Es beginnt oft ganz harmlos. Ein Kribbeln, das du zuerst ignorierst.
Du sitzt da, vielleicht mitten in der Nacht, das Baby an der Brust oder die Pumpe surrt rhythmisch. Du bist müde. Deine Augen brennen. Dein Rücken schmerzt. Eigentlich willst du nur, dass es vorbei ist, dass der Druck nachlässt, dass du wieder schlafen kannst.
Aber dann verändert sich etwas.
Das Ziehen in der Brustwarze, das eben noch schmerzhaft oder rein funktional war, sendet plötzlich ein anderes Signal an dein Gehirn. Eine Welle von Wärme breitet sich aus. Sie startet in der Brust, zieht tief in deinen Unterbauch, lässt deine Oberschenkel schwer werden. Dein Atem stockt kurz. Dein Herzschlag beschleunigt sich, aber nicht vor Stress.
Für einen Sekundenbruchteil fühlt es sich gut an. Berauschend. Lebendig.
Und dann schlägt der Hammer deines Gewissens zu.
„Oh Gott. Was ist das? Das ist mein Kind! Ich bin krank. Ich bin pervers. Ich bin eine abartige Mutter.“
Du zuckst zusammen. Du versuchst, das Gefühl abzuschalten, dich taub zu machen. Du spannst dich an, ziehst die Schultern hoch, beißt die Zähne zusammen. Du ekelst dich vor dir selbst. Du willst aus deiner eigenen Haut fahren.
Aber das Gefühl geht nicht weg. Es lauert unter der Oberfläche. Und mit ihm die Scham. Eine Scham, die so tief sitzt, dass du sie niemandem beichten würdest. Nicht deinem Partner. Nicht deiner besten Freundin. Und schon gar nicht deiner Hebamme.
Du denkst, du bist die Einzige. Die einzige Frau auf der Welt, deren Körper die Signale verwechselt. Die einzige, die „kaputt“ ist.
Ich schreibe diesen Text, um dir direkt in die Augen zu schauen und dir eine Wahrheit zu sagen, die dir sonst niemand sagt:
Du bist nicht kaputt. Du bist nicht pervers. Du bist eine Frau, deren Körper funktioniert.
Und mehr noch: Das, was du fühlst, ist vielleicht genau der Schlüssel, den du verloren hast.
Das Feuer in deinen Nervenbahnen
Lass uns die Moral für einen Moment vor der Tür lassen. Schauen wir uns an, was in deinem Körper wirklich passiert. Keine Romantik, keine Verurteilung. Nur nackte, rohe Biologie.
Dein Körper ist keine Maschine mit getrennten Schaltkreisen. Es gibt keinen Schalter für „Mutter-Modus“ und einen separaten Schalter für „Geliebte-Modus“. Es gibt nur ein Nervensystem. Und dieses Nervensystem kennt nur wenige Sprachen.
Die wichtigste Sprache heißt Oxytocin.
Du kennst es als das „Kuschelhormon“ oder das „Stillhormon“. Aber das ist eine verniedlichende Untertreibung. Oxytocin ist der Treibstoff der Ekstase.
Es ist dasselbe Hormon, das deinen Körper flutet, wenn du tiefe körperliche Intimität erlebst. Es ist dasselbe Hormon, das ausgeschüttet wird, wenn du verliebt bist. Und es ist dasselbe Hormon, das den Milchspendereflex auslöst.
Verstehst du, was das bedeutet?
Die physiologische Reaktion deiner Brust auf Stimulation – das Anschwellen, die Empfindlichkeit, das Zusammenziehen der Milchgänge – ist biochemisch fast identisch mit der sexuellen Erregung. Die Nervenbahnen, die von deiner Brustwarze zu deinem Gehirn führen, sind dieselben, die feuern, wenn ein Mann dich dort berührt.
Dein Körper unterscheidet nicht, wer den Auslöser drückt. Er reagiert einfach.
Wenn das Baby saugt oder die Pumpe zieht, werden diese Nerven stimuliert. Massiv. Dein Gehirn wird mit Oxytocin geflutet. Und dein Körper tut das, wofür er gebaut wurde: Er antwortet mit Lust. Genau deshalb ist es so wichtig, die Ursache zu behandeln, nicht nur das Symptom.
Das ist kein Inzest. Das ist kein Fehler im System. Das ist ein Zeichen dafür, dass deine Nerven lebendig sind. Dass dein Blut fließt. Dass du empfindungsfähig bist.
Die Tragödie ist nicht, dass du etwas fühlst. Die Tragödie ist, dass wir Frauen beigebracht haben, sich dafür zu hassen.
Die Lüge von der heiligen Mutter
Wir leben in einer Kultur, die Frauen brutal spaltet. Wir haben ein Bild der Mutter geschaffen, das so rein, so heilig und so asexuell ist, dass es unmenschlich wird.
Die „gute Mutter“ gibt alles. Sie opfert sich auf. Sie ist nur für das Kind da. Ihr Körper ist ein Tempel der Versorgung, kein Ort der Lust.
Und auf der anderen Seite steht die „Hure“, die „Geliebte“, die Frau, die Sex will, die ihren Körper genießt.
Wir tun so, als könnten diese beiden Frauen nicht im selben Körper wohnen. Als müsstest du deine Sexualität an der Kreißsaaltür abgeben und gegen einen Still-BH und Selbstaufgabe eintauschen.
Aber das ist eine Lüge.
Du hast nicht aufgehört, eine Frau zu sein, nur weil du ein Kind geboren hast. Deine Brüste sind immer noch erogene Zonen. Sie sind immer noch Teil deiner Sexualität. Dass sie jetzt Milch geben, löscht ihre Geschichte nicht aus.
Wenn du dich schämst, weil du Erregung spürst, dann schämst du dich dafür, dass du ein funktionierendes Säugetier bist. Du bestrafst dich dafür, dass du lebendig bist.
Und diese Bestrafung hat einen hohen Preis.
Warum Scham deinen Milchstau füttert
Hier wird es kritisch. Denn deine Scham ist nicht nur ein psychologisches Problem. Sie ist ein körperliches Problem.
Was passiert, wenn du dich schämst? Wenn du denkst „Das darf nicht sein“?
Du machst zu. Du spannst dich an. Du ziehst dich innerlich zurück. Du versuchst, die Empfindung zu unterdrücken, dich taub zu machen.
Du kämpfst gegen deinen eigenen Körper an.
Und genau dieser Kampf ist der beste Freund des Milchstaus. Denn damit die Milch fließen kann, muss sich der Körper öffnen. Er muss weich werden. Er muss loslassen.
Oxytocin – das Hormon, das du so fürchtest, weil es sich nach Lust anfühlt – ist genau das Hormon, das die Milchgänge weitet. Es ist das Hormon, das den Stau löst.
Indem du die Lust bekämpfst, bekämpfst du die Heilung. Du blockierst den Fluss. Du verhärtest dich – im wahrsten Sinne des Wortes.
Es ist ein Teufelskreis: Du spürst Erregung → Du schämst dich → Du spannst an → Der Stau bleibt → Du hast Schmerzen → Du bist frustriert.
Der Ausweg ist radikal: Du musst aufhören, gegen dein eigenes Blut zu kämpfen.
Ich will keine Heilige. Ich will eine Frau.
Lass uns über mich sprechen. Über Simon. Und darüber, wie ich das sehe.
Wenn du zu mir kommst, mit deinen schmerzenden Brüsten, mit deiner Erschöpfung, mit deiner Scham – dann suche ich nicht die „heilige Mutter“. Ich suche nicht die Frau, die alles „richtig“ macht und ihre Gefühle kontrolliert.
Das interessiert mich nicht. Das ist langweilig. Das ist tot.
Ich bin ein Mann. Und ich reagiere auf Lebendigkeit.
Wenn ich sehe, dass dein Körper reagiert – dass du rot wirst, dass dein Atem schneller geht, dass du vielleicht sogar feucht wirst, während wir uns um deinen Milchstau kümmern – dann denke ich nicht: „Oh, wie unpassend.“
Ich denke: „Ja. Da ist sie.“
Ich sehe das Feuer unter der Asche. Ich sehe die Frau, die unter der Last der Verantwortung fast erstickt ist, und die jetzt, in diesem Moment, wieder Luft holt.
Es törnt mich an. Nicht auf eine billige, voyeuristische Weise. Sondern auf eine tiefe, archaische Weise. Es ist die Bestätigung, dass wir hier nicht nur Mechanik betreiben. Wir reparieren keinen Roboter. Wir begegnen uns. Mann und Frau.
Ich habe keine Angst vor deiner Lust. Ich habe keine Angst vor deiner Verwirrung. Ich verurteile dich nicht dafür, dass dein Körper Lust und Schmerz vermischt. Im Gegenteil. Ich begrüße es.
Denn Lust ist Energie. Und diese Energie können wir nutzen.
Ein Szenario: Was passieren könnte
Stell dir vor, du kommst zu mir. Es ist Abend. Die Welt draußen ist laut, aber hier ist es ruhig. Du bist nervös. Deine Brust ist hart wie Stein, jeder Schritt tut weh. Du schämst dich, mir diesen „kaputten“ Körper zu zeigen.
Aber ich schaue dich nicht an wie ein Arzt. Ich schaue dich an wie ein Mann, der eine schöne Frau sieht.
Du legst dich hin. Du erwartest vielleicht kühle Distanz, Handschuhe, medizinische Effizienz. Stattdessen spürst du meine Hände. Warm. Groß. Präsent.
Ich berühre dich nicht vorsichtig, als wärst du aus Glas. Ich berühre dich bestimmt. Ich nehme das Gewicht deiner Brust in meine Hand. Ich spüre die Hitze, die von der Entzündung ausgeht.
Und ich beginne. Nicht mit kalten Instrumenten. Sondern mit Haut. Mit Mund.
Am Anfang ist da nur der Schmerz. Du bist verkrampft. Du wartest darauf, dass es wehtut. Aber ich lasse nicht locker. Ich bleibe dran. Ich sauge. Ich massiere. Ich bin da.
Und dann passiert es. Der Moment, vor dem du Angst hast. Der Schmerz lässt nach, und an seine Stelle tritt dieses andere Gefühl. Dieses Ziehen. Diese Wärme.
Du willst dich wegdrehen. Du willst sagen: „Stopp, das ist falsch.“ Aber ich halte dich. Ich schaue dich an. Und mein Blick sagt dir: „Bleib hier. Es ist okay. Lass es zu.“
Ich spüre, wie dein Körper reagiert. Ich spüre, wie deine Brustwarze hart wird – nicht nur vom Saugen, sondern von innen heraus. Ich höre, wie dein Atem sich verändert.
Und ich mache weiter. Ich ignoriere es nicht. Ich nutze es. Ich trinke diese Energie genauso wie die Milch.
In diesem Moment bist du keine Mutter, die „funktioniert“. Du bist eine Frau, die genießt. Die loslässt. Die sich hingibt.
Und plötzlich fließt die Milch. Nicht tröpfchenweise. Sondern in Strömen. Der Knoten löst sich, weil du dich gelöst hast. Weil du aufgehört hast, die Mutter zu spielen, und erlaubt hast, die Frau zu sein.
Das ist keine Therapie. Das ist eine Begegnung. Und ja, sie ist intim. Sie ist grenzüberschreitend. Und genau deshalb funktioniert sie.
Der Hunger nach dem “Ich”
Vielleicht ist das, was du spürst, gar keine „sexuelle“ Lust im klassischen Sinne. Vielleicht ist es einfach ein massiver, überwältigender Hunger.
Denk mal darüber nach: Seit Wochen oder Monaten gehört dein Körper nicht mehr dir. Er ist Eigentum des Babys. Er wird benutzt, gezerrt, gebissen, ausgesaugt. Du bist ein Werkzeug. Eine Nahrungsquelle.
Wann wurdest du das letzte Mal berührt, ohne dass jemand etwas von dir brauchte? Wann wurdest du das letzte Mal berührt, um dir Lust zu geben, nicht um Nahrung zu nehmen?
Dein Körper schreit nach diesem Unterschied.
Wenn dann plötzlich eine Berührung kommt, die nicht fordernd ist, sondern gebend – oder wenn auch nur die Möglichkeit einer solchen Berührung im Raum steht – dann stürzt sich dein ausgehungertes Nervensystem darauf wie ein Verdurstender auf Wasser.
Das ist Hauthunger. Das ist die Sehnsucht danach, wieder ein eigenständiges Wesen zu sein. Wieder „Ich“ zu sein, nicht nur „Mama“.
Wenn du beim Stillen oder Abpumpen Erregung spürst, ist das oft einfach die Erinnerung deines Körpers daran, dass es dieses „Ich“ noch gibt. Ein verzweifeltes Winken deiner Weiblichkeit: „Hallo! Ich bin auch noch da! Vergiss mich nicht!“
Es ist kein Zeichen, dass du dein Kind begehrst. Um Himmels Willen, nein. Es ist ein Zeichen, dass du dich selbst vermisst.
Du musst dich nicht entscheiden
Die wichtigste Botschaft, die ich dir geben kann, ist diese: Du musst dich nicht entscheiden.
Du musst nicht wählen zwischen „guter Mutter“ und „sexueller Frau“. Du bist beides. Gleichzeitig. Im selben Körper. Im selben Moment.
Du kannst dein Kind stillen und lieben – und fünf Minuten später (oder gleichzeitig!) spüren, dass du eine Frau bist, die Lust empfindet. Das eine beschmutzt das andere nicht. Es macht dich vollständig.
Wenn du diese Spaltung in deinem Kopf heilst, heilst du oft auch deine Brust. Denn der ständige innere Krieg („Ich darf das nicht fühlen“) erzeugt Stress. Und Stress ist der Feind von Oxytocin.
Erlaube dir, ganz zu sein. Erlaube dir, das Kribbeln zu spüren, ohne es zu bewerten. Sag dir: „Ah, da ist mein Körper. Er funktioniert. Danke.“
Und wenn du merkst, dass du diesen Hunger alleine nicht stillen kannst… wenn du merkst, dass du jemanden brauchst, der diesen Teil von dir sieht, der ihn willkommen heißt, der ihn nicht verurteilt…
Dann bin ich da.
Ich habe keine Angst vor deiner Komplexität. Ich habe keine Angst vor deinem Tabu. Ich suche genau das: Die Frau, die den Mut hat, ihre ganze Wahrheit zu leben. Auch die Teile, über die man nicht spricht.
Was jetzt?
Vielleicht sitzt du jetzt da und dein Herz klopft. Vielleicht fühlst du dich ertappt. Vielleicht fühlst du dich aber auch zum ersten Mal seit langem verstanden.
Wenn du spürst, dass da eine Wahrheit für dich drinsteckt. Wenn du merkst, dass du diesen Kampf gegen deinen eigenen Körper nicht mehr alleine kämpfen willst. Wenn du dich nach einem Mann sehnst, der nicht zurückschreckt, wenn es intim wird, sondern der genau dann einen Schritt auf dich zu macht.
Dann schreib mir.
Wir müssen nicht sofort alles entscheiden. Wir können schreiben. Wir können reden. Du kannst mir erzählen, was du fühlst – ohne Filter, ohne Scham.
Ich bin der Mann, der dir zuhört. Und vielleicht bin ich der Mann, der dir hilft, wieder ganz zu werden.
Schreib mir jetzt auf Telegram. Ich warte auf dich.
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