Warum ein unperfekter Mann der bessere Partner ist

Von Simon H. · · Überarbeitet: · 2249 Wörter Partnersuche , Vertrauen & Mut , Beziehung

Du hast eine Liste.

Vielleicht steht sie nicht auf Papier. Aber sie ist da. In deinem Kopf. Die Liste mit allem, was “er” haben muss.

Gross. Erfolgreich. Witzig. Sportlich. Selbstbewusst. Romantisch. Aber nicht zu romantisch. Stark. Aber auch sensibel. Unabhängig. Aber auch verfügbar.

Die Liste ist lang. Und kein Mann, den du triffst, erfüllt sie.

Die Jagd nach dem Einhorn

Du wartest auf den perfekten Mann wie auf ein Einhorn. Du weisst eigentlich, dass es ihn nicht gibt. Aber du hoffst trotzdem.

Jeder neue Mann wird an der Liste gemessen. “Er ist nett, aber…” “Er ist interessant, aber…” “Er ist aufmerksam, aber…”

Immer ein “Aber”.

Und so vergehen die Jahre. Die Liste wird nicht kürzer. Aber du wirst müder.

Was Perfektion tatsächlich bedeutet

Hier ist, was ich gelernt habe:

“Perfekt” ist eine Fassade. “Authentisch” ist ein Fundament.

Die Männer, die perfekt wirken, sind oft die, die am meisten verstecken. Die ihre Schwächen so gut kaschieren, dass du sie erst siehst, wenn es zu spät ist. Wenn du schon investiert hast. Wenn die Enttäuschung doppelt so hart trifft.

Die Männer, die authentisch sind, zeigen dir von Anfang an, wer sie sind. Mit Ecken und Kanten. Mit Schwächen und Zweifeln. Mit allem, was sie “unperfekt” macht.

Das ist keine Schwäche. Das ist Mut.

Was perfekte Männer verstecken

Der Mann mit dem Sixpack und dem BMW postet Fotos aus dem Gym. Er zeigt dir seinen Erfolg. Seinen Körper. Sein Lächeln. Was er nicht zeigt: Die Angst vor dem Versagen. Die Unsicherheit hinter der Fassade. Die Nächte, in denen auch er allein ist.

Irgendwann kommt der Moment, in dem die Fassade nicht mehr hält. Vielleicht nach drei Monaten. Vielleicht nach einem Jahr. Und dann stehst du vor einem Fremden. Einem Mann, den du nicht kennst. Weil er dir nie gezeigt hat, wer er ist.

Als Mama kannst du dir dieses Risiko nicht leisten. Du hast ein Baby, das von dir abhängt. Du brauchst Stabilität, nicht Überraschungen. Du brauchst einen Mann, bei dem du weisst, was du bekommst. Von Anfang an. Ohne böse Erwachungen drei Monate später.

Ein unperfekter Mann, der dir seine Schwächen von Tag eins zeigt, ist kalkulierbar. Er ist vorhersehbar. Nicht weil er keine Fehler hat – sondern weil du seine Fehler kennst. Weil er sie dir gezeigt hat, bevor du dich verliebt hast. Damit du entscheiden kannst, ob du damit leben kannst. Bevor du investierst. Bevor du Hoffnung aufbaust. Das ist Respekt. Das ist das Minimum, das du verdienst.

Sicherheit entsteht durch Ehrlichkeit – nicht durch eine makellose Fassade

Barlow et al. (2024) haben über 12.000 Mütter untersucht. Das Ergebnis war überraschend: Die Zufriedenheit mit dem Partner korrelierte nicht mit seinem Einkommen, seinem Aussehen oder seinem Status. Sie korrelierte mit einer einzigen Variable: ob er emotional verfügbar war. Ob er da war, wenn es schwierig wurde. Ob er zuhörte, ohne zu bewerten. Ob er Schwäche zeigte – und damit Raum schuf, dass auch sie schwach sein durfte.

Bigelow et al. (2022) fanden etwas Ähnliches auf körperlicher Ebene: Der Oxytocin-Anstieg bei Berührung war am höchsten, wenn die Frau sich beim Partner sicher fühlte. Nicht wenn er besonders attraktiv war. Nicht wenn er besonders erfolgreich war. Wenn sie sich sicher fühlte. Und Sicherheit entsteht nicht durch Perfektion – sie entsteht durch Vorhersehbarkeit. Durch Ehrlichkeit. Durch das Wissen: Ich sehe, wer er ist. Da gibt es keine versteckte Seite, die mich später überrascht.

Die Kehrseite bestätigt das: Mütter mit Partnern, die eine Fassade aufrechterhielten, hatten höhere Angst- und Depressionswerte. Weil die Fassade Unsicherheit erzeugt. Weil du spürst, dass etwas nicht stimmt, aber nicht weisst, was. Weil du wartest, dass die Maske fällt – und nicht weisst, was dahinter ist.

Unperfekt und ehrlich schlägt perfekt und verpackt. Jedes Mal.

Meine eigene Unperfektheit

Ich bin Simon. 135 Kilo. IV-Bezüger. Wohnhaft in Zuchwil. Nicht perfekt. Nicht mal ansatzweise.

Ich habe keine Modellfigur. Ich habe einen Bauch, den ich manchmal einziehe, wenn ich in den Spiegel schaue. Ich bin kein Karriere-Mann mit Villa und Sportwagen. Ich beziehe IV-Rente und habe Unsicherheiten, die ich nicht immer gut verstecke.

Aber ich bin ehrlich – ein unperfekter Mann, der das als Stärke sieht. Und das ist mehr, als die meisten Männer von sich sagen können. Ein Mann, der fühlt – das ist selten. Und genau das macht den Unterschied.

Lange allein. 135 Kilo in einer Welt, die bei 80 aufhört hinzuschauen. Aber genau das hat mir etwas gegeben, das kein perfekter Mann hat: Ich weiss, wie es sich anfühlt, übersehen zu werden. Und deshalb werde ich dich sehen. Tatsächlich sehen.

4 Mal die Woche trainiere ich im Gym. 200 Kilo auf der Beinpresse, Satz für Satz. Nicht um perfekt auszusehen – das wird nicht passieren. Sondern um präsent zu sein. Um meinem Körper zu zeigen: Ich gebe dich nicht auf. Auch wenn die Welt mich abgeschrieben hat.

Ich sage dir, was ich will. Ich sage dir, was ich nicht kann. Ich mache keine Versprechen, die ich nicht halte.

Das ist mein Angebot: Keine Perfektion. Aber Echtheit. So wie bei Stillproblemen die Ursache wichtiger ist als das Symptom.

Warum Unperfekt besser ist – und Sockel immer wackeln

Jeder Sockel hat ein Problem: Er ist instabil. Je höher du jemanden stellst, desto tiefer fällt er. Und du fällst mit.

Du hast das vielleicht schon erlebt. Du hast jemanden idealisiert. “Er ist perfekt.” Und dann – langsam oder plötzlich – sind die Risse aufgetaucht. Die Enttäuschung. Das Gefühl: Das ist nicht der Mann, den ich zu kennen glaubte.

Aber er war nie dieser Mann. Er war immer er selbst – mit all seinen Fehlern. Du hast nur nicht hingeschaut. Du wolltest das Einhorn sehen.

Ein echter Mann steht bereits auf dem Boden. Mit dir. Auf Augenhöhe. Er kann nicht fallen, weil er nie behauptet hat, oben zu stehen. Mit ihm weisst du, woran du bist. Keine Überraschungen. Keine bösen Erwachungen. Nur das, was du siehst – ehrlich und ungeschönt.

Meine konkreten Unperfektheiten

Ich könnte dir sagen: “Ich bin nicht perfekt.” Das sagt jeder.

Also lass mich konkret werden.

Ich habe einen Bauch. Keinen Waschbrettbauch, keinen Ansatz davon. Einen richtigen, weichen Bauch, den ich manchmal einziehe, wenn ich in den Spiegel schaue.

Ich bin nicht immer selbstbewusst. Manchmal zweifle ich. An mir. An dem, was ich tue. An dem, ob das hier – diese Website – überhaupt jemanden erreicht.

Ich bin nicht spontan. Ich plane gerne. Ich mag Struktur. Abenteuerurlaub mit Rucksack und ohne Ziel? Nicht mein Ding.

Ich habe Angst vor Ablehnung. Darum hat es mich Überwindung gekostet, diese Website zu machen. Mich zu zeigen. Zu sagen: Das bin ich. Das will ich.

Siehst du? Kein Einhorn. Nur ein Mensch.

Was Echtheit in einer Beziehung bedeutet

Echtheit bedeutet nicht: “Ich zeige dir alle meine Fehler und du musst sie akzeptieren.”

Echtheit bedeutet: “Ich verstecke nicht, wer ich bin. Du weisst, worauf du dich einlässt.”

In einer echten Beziehung:

  • Gibt es keine Überraschungen nach sechs Monaten (“Das wusste ich nicht über dich!”)
  • Darf man schlechte Tage haben, ohne so tun zu müssen, als wäre alles gut
  • Darf man Fehler zugeben, ohne Angst vor Strafe
  • Darf man wachsen und sich verändern – zusammen

Stell dir vor, wie das als Mama wäre. Stell dir vor, du könntest sagen: “Heute war ein Scheiss-Tag. Das Baby hat nur geschrien, die Milch kam nicht, ich habe geweint und mir Vorwürfe gemacht.” Und statt “Das wird schon” oder “Du musst halt…” sagt er: “Erzähl mir mehr.”

Stell dir vor, du müsstest nicht die starke Mama spielen. Nicht die entspannte Frau. Nicht die, die alles im Griff hat. Du könntest du selbst sein. Erschöpft. Überfordert. Wütend. Traurig. Und jemand würde bleiben. Nicht trotzdem – sondern gerade deshalb.

Das ist keine Perfektion. Das ist besser als Perfektion. Das ist Partnerschaft.

Die Szene, die möglich wäre

Es ist Samstagabend. 22 Uhr. Das Baby schläft endlich. Du liegst auf dem Sofa, die Brust spannt, der Nacken ist steinhart. Du hast den ganzen Tag allein gekämpft.

Jemand setzt sich neben dich. Er sieht den harten Tag in deinem Gesicht. Er sagt nichts. Er nimmt deine Füsse auf seinen Schoss und beginnt sie zu massieren. Langsam. Ruhig. Ohne Erwartung.

Du schliesst die Augen. Du spürst die Wärme seiner Hände. Und du merkst, wie sich etwas löst. In den Schultern. Im Kiefer. In der Brust. Die Milch beginnt zu fliessen – nicht weil du die richtige Technik angewendet hast, sondern weil dein Körper endlich die Nachricht bekommt: Jemand ist da. Du bist sicher. Du kannst loslassen.

Er hat keinen Sixpack. Er hat keinen perfekten Lebenslauf. Aber er hat Hände, die dich halten. Und die Geduld, zu bleiben, während du loslässt. Manchmal ist das alles, was es braucht.

Was Perfektion mit deinem Körper macht

Wenn du Mama bist und einen “perfekten” Mann suchst, passiert etwas Paradoxes: Die Suche nach Perfektion erzeugt Stress. Und Stress erzeugt das, was du am wenigsten brauchst.

Du swipest durch Profile und vergleichst. Du triffst jemanden und suchst nach Fehlern. Du findest einen Fehler und gehst. Du swipest weiter – obwohl du tief drinnen weisst, dass Tinder nicht funktioniert. Der Kreislauf geht weiter. Und dein Körper? Der registriert jeden einzelnen Zyklus von Hoffnung und Enttäuschung.

Cortisol steigt. Oxytocin sinkt. Die Brust verhärtet sich. Der Milchstau kommt. Nicht weil du eine schlechte Mama bist – sondern weil dein Körper den Preis dafür zahlt, dass du einem Phantom nachjagst. Einem Mann, den es nicht gibt. Einem Einhorn.

Was wäre, wenn du aufhörst zu suchen und anfängst zu sehen? Nicht den perfekten Mann. Den echten. Den, der vor dir steht. Mit dem Bauch. Mit den Unsicherheiten. Mit den Händen, die dich halten können, obwohl sie nicht perfekt manikürte Fingernägel haben.

Dein Körper weiss den Unterschied. Er reagiert nicht auf Perfektion. Er reagiert auf Sicherheit. Auf Vertrauen. Auf die Gewissheit: Dieser Mensch bleibt. Auch wenn es schwierig wird. Auch wenn ich um 3 Uhr nachts weine, weil die Milch nicht kommt und ich so müde bin, dass ich nicht mehr kann.

Die Checkliste loslassen

Ich sage nicht: Wirf alle Standards über Bord. Nimm jeden, der vorbeikommt.

Aber vielleicht ist es Zeit, die Checkliste zu überdenken.

Frag dich: Welche Punkte auf meiner Liste sind über Charakter – und welche über Oberfläche?

“Er muss ehrlich sein” – Charakter. Wichtig.

“Er muss mindestens 1,80 sein” – Oberfläche. Verhandelbar?

“Er muss verlässlich sein” – Charakter. Essentiell.

“Er muss einen bestimmten Beruf haben” – Oberfläche. Tatsächlich entscheidend?

“Er muss mich halten können, wenn die Nacht zu lang wird” – Charakter. Unbezahlbar.

“Er muss einen Sixpack haben” – Oberfläche. Hält er dich damit warm um 3 Uhr nachts?

Die Checkliste schützt dich vor den Falschen. Aber sie kann dich auch vom Richtigen fernhalten – wenn du zu sehr an der Oberfläche hängst. Vielleicht steht der richtige, unperfekte Mann nicht auf deiner Liste. Vielleicht steht er daneben. Mit 135 Kilo. Mit einem Herz, das bereit ist, jemanden zu halten.

Warum Perfektion dich einsam macht

Die Suche nach dem perfekten Mann hat einen versteckten Preis: Je höher deine Ansprüche an der Oberfläche, desto weniger Menschen kommen durch den Filter. Und je weniger Menschen durchkommen, desto einsamer wirst du.

Das ist keine Aufforderung, deine Standards zu senken. Es ist eine Einladung, sie zu verschieben. Von der Oberfläche in die Tiefe. Von “Wie sieht er aus?” zu “Wie fühle ich mich neben ihm?” Von “Was hat er?” zu “Wer ist er?”

Denn die Wahrheit ist: Du wirst dich neben einem perfekt aussehenden Mann, der emotional absent ist, einsamer fühlen als neben einem unperfekten Mann, der da ist. Präsent. Einsamer als allein. Weil die Erwartung da ist – und die Erfüllung nicht.

Als Mama kennst du dieses Gefühl vielleicht schon. Vielleicht hattest du einen Partner, der physisch anwesend war, aber emotional auf einem anderen Planeten. Der neben dir sass, aber nicht bei dir war. Der “Entspann dich” sagte, wenn du wegen dem Milchstau geweint hast – und damit mehr Schaden angerichtet hat als die Einsamkeit allein.

Ein unperfekter Mann, der versteht, was du durchmachst – der ist Gold wert. Nicht weil er alles richtig macht. Sondern weil er es versucht. Jeden Tag. Ehrlich. Ungeschönt. Mit allen Fehlern. Wenn du wissen willst, wie das konkret aussieht: Das ist, was ich dir wirklich anbiete.

Die Frau, die ich suche

Ich suche keine perfekte Frau.

Ich suche eine echte.

Eine, die aufgehört hat, auf das Einhorn zu warten. Eine, die verstanden hat, dass Perfektion eine Lüge ist – und dass echte Nähe das Einzige ist, was zählt.

Eine, die ihre eigenen Unperfektheiten kennt – und trotzdem denkt: Ich bin es wert, geliebt zu werden. Nicht obwohl. Sondern mit allem. Mit den Dehnungsstreifen. Mit den Augenringen. Mit dem Chaos in der Wohnung. Mit der Milch auf dem Shirt. Mit allem.

Eine, die sagt: “Ich will keinen Mann, der mir etwas vorspielt. Ich will einen, der da ist. Mit allem, was er ist. Auch mit dem Bauch. Auch mit der IV. Auch mit den 135 Kilo. Weil Charakter schwerer wiegt als Muskeln.”

Wenn du diese Frau bist – schreib mir. Nicht weil ich perfekt bin. Gerade weil ich es nicht bin. Damit wir auf Augenhöhe stehen. Zwei unperfekte Menschen, die aufgehört haben zu warten und angefangen haben, ehrlich zu sein. Auf Augenhöhe. Ohne Sockel.

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Quellen

  1. Barlow, K. et al. (2024). Partner support and postpartum depression risk. BMC Public Health. [PubMed]
  2. Bigelow, A.E. et al. (2022). Skin-to-skin contact and maternal anxiety. Scientific Reports. [PubMed]
  3. Radtke, T. et al. (2019). Depression in single mothers vs. partnered mothers. BMC Psychiatry. [PubMed]

Über den Autor

Simon H. ist kein Therapeut und kein Experte – er ist ein Mann, der eine ehrliche Verbindung sucht. Seine Überzeugung: Die Lösung für viele körperliche Blockaden liegt nicht in Symptombehandlung, sondern in menschlicher Nähe und echtem Vertrauen.

Stell dir vor...

Stell dir vor, wir treffen uns. Du bist nervös, ich bin nervös. Aber dann siehst du, dass ich einfach nur ein Mann bin. Ein Mann mit warmen Händen und Aloe Vera Gel, der darauf wartet, dich zu verwöhnen.

Vielleicht spürst du schon beim Schreiben ein leichtes Kribbeln. Vielleicht sagt dir dein Kopf "Das ist verrückt", aber dein Körper sagt "Endlich".

  • Du musst nichts erklären.
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