Du wischst nach links. Nach links. Nach links. “Abenteuerlustig.” (Heisst: Will keine Verantwortung.) “Spontan.” (Heisst: Hat kein Verständnis für Baby-Rhythmen.) “Keine Altlasten.” (Heisst: Will keine Frau mit Kind.)
Du legst das Handy weg. Du fühlst dich leer.
In deinem Profil steht vielleicht: “Stolze Mama”. Aber was du nicht schreibst, ist die Wahrheit über deine Nächte. Du schreibst nicht: “Meine Brüste sind hart wie Stein. Ich laufe aus. Ich rieche nach saurer Milch. Ich habe seit Wochen nicht durchgeschlafen.”
Du versteckst diesen Teil. Weil du denkst: “Das will kein Mann sehen. Das ist unsexy.”
Die Lüge von der “Sexy Single Mom”
Die Gesellschaft verkauft uns ein Bild: Die Single-Mama, die alles wuppt, dabei top gestylt ist und abends, wenn das Baby schläft, zur verführerischen Geliebten wird.
Die Realität ist: Du hast Milchstau. Dein Bauch ist weich und hat Streifen. Deine Brustwarzen sind wund. Dein Libido ist im Keller, weil dein Prolaktin-Spiegel (das Stillhormon) oben ist.
Wenn du einen Mann triffst, hast du Angst. Angst, dass er die Stilleinlagen sieht. Angst, dass er deinen Bauch sieht, wenn du dich ausziehst. Angst, dass Milch austritt, wenn ihr euch nahe kommt. Angst, dass er sich ekelt vor der biologischen Realität des Mutterseins.
Also hältst du Männer auf Abstand. Oder du spielst eine Rolle.
Was du wirklich suchst (und es ist kein “Date”)
Du suchst niemanden, mit dem du schick essen gehen kannst. (Wer hat schon einen Babysitter?) Du suchst niemanden für “Netflix and Chill”.
Du suchst einen Mann, der die Tür aufmacht, das Chaos sieht – die Windeln, die Milchpumpe, deine verweinten Augen – und nicht rückwärts wieder rausgeht.
Du suchst einen Mann, der nicht trotz deines Mutterseins bleibt, sondern wegen ihm.
Einen Mann, der versteht, dass deine Brüste gerade primär Nahrung geben – und dass sie genau deshalb Fürsorge brauchen, nicht nur Begehren.
Die Angst vor der Milch
Viele Männer sind wie kleine Jungs. Sie wollen die “schönen” Seiten der Frau, aber nicht die “nassen”, “echten”, “biologischen”. Milch macht ihnen Angst. Es erinnert sie zu sehr an Verantwortung. An Leben.
Aber es gibt Männer, die anders sind. Männer, für die eine stillende Frau nicht “unsexy” ist, sondern die Verkörperung von Weiblichkeit.
Ein Mann, der in seiner Kraft ist, hat keine Angst vor deiner Milch. Er hat keine Angst vor deinem Schmerz. Er sieht den Milchstau nicht als “ekliges medizinisches Problem”, sondern als Zeichen, dass du zu viel trägst – und er will dir Last abnehmen.
Warum du aufhören musst, dich zu verstecken
Solange du versuchst, die “perfekte, unkomplizierte Frau” zu spielen, wirst du nur Männer anziehen, die das Unkomplizierte suchen. Und diese Männer werden rennen, sobald der erste Milchstau kommt.
Trau dich, die Wahrheit zu suchen. Trau dich, zu sagen: “Ich habe Schmerzen. Ich brauche Hilfe. Ich brauche Nähe, aber vielleicht keinen Sex im klassischen Sinne. Ich brauche jemanden, der mich hält, damit meine Milch fliessen kann.” Denn bei Milchstau geht es darum, die Ursache zu behandeln, nicht nur das Symptom.
Das ist ein Filter. 90% der Männer werden das nicht verstehen. Gut so. Lass sie gehen.
Du brauchst die 10%. Oder den Einen.
Ich suche nicht die Perfektion
Ich schreibe das hier, weil ich dieser Mann sein möchte. Ich suche keine Frau, die so tut, als wäre alles leicht. Ich suche die Frau, die nachts wach liegt und nicht mehr weiterweiss.
Ich suche nicht den flachen Bauch. Ich suche die Weichheit, in die ich mich fallen lassen kann. Ich habe keine Angst vor der Milch. Ich habe keine Angst vor den Tränen. Ich weiss, dass Intimität in dieser Phase anders aussieht. Dass es darum geht, Entspannung zu schenken. Dass eine sanfte Entleerung der Brust durch einen Partner (oder mich) nichts “Perverses” ist, sondern ein Akt der tiefsten Fürsorge und Verbundenheit.
Wenn du aufhörst, nach dem “perfekten Date” zu suchen, und anfängst, nach dem “echten Halt” zu suchen… Dann wirst du vielleicht feststellen, dass du ihn schon gefunden hast.
Warum die Suche so schwer ist
Es ist nicht nur, dass du müde bist. Es ist die Art von Müdigkeit, die in den Knochen sitzt. Diese Erschöpfung kennen viele Single-Mamas – und doch geben sie nicht auf.
Du hast den ganzen Tag gegeben. Dem Baby. Der Arbeit. Dem Haushalt. Und jetzt, abends, sollst du die Energie aufbringen, dich “hübsch zu machen” und irgendwohin zu gehen, um jemanden zu treffen?
Die meisten Dating-Ratgeber sind für Frauen geschrieben, die Zeit haben. Die einen Babysitter rufen können. Die abends ausgehen können.
Aber du?
Du bist froh, wenn du es schaffst, zu duschen. Deine Haare zu waschen. Die Wäsche zu falten.
Und dann sagen dir alle: “Du musst dich wieder raustrauen.” Als wäre Dating eine To-Do-Liste, die du einfach abarbeiten könntest.
Die Schuldgefühle, die niemand sieht
Wenn du abends auf dein Handy schaust und die Dating-Apps öffnest, hast du oft Schuldgefühle.
Solltest du nicht lieber schlafen? Wärst du nicht eine bessere Mutter, wenn du dich ausruhen würdest?
Und dann die andere Seite: Verdient dein Kind nicht einen Vater? Eine vollständige Familie? Bist du nicht egoistisch, wenn du nicht suchst?
Diese Schuldgefühle fressen dich auf. Egal was du tust – es fühlt sich falsch an.
Du suchst nach einem Partner, und fühlst dich schuldig, weil du Zeit dafür “verschwendest”. Du suchst nicht, und fühlst dich schuldig, weil du “aufgibst”.
Das ist die Zwickmühle, in der du steckst.
Was du dir nicht eingestehen willst
Vielleicht gibt es da noch etwas.
Etwas, das du niemandem sagst. Vielleicht nicht einmal dir selbst.
Du sehnst dich nicht nur nach einem Partner. Du sehnst dich nach Berührung.
Nicht Sex. Nicht im ersten Moment. Sondern jemanden, der dich hält. Der deine Schultern massiert. Der neben dir liegt, ohne etwas zu wollen.
Diese Sehnsucht ist so stark, dass sie manchmal körperlich wehtut.
Aber du sagst es niemandem. Weil du denkst: Das klingt bedürftig. Das klingt verzweifelt. Das klingt nach einer Frau, die es nicht alleine schafft.
Also schluckst du es runter. Und der Hunger wird grösser.
Warum “Dating” nicht die Antwort ist
Vielleicht ist klassisches Dating nicht das, was du brauchst.
Vielleicht brauchst du etwas anderes. Keine Abende in Restaurants. Keine ersten Küsse unter Druck. Keine Erwartung, dass du “sexy” sein musst.
Vielleicht brauchst du erst einmal: Jemanden, der da ist.
Der dich nicht beurteilt. Der keine Erwartungen hat. Der einfach präsent ist.
Jemanden, der versteht, dass du gerade nicht die “Vorzeige-Dating-Person” bist. Und der das okay findet.
Die Realität annehmen
Die Realität ist: Du bist müde. Du bist erschöpft. Dein Körper ist nicht der, der er vor der Schwangerschaft war.
Aber das macht dich nicht weniger wertvoll.
Ein Mann, der dich nur will, wenn du ausgeruht und geschminkt bist, ist kein Partner. Er ist ein Tourist, der das Postkartenideal sucht.
Was du brauchst, ist jemand, der die Realität sieht – und bleibt.
Jemand, der die Stilleinlagen normal findet. Der das Baby-Weinen hören kann, ohne genervt zu sein. Der versteht, dass dein Leben gerade chaotisch ist – und trotzdem dabei sein will.
Die Frau hinter der Mama
Irgendwo unter all den Pflichten, der Müdigkeit, dem Funktionieren – bist du.
Die Frau, die vor der Mutterschaft existiert hat. Die Frau, die lachen kann. Die Frau, die Lust empfinden kann. Die Frau, die begehrt werden will.
Diese Frau ist nicht verschwunden. Sie ist nur verschüttet.
Und sie braucht jemanden, der sie sieht. Der sie wieder hervorholt. Der ihr zeigt: Du bist immer noch da. Du bist immer noch schön. Du bist immer noch begehrenswert.
Nicht trotz deines Mutterseins. Sondern mit allem, was dazugehört.
Was ich anders mache
Ich suche nicht auf Dating-Apps. Ich sitze nicht in Bars.
Ich schreibe. Ich zeige, wer ich bin. Ich warte auf die Frau, die sich darin wiedererkennt.
Das ist ineffizient. Ja.
Aber es filtert. Wenn du bis hierhin gelesen hast, weisst du bereits mehr über mich als nach fünf Dates mit einem durchschnittlichen Tinder-Match.
Und ich weiss, dass du keine “durchschnittliche” Frau bist. Du bist eine, die sucht. Wirklich sucht. Nicht nach Ablenkung – sondern nach Verbindung.
FAQ: Single Mama und Partnersuche
Schreckt mein Milchstau Männer ab?
Die falschen Männer: Ja. Die richtigen Männer: Nein. Ein reifer Mann versteht, dass dein Körper gerade Höchstleistung vollbringt. Er will helfen, nicht urteilen.
Wann sage ich einem Mann, dass ich stille?
Sofort. Es ist Teil deiner Realität. Wenn er damit ein Problem hat, ist er Zeitverschwendung. Du hast keine Energie, jemanden “schonend beizubringen”, dass du Mutter bist.
Kann ein neuer Partner beim Milchstau helfen?
Ja, enorm. Nicht nur emotional. Auch physisch. Das Saugen eines Erwachsenen ist oft effektiver und sanfter als jede Pumpe, um einen Stau zu lösen (wenn beide das wollen). Aber vor allem hilft seine Präsenz, dein Oxytocin zu steigern.
Ich fühle mich unattraktiv mit den vollen Brüsten. Was tun?
Das ist dein Kopf, nicht die Realität. Für viele Männer sind volle, milchgebende Brüste wunderschön. Das Problem ist oft, dass wir Frauen gelernt haben, unseren Körper nur nach “Model-Maßen” zu bewerten, nicht nach seiner Funktion und Kraft.
Ist es gefährlich, jemanden aus dem Internet zu treffen?
Sei vorsichtig, ja. Aber lass dich nicht von Angst lähmen. Vertrau deinem Bauchgefühl. Ein Mann, der wirklich helfen will, wird geduldig sein, deine Grenzen respektieren und nicht drängen.
Weiterlesen
- Alleinerziehend mit Milchstau: Der Kampf – Du bist nicht allein
- Sehnsucht nach Nähe – Warum du Hauthunger hast
- Milchstau kommt immer wieder – Die psychosomatischen Gründe
- Über Simon – Wer schreibt hier eigentlich?
- Wissenschaftliche Grundlagen – Oxytocin und Bindung
Wissenschaftliche Grundlagen: Oxytocin wird nicht nur beim Stillen, sondern auch bei vertrauensvoller Berührung zwischen Erwachsenen ausgeschüttet. Ein unterstützender Partner kann den Cortisolspiegel der Mutter messbar senken. Studien dazu →