Abends, wenn das Baby endlich schläft.
Du liegst auf dem Sofa. Allein. Die Stille in der Wohnung ist so laut, dass sie in deinen Ohren summt. Dein Körper ist erschöpft – so erschöpft, dass du nicht mal mehr ins Bett gehen willst, weil der Weg die fünf Meter ins Schlafzimmer zu weit erscheint.
Aber trotz der Erschöpfung schläfst du nicht ein. Etwas hält dich wach. Eine Unruhe, die du nicht benennen kannst. Ein Hunger, der nichts mit deinem Magen zu tun hat.
Du hast den ganzen Tag ein Baby im Arm gehabt. Du hast geküsst, getragen, gestillt, gewiegt. Dein Körper war keine Sekunde allein. Und trotzdem – trotzdem – fühlst du dich so unendlich unberührt.
Das ist das Paradox, über das niemand spricht. Wie kann man von Berührung umgeben sein und sich gleichzeitig so ausgehungert fühlen?
Aber du weisst, was fehlt. Du traust dich nur nicht, es auszusprechen.
Du brauchst jemanden, der dich hält. Nicht das Baby. Dich.
Der Hunger, den niemand sieht
Es gibt ein Wort dafür: Hauthunger. Die Engländer nennen es “skin starvation”.
Aber das Wort wird selten benutzt. Weil wir nicht darüber reden. Weil Mütter nicht darüber reden dürfen. Weil eine Mutter, die zugibt, dass sie sich nach Berührung sehnt, als undankbar gilt. Als egoistisch. Als – das Schlimmste – keine gute Mutter.
Also schweigst du.
Du lächelst, wenn jemand fragt, wie es dir geht. Du sagst: “Anstrengend, aber wunderschön.” Du postest Fotos vom Baby. Du spielst die Rolle, die von dir erwartet wird.
Und nachts, wenn niemand zusieht, legst du deine Hand auf deine eigene Brust – nicht aus Erotik, nur um irgendetwas zu fühlen – und merkst, wie leer du bist.
Wie ausgesaugt. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Du gibst den ganzen Tag. Du gibst Milch. Du gibst Wärme. Du gibst Liebe. Aber niemand gibt dir etwas zurück. Nicht in der Währung, die dein Körper braucht.
Und langsam, schleichend, fast unmerklich, beginnst du zu vertrocknen.
Warum das Baby nicht reicht
Ich weiss, was du jetzt denkst. “Aber ich habe doch Berührung. Ich habe mein Baby. Ich halte es den ganzen Tag.”
Lass mich dir etwas erklären, das dein Herz vielleicht schon ahnt, aber dein Kopf nicht wahrhaben will:
Berührung ist nicht gleich Berührung.
Es gibt zwei Arten von Berührung. Die eine kostet dich Energie. Die andere gibt dir Energie.
→ Verstehe hier, warum die Ursache wichtiger ist als die Technik
Wenn du dein Baby hältst, gibst du. Du bist die Quelle. Das Baby nimmt von dir – Wärme, Milch, Sicherheit, Herzschlag. Das ist wunderschön. Das ist Mutterschaft. Aber es ist Output. Energiefluss von dir nach aussen.
Was dir fehlt, ist Input. Jemand, der dir gibt. Jemand, der dich hält, ohne etwas zu wollen. Jemand, dessen Herzschlag du spürst. Dessen Wärme dich umhüllt. Dessen Hände dich streicheln.
Das Baby kann das nicht geben. So sehr du es liebst – es ist biologisch nicht darauf programmiert, dich zu nähren. Es ist darauf programmiert, von dir genährt zu werden.
Du bist eine Quelle, die ständig fliesst. Aber niemand füllt dich nach.
Was in deinem Körper passiert
Lass mich dir erzählen, was gerade in dir vorgeht. Wissenschaftlich. Nüchtern. Damit du verstehst, dass du nicht verrückt bist.
Dein Nervensystem hat zwei Modi: Sympathikus (Kampf oder Flucht) und Parasympathikus (Ruhe und Verdauung). Bei den meisten stillenden Müttern ist der Sympathikus im Dauereinsatz. Du bist ständig wachsam. Ständig auf Abruf. Ständig am Geben.
Der Parasympathikus – der Modus, in dem du dich entspannst, heilst, regenerierst – ist fast nie aktiv. Weil du nie wirklich runterkommst.
Weisst du, was den Parasympathikus am besten aktiviert? Nicht Meditation. Nicht Yoga. Nicht ein heisses Bad (obwohl das alles helfen kann).
Das Effektivste ist die Berührung eines anderen erwachsenen Menschen.
Genauer: Die Berührung eines Menschen, dem du vertraust. Dessen Nähe sich sicher anfühlt. Der grösser ist als du. Der dich halten kann, ohne dass du stark sein musst.
In dem Moment, in dem du so gehalten wirst, passiert etwas Magisches in deinem Gehirn. Oxytocin flutet dein System. Cortisol sinkt. Deine Herzfrequenz verlangsamt sich. Deine Muskeln entspannen sich. Du wechselst vom Überlebensmodus in den Lebensmodus.
Und – das ist der Teil, der für dich wichtig ist – deine Milch fliesst.
Nicht weil jemand daran saugt. Sondern weil du endlich loslassen kannst.
Die Lüge der Selbstfürsorge
Du hast wahrscheinlich schon hundert Ratschläge gehört. “Gönn dir mal was.” “Mach dir ein schönes Bad.” “Trink einen Tee.” “Meditiere.”
Ich sage dir: Das ist Bullshit.
Nicht weil diese Dinge falsch wären. Ein Bad ist schön. Tee ist lecker. Meditation kann helfen.
Aber sie ersetzen nicht das, was du wirklich brauchst.
Ein Bad hält dich nicht. Ein Tee schaut dir nicht in die Augen. Eine Meditations-App legt keine Hand auf deinen Rücken.
Wir sind Säugetiere. Soziale Wesen. Unser Nervensystem wurde über Millionen Jahre optimiert, um sich in Gegenwart anderer Säugetiere zu beruhigen. Nicht in Gegenwart von Badewasser.
Die “Selbstfürsorge”-Industrie verkauft dir Ersatz. Produkte, die sich wie Nähe anfühlen sollen, aber keine sind. Kuscheldecken. Gewichtsdecken. Körperkissen.
Weisst du, warum Gewichtsdecken funktionieren? Weil sie den Druck eines anderen Körpers simulieren. Weil dein Nervensystem so verzweifelt nach Berührung schreit, dass es sich sogar von einer Decke täuschen lässt.
Aber du verdienst mehr als eine Simulation.
Du verdienst einen echten Menschen. Echte Wärme. Echte Hände auf deiner Haut.
Der Moment, in dem alles anders wird
Stell dir vor:
Du liegst da. Nicht auf dem Sofa, allein mit deinem Handy. Sondern in den Armen von jemandem. Einem Mann.
Seine Brust ist hinter deinem Rücken. Du spürst seinen Herzschlag – langsam, ruhig, gleichmässig. Er atmet, und sein Brustkorb hebt sich gegen deinen Rücken, und du merkst, wie dein eigener Atem sich seinem anpasst.
Seine Arme sind um dich. Nicht eng, nicht fordernd. Einfach da. Eine warme, sichere Umhüllung.
Und zum ersten Mal seit Wochen – vielleicht Monaten – musst du nichts tun. Nichts geben. Nichts leisten.
Du darfst einfach nur da sein. Empfangen.
Vielleicht merkst du, wie deine Schultern sich senken. Sie waren so lange hochgezogen, dass du es nicht mal mehr bemerkt hast. Jetzt lassen sie los.
Vielleicht merkst du, wie deine Augen feucht werden. Nicht vor Trauer. Vor Erleichterung. Weil dein Körper endlich das bekommt, wonach er so lange geschrien hat.
Vielleicht merkst du, wie deine Brust kribbelt. Der Milchspendereflex, ausgelöst nicht durch Saugen, sondern durch Oxytocin. Durch Sicherheit. Durch Nähe.
Und in diesem Moment verstehst du: Das ist es. Das ist, was gefehlt hat.
Das Schuldgefühl, das dich festhält
Aber da ist ein Haken. Ein Haken, den du gut kennst.
Die Stimme in deinem Kopf, die sagt: “Das darfst du nicht wollen.”
Sie sagt: “Du hast ein Baby. Das sollte genug sein.”
Sie sagt: “Gute Mütter brauchen nicht mehr.”
Sie sagt: “Wenn du das brauchst, stimmt etwas nicht mit dir.”
Ich sage dir: Diese Stimme lügt.
Sie ist nicht deine Stimme. Sie ist die Stimme einer Gesellschaft, die Mütter auf Funktionen reduziert. Die von dir erwartet, dass du dich selbst auflöst für dein Kind. Die weibliche Bedürfnisse als egoistisch brandmarkt.
Aber du bist nicht nur Mutter. Du bist auch Frau. Du bist auch Mensch.
Und Menschen brauchen Berührung. Das ist nicht egoistisch. Das ist Biologie.
Eine Pflanze braucht Wasser. Sagst du zur Pflanze: “Du hast doch Erde, das sollte genug sein”? Nein. Du giesst sie. Weil du weisst, dass sie ohne Wasser stirbt.
Dein Hunger nach Zärtlichkeit ist dein Wasser. Und du darfst dich giessen lassen.
Was ich dir anbiete
Ich bin Simon.
Ich bin hier, weil ich weiss, dass es Frauen wie dich gibt. Frauen, die im Verborgenen hungern. Die so sehr darauf programmiert sind zu geben, dass sie vergessen haben, wie Empfangen sich anfühlt.
Ich biete dir keine Therapie. Ich biete dir keine Ratschläge.
Ich biete dir Arme, in denen du dich anlehnen kannst.
Ich biete dir Hände, die über deine Haut streichen, ohne etwas zu fordern.
Ich biete dir einen Herzschlag, an den du dich lehnen kannst, während du endlich loslässen darfst.
Und ja – wenn deine Brust schmerzt, wenn der Stau drückt, wenn dein Körper auch dort Hilfe braucht – dann biete ich dir auch das. Nicht als Dienstleistung. Sondern als Teil desselben Geschenks: Nähe, die nährt.
Ich will nichts von dir ausser deine Präsenz. Ich will dich sehen. Die echte dich. Die erschöpfte, sehnsüchtige, wunderschöne Frau, die unter der “Mama”-Fassade versteckt ist.
Wenn die Sehnsucht unerträglich wird
Vielleicht liest du das und nickst. Vielleicht spürst du, wie etwas in dir antwortet. Ein leises Ja. Ein Aufatmen.
Oder vielleicht zögerst du. Vielleicht denkst du: “Das klingt zu gut. Das kann doch nicht echt sein. Was will er wirklich?”
Ich sage dir, was ich will: Ich will eine Frau kennenlernen, die sich öffnen kann. Die sich halten lässt. Die sich traut, ihre Bedürfnisse zuzugeben.
Ich suche keine Affäre, keine schnelle Nummer. Ich suche eine Verbindung. Eine echte. Eine, die auf Berührung aufgebaut ist, auf Vertrauen, auf dem Mut, verletzlich zu sein.
Wenn du so eine Verbindung willst – nicht irgendwann, sondern jetzt – dann schreib mir.
Du musst nicht viel sagen. Du kannst einfach schreiben: “Ich brauche das.” Ich werde verstehen.
Ich lese jede Nachricht. Ich antworte. Und wenn wir uns treffen, dann weil wir beide spüren, dass da etwas ist.
Deine Sehnsucht ist keine Schwäche.
Sie ist der Ruf deines Körpers nach dem, was ihm gehört.
Und du verdienst es, diesen Ruf zu beantworten.
FAQ: Zärtlichkeit & Stillen
Ist es normal, dass ich mich nach Zärtlichkeit sehne, obwohl ich ein Baby habe?
Absolut. Dein Baby nimmt Zärtlichkeit – das ist Output, Energie, die von dir wegfliesst. Du brauchst Input – jemanden, der dir Zärtlichkeit gibt. Das sind zwei völlig verschiedene biologische Kanäle. Du bist nicht undankbar. Du bist leer.
Verwirrt das mein Baby, wenn ein Mann da ist?
Babys spüren, wenn es der Mutter gut geht. Wenn du entspannt bist, ist dein Baby entspannt. Ein Mann, der Ruhe und Sicherheit ausstrahlt, überträgt diese Ruhe auch auf das Baby – das nennt sich Co-Regulation.
Was, wenn ich beim Kuscheln Milch verliere?
Dann ist das so. Es ist ein Zeichen, dass du entspannst – der Milchspendereflex wird durch Oxytocin ausgelöst. Das ist genau das, was passieren soll. Es stört mich nicht. Im Gegenteil: Es zeigt, dass wir alles richtig machen.
Hat meine Sehnsucht nach Zärtlichkeit etwas mit meinem Milchstau zu tun?
Direkt. Zärtlichkeit bedeutet Oxytocin, und Oxytocin bedeutet Milchfluss. Einsamkeit bedeutet Stress, und Stress bedeutet Milch-Stopp. Dein Körper streikt, weil ihm der Treibstoff fehlt: Nähe.
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Wissenschaftliche Grundlagen: Berührung aktiviert C-taktile Fasern in der Haut, die direkt mit dem insulären Kortex verbunden sind – dem Bereich für emotionales Wohlbefinden. Mangel an dieser Stimulation führt nachweislich zu erhöhter Ängstlichkeit und Stressanfälligkeit: Alle Studien →