständig. Aber niemand gibt dir.
Touched out – und trotzdem hungrig
Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Touched out.
Du erträgst keine Berührung mehr. Wenn das Baby an dir hängt, willst du schreien. Wenn jemand dich anfasst, zuckst du zurück. Dein Körper sagt: Genug. Nicht mehr.
Und gleichzeitig – dieses andere Gefühl. Diese Sehnsucht. Dieses Wissen, dass dir etwas fehlt.
Wie kann beides gleichzeitig wahr sein?
Weil es zwei verschiedene Arten von Berührung sind.
Die Berührung, die du zu viel hast, ist fordernd. Sie will etwas von dir. Sie zapft dich an.
Die Berührung, die dir fehlt, ist nährend. Sie gibt dir etwas. Sie füllt dich auf.
Du kannst überfüllt sein mit der einen – und leer sein von der anderen.
Das ist kein Widerspruch. Das ist die Realität vieler Mütter.
Warum du dich schuldig fühlst
Du denkst: Ich bin undankbar.
Du denkst: Ich habe ein Kind, das mich liebt. Das ist doch Nähe genug.
Du denkst: Andere Frauen wären froh, so viel berührt zu werden.
Diese Gedanken sind Gift.
Dein Kind zu lieben und trotzdem Nähe zu vermissen – das schliesst sich nicht aus.
Mutter zu sein und trotzdem Frau zu sein – das schliesst sich nicht aus.
Berührt zu werden und trotzdem hungrig zu sein – das schliesst sich nicht aus.
Du darfst beides fühlen. Gleichzeitig. Ohne Schuld.
Die Schuld kommt von einer Gesellschaft, die Müttern sagt, sie sollten sich mit dem Kind erfüllt fühlen. Als wäre ein Kind ein Ersatz für alles andere.
Aber ein Kind ist kein Ersatz. Es ist eine Ergänzung.
Du brauchst mehr. Und das ist okay.
Was dein Körper wirklich braucht
Dein Körper ist schlau. Er weiss, was ihm fehlt.
Er braucht Berührung, die Oxytocin freisetzt – das richtige Oxytocin. Das Oxytocin der Entspannung, nicht das Oxytocin der Fürsorge.
Ja, beides ist Oxytocin. Aber die Kontexte sind verschieden.
Wenn du stillst, schüttet dein Körper Oxytocin aus – um die Milch fliessen zu lassen. Um die Bindung zum Baby zu stärken. Das ist Fürsorge-Oxytocin.
Wenn du gehalten wirst, von jemandem, bei dem du dich sicher fühlst, schüttet dein Körper anderes Oxytocin aus. Entspannungs-Oxytocin. Oxytocin, das dein Nervensystem runterfährt. Das dir sagt: Du bist sicher. Du darfst loslassen.
Das Fürsorge-Oxytocin macht dich wachsam. Aufmerksam. Bereit zu reagieren.
Das Entspannungs-Oxytocin macht dich ruhig. Gelöst. Geborgen.
Du hast viel vom ersten. Und zu wenig vom zweiten.
Deshalb die Sehnsucht.
Die Nächte sind das Schlimmste
Tagsüber funktionierst du. Du bist beschäftigt. Das Baby braucht dich, der Haushalt braucht dich, das Leben braucht dich.
Aber nachts, wenn alles still ist – da kommt es hoch.
Du liegst im Bett. Das Baby schläft vielleicht neben dir oder in seinem Bettchen. Und du starrst an die Decke.
Und dann kommt dieser Wunsch.
Ich will gehalten werden.
Ich will, dass jemand mich in den Arm nimmt.
Ich will mich an jemanden lehnen und nichts tun müssen.
Es ist so ein einfacher Wunsch. So grundlegend. Und trotzdem – unerreichbar.
Du umarmst dein Kissen. Du ziehst die Decke fest um dich. Du versuchst, dir selbst zu geben, was du brauchst.
Aber es funktioniert nicht.
Weil du es dir nicht selbst geben kannst.
Warum Selbstfürsorge nicht reicht
Man sagt dir: “Gönn dir was.” “Nimm ein Bad.” “Lass dich massieren.”
Du hast es vielleicht versucht.
Das heisse Bad. Die Massage. Die Self-Care-Routine, die Instagram verspricht.
Es fühlt sich nett an. Für eine Stunde. Und dann bist du wieder da, wo du warst.
Weil Selbstfürsorge keine Nähe ersetzt.
Du kannst dich nicht selbst halten. Du kannst deine eigene Hand halten – aber das ist nicht dasselbe. Dein Nervensystem weiss den Unterschied.
Es braucht ein Gegenüber. Einen anderen Menschen. Dessen Herzschlag. Dessen Wärme. Dessen Präsenz.
Das kannst du nicht simulieren. Das kannst du nicht kaufen. Das kannst du nur – empfangen.
Von jemandem, der es gibt.
Die Sehnsucht, die du versteckst
Du redest nicht darüber.
Weil es sich schwach anfühlt. Weil es sich bedürftig anfühlt. Weil du denkst, andere Mütter haben das nicht.
Aber sie haben es. Die meisten. Sie reden nur auch nicht darüber.
Jede liegt nachts wach mit dieser Sehnsucht. Jede drückt das Kissen an sich. Jede wünscht sich jemanden, der sie hält.
Aber alle tun so, als wäre alles okay. Als wäre Mutterschaft erfüllend genug. Als bräuchte man nichts anderes.
Diese kollektive Lüge macht es schlimmer.
Du fühlst dich allein mit etwas, das alle fühlen.
Was du verdienst
Du verdienst Berührung.
Nicht die fordernde. Die nährende.
Nicht die, die nimmt. Die, die gibt.
Du verdienst Arme, in die du dich fallen lassen kannst. Hände, die über deinen Rücken streichen. Wärme, die nicht von dir ausgeht, sondern zu dir kommt.
Du verdienst einen Menschen, bei dem du aufhören darfst zu geben. Bei dem du nur – sein darfst.
Das ist kein Luxus. Das ist ein Grundbedürfnis.
Und die Tatsache, dass du Mutter bist, macht dieses Bedürfnis nicht kleiner. Es macht es grösser.
Weil du so viel gibst.
Weil du so leer bist.
Weil du so sehr brauchst, dass jemand dir auch etwas gibt.
Der erste Schritt
Die Sehnsucht verschwindet nicht, indem du sie ignorierst.
Sie wird lauter. Sie zeigt sich als Erschöpfung. Als Gereiztheit. Als das Gefühl, dass du nicht mehr kannst.
Der einzige Weg raus ist: sie ernst nehmen.
Anerkennen, was du brauchst. Aufhören, dich dafür zu schämen. Anfangen, danach zu suchen.
Vielleicht bedeutet das ein Gespräch. Vielleicht bedeutet das eine Entscheidung. Vielleicht bedeutet das, dich zu öffnen für jemand Neues.
Ich weiss, das macht Angst.
Aber die Alternative – diese Sehnsucht für immer mit dir herumtragen – ist schlimmer.
Was ich dir anbiete
Ich bin Simon.
Ich suche eine Frau. Eine, die ehrlich ist über das, was sie braucht.
Nicht eine, die so tut, als bräuchte sie nichts.
Nicht eine, die “alles im Griff” hat.
Sondern eine, die zugibt: Ich sehne mich nach Berührung. Ich sehne mich danach, gehalten zu werden. Ich bin erschöpft vom Geben und will endlich empfangen.
Das schreckt mich nicht ab. Das zieht mich an.
Weil ich genau das geben will.
FAQ: Was du dich vielleicht fragst
Warum sehne ich mich nach Berührung, obwohl ich ständig berührt werde?
Weil Baby-Berührung nimmt. Echte Nähe gibt. Du gibst den ganzen Tag – Milch, Wärme, Körper. Aber niemand gibt dir. Das ist zwei verschiedene Dinge. Eines erschöpft, das andere nährt.
Ist es normal, als Mama Berührung zu vermissen?
Ja. Absolut. Die Berührung eines Babys stillt nicht dein Bedürfnis nach erwachsener Nähe. Du bist nicht undankbar – du bist menschlich. Dein Körper braucht mehr als nur Fürsorge-Berührung.
Was ist “touched out” und habe ich das?
Touched out bedeutet: Du wurdest so viel berührt, dass du keine Berührung mehr erträgst. Paradoxerweise gleichzeitig: Du sehnst dich nach der richtigen Art von Berührung. Beides existiert gleichzeitig – das ist normal.
Wie stille ich meine Sehnsucht nach Berührung als Mama?
Nicht mit Selbstfürsorge. Nicht mit Massage-Gutscheinen. Sondern mit echter, liebevoller Berührung von einem Menschen, der dich sieht. Einem Gegenüber, bei dem du dich fallen lassen kannst.
Macht es mich zur schlechten Mutter, dass ich mehr will als mein Kind?
Nein. Es macht dich zu einem ganzen Menschen. Du bist Mutter UND Frau. Beide Teile von dir haben Bedürfnisse. Das eine zu fühlen entwertet das andere nicht.
Weiterlesen
- Stillbeziehung Partner: Der Wunsch, den du nicht wagst – Was du dir vielleicht nicht eingestehst
- Hauthunger: Wenn der Körper nach Berührung schreit – Was Skin Hunger bedeutet
- Baby halten ist nicht gehalten werden – Der Unterschied, den niemand sieht
- Einsamkeit beim Stillen – Wenn niemand da ist
- Oxytocin Hierarchie: Was wirklich Entspannung bringt – Die Wissenschaft dahinter
Wissenschaftliche Grundlagen: Warum Berührung ein biologisches Grundbedürfnis ist: Alle Studien →
Dein Körper lügt nicht. Wenn er sich nach Berührung sehnt, dann braucht er Berührung.
Hör auf ihn.