Es ist 2 Uhr nachts. Die Brust brennt. Du liegst da und fragst dich: Warum schon wieder?
Du hast alles gemacht, was die Hebamme gesagt hat. Wärme vor dem Stillen. Kühlung danach. Anlegen, anlegen, anlegen. Aber der Knoten kommt zurück. Immer wieder. Als hätte er eine eigene Agenda.
Und dann fällt dir etwas auf:
Der letzte Milchstau kam nach dem Streit mit deiner Mutter. Der davor nach der schlaflosen Woche, als du allein warst. Der erste, nachdem der Kindsvater gegangen ist.
Zufall? Vielleicht. Oder vielleicht nicht.
Dein Körper ist keine Maschine, die zufällig kaputt geht. Er ist ein Spiegel deiner Seele. Und manchmal ist der Milchstau eine Botschaft, die du nicht hören willst.
Die Sprache deines Körpers verstehen
Dein Körper spricht nicht in Worten. Er spricht in Symptomen.
- Magenschmerzen = „Ich kann das nicht verdauen.”
- Rückenschmerzen = „Die Last ist zu schwer.”
- Milchstau = „Ich halte fest, was fliessen sollte.”
→ Mein Ansatz: Die Ursache behandeln, nicht das Symptom
Das nennt sich Psychosomatik. Und bevor du abwinkst: Es bedeutet nicht, dass du dir den Schmerz einbildest. Der Schmerz ist real. Die Verhärtung ist real. Das mögliche Fieber ist real.
Aber die Ursache liegt oft tiefer als ein verstopfter Milchgang.
Die Wissenschaft hat das längst dokumentiert. Professorin Kerstin Uvnäs-Moberg, eine der führenden Oxytocin-Forscherinnen der Welt, hat gezeigt: Emotionaler Stress blockiert die Oxytocin-Ausschüttung. Und ohne Oxytocin kein Milchspendereflex. Ohne Milchspendereflex – Stau.
Die Frage, die niemand stellt
Wenn du mit Milchstau zur Hebamme gehst, fragt sie: „Wie oft legst du an? Welche Position? Wie lange?”
Technische Fragen. Wichtige Fragen. Aber nicht die entscheidende.
Niemand fragt: „Was ist in deinem Leben gerade los? Wie geht es dir wirklich? Was trägst du mit dir, das du niemandem erzählst?”
Niemand fragt, weil wir gelernt haben, den Körper getrennt von der Seele zu behandeln. Als wäre die Brust ein defektes Teil, das man reparieren kann, ohne auf den Rest zu schauen.
Aber dein Körper weiss es besser. Er reagiert auf alles, was du fühlst. Auch auf das, was du nicht fühlst – weil du es dir nicht erlaubst.
Wut im Bauch, Stau in der Brust
Der unterschätzteste Faktor beim Milchstau ist Wut.
Vielleicht bist du wütend auf den Kindsvater, der zu wenig hilft – oder gar nicht mehr da ist. Wütend auf die Familie, die alles besser weiss. Wütend auf die Gesellschaft, die dir sagt, du sollst es „geniessen”, während du am Limit bist.
Vielleicht bist du sogar wütend auf dein Baby. Auf dieses kleine Wesen, das dich 24/7 beansprucht, das immer mehr will, das nie zufrieden scheint.
Und dann kommt die Scham. Denn: Gute Mütter sind nicht wütend. Das haben wir gelernt.
Also schluckst du die Wut runter. Du beisst die Zähne zusammen. Du funktionierst.
Und was passiert in deinem Körper?
- Dein Kiefer spannt sich an.
- Dein Nacken wird hart.
- Dein Sympathikus (Kampf-Modus) springt an.
- Adrenalin schiesst ins Blut.
- Die Gefässe verengen sich – überall, auch in der Brust.
Weisst du, was Milchfluss braucht? Das Gegenteil: Weite Gefässe und Oxytocin.
Unterdrückte Wut ist der effektivste Milch-Stopper, den es gibt. Deine Brust „macht zu”, weil du „zu machst”.
Der Körper als Druckventil
Stell dir deinen Körper wie einen Dampfkochtopf vor. Die Wut, die Trauer, die Überforderung – das ist der Dampf. Er baut sich auf, jeden Tag ein bisschen mehr.
Normalerweise würdest du den Dampf ablassen. Durch Reden, Weinen, Schreien, Bewegen. Aber als Mutter hast du keine Zeit dafür. Du kannst nicht schreien, das Baby schläft. Du kannst nicht weinen, du musst funktionieren. Du kannst nicht reden, niemand hört zu.
Also baut sich der Druck auf. Und irgendwann sucht er sich ein Ventil.
Bei manchen ist es der Rücken. Bei manchen der Magen. Bei dir ist es die Brust.
Der Milchstau ist nicht das Problem. Er ist das Symptom des Problems.
Trauer und das Nicht-Loslassen-Können
Manchmal ist es nicht Wut, sondern Trauer. Oder Angst. Oder beides gleichzeitig.
Milchstau hat viel mit Festhalten zu tun.
Die Milch soll fliessen. Sie soll abgegeben werden. Das ist ihre Natur. Fliessen, geben, nähren.
Aber wenn du innerlich klammerst – an Kontrolle, an Perfektion, an der Idee, wie alles sein sollte – dann klammert auch dein Körper.
Vielleicht hältst du fest an:
- Der Vorstellung der „perfekten Mutter”
- Der Kontrolle über alles, weil sonst alles zusammenbricht
- Der Hoffnung, dass er doch noch zurückkommt
- Der Angst, dass du es nicht schaffst
Dein Körper spiegelt dein Inneres: „Ich kann nicht loslassen.”
Und die Brust antwortet: Dann fliesst auch hier nichts.
Warum Hausmittel oft versagen
Du kannst Quark auflegen, bis du frierst. Du kannst massieren, bis du blau bist. Du kannst die teuerste Milchpumpe kaufen und stundenlang pumpen.
Wenn die Ursache emotionaler Stress ist, behandeln diese Mittel nur das Symptom. Sie können kurzfristig helfen – aber sie lösen nicht, was dahinter steckt.
Sobald der Quark weg ist, kommt der Stress zurück. Und mit ihm der Stau. Morgen. Übermorgen. Nächste Woche. Immer wieder.
Du fragst dich: „Warum ich? Warum kommt es immer wieder?”
Weil du die Botschaft noch nicht gehört hast.
Um den Stau wirklich zu lösen, musst du nicht nur die Milchkanäle öffnen. Du musst das Gefühl öffnen, das dahinter steckt.
Du musst die Wut rauslassen. Oder die Tränen. Oder die Angst.
Die Wissenschaft hinter der Psychosomatik
Das ist keine Esoterik. Das ist messbare Wissenschaft.
Die Forscherin Kathryn Dewey von der University of California hat dokumentiert, wie Stress die Laktation beeinflusst. Erhöhte Cortisolwerte – das Stresshormon – hemmen die Oxytocin-Produktion. Und Oxytocin ist der Schlüssel zum Milchfluss.
Die Psychoneuroimmunologie – ein kompliziertes Wort für ein einfaches Konzept – zeigt, dass Emotionen direkt auf das Immunsystem und den Hormonhaushalt wirken. Was du fühlst, beeinflusst, wie dein Körper funktioniert.
Wenn du chronisch gestresst bist, lebt dein Körper im Alarm-Modus. Kampf oder Flucht. In diesem Modus ist Stillen nicht vorgesehen – denn wenn ein Tiger angreift, ist Stillen keine Priorität.
Dein Körper weiss nicht, dass der Tiger nur metaphorisch ist. Er reagiert auf Stress wie auf echte Gefahr. Und er blockiert den Milchfluss, weil „jetzt nicht der richtige Moment ist”.
Der Unterschied zwischen Symptom und Ursache
Hier ist das Problem mit der konventionellen Behandlung von Milchstau:
Sie behandelt das Symptom. Hitze, Kälte, Massage, Pumpen, Antibiotika wenn nötig. Alles sinnvolle Massnahmen, keine Frage.
Aber wenn die Ursache unbehandelt bleibt, kommt das Symptom zurück.
Es ist wie bei einem Auto, dessen Ölwarnlampe leuchtet. Du kannst die Lampe abkleben – dann siehst du sie nicht mehr. Aber das Öl fehlt trotzdem. Irgendwann geht der Motor kaputt.
Der Milchstau ist die Warnlampe. Die Frage ist: Was fehlt wirklich?
Was hältst du fest?
Wenn ich mit einer Frau spreche, die immer wieder Milchstau hat, frage ich nicht zuerst nach der Stillposition.
Ich frage: Was hältst du fest?
Die Antworten sind oft erschütternd ehrlich – wenn man den Raum dafür schafft:
- „Ich halte fest an der Hoffnung, dass er sich ändert.”
- „Ich halte fest an der Vorstellung, dass ich alles alleine schaffen muss.”
- „Ich halte fest an der Wut, weil ich sie nicht zeigen darf.”
- „Ich halte fest an der Kontrolle, weil ich Angst habe, was passiert, wenn ich loslasse.”
Manchmal weiss eine Frau es sofort. Manchmal braucht es Zeit. Aber fast immer gibt es etwas, das festgehalten wird.
Und fast immer, wenn dieses Etwas endlich losgelassen wird, löst sich auch der Stau.
Ein anderer Raum
Ich biete dir etwas, das eine Hebamme oder ein Arzt nicht bieten kann: einen Raum, in dem du nicht die „gute Mutter” sein musst.
In diesem Raum darfst du wütend sein. Richtig wütend. Auf den Vater, auf die Familie, auf das Leben, auf dich selbst.
In diesem Raum darfst du erschöpft sein. Nicht „ein bisschen müde”, sondern am Ende. Fertig. Leer.
In diesem Raum darfst du weinen. Nicht kurz und kontrolliert, sondern hemmungslos. Die Tränen, die sich seit Wochen aufgestaut haben.
Ich halte dich dabei. Buchstäblich. Meine Arme um dich. Mein Körper als Anker.
Und ich habe keine Angst vor deinen Gefühlen. Ich bewerte sie nicht. Ich will sie nicht „heilen” oder „lösen”. Ich halte sie einfach mit dir aus.
Das ist es, was fehlt: Jemand, der aushält.
Wenn die Milch zu fliessen beginnt
Ich habe es erlebt: Der Moment, in dem eine Frau endlich ausspricht, was sie belastet. Oder ausweint, was sie so lange zurückgehalten hat. Oder die Wut rauslässt, die sie unterdrückt hat.
In genau diesem Moment beginnt oft die Milch zu fliessen.
Nicht durch Technik. Nicht durch Druck. Nicht durch Pumpen.
Sondern weil der innere Stau sich gelöst hat. Und wenn der innere Stau fliesst, fliesst auch die Milch.
Der körperliche Stau löst sich, weil sich der emotionale Stau gelöst hat.
Das ist keine Magie. Das ist Biologie. Oxytocin, das Hormon der Entspannung und Verbindung, wird freigesetzt, wenn wir uns sicher fühlen. Wenn wir gehalten werden. Wenn wir nicht mehr allein kämpfen müssen.
Die Erlaubnis, weich zu werden
Was du vielleicht am meisten brauchst, ist die Erlaubnis.
Die Erlaubnis, nicht stark zu sein. Die Erlaubnis, zu fühlen, was du fühlst. Die Erlaubnis, jemanden zu brauchen.
Du hast so lange allein gekämpft. Du hast so lange funktioniert. Du hast so lange die Zähne zusammengebissen.
Aber dein Körper sagt: Stopp. So geht es nicht weiter. Irgendetwas muss sich ändern.
Der Milchstau ist nicht dein Feind. Er ist ein Bote. Er bringt dir eine Nachricht, die du dir selbst nicht erlaubst zu hören.
Die Nachricht lautet: Du brauchst Hilfe. Du brauchst Halt. Du brauchst jemanden.
Und das ist keine Schwäche. Das ist Menschlichkeit.
FAQ: Psychosomatik verstehen
Bilde ich mir den Schmerz nur ein?
Nein, auf keinen Fall. Die Verhärtung, die Rötung, das Fieber – das ist alles physisch real. Der Körper „erfindet” nichts. Aber der Auslöser kann psychischer Stress sein, der eine körperliche Reaktion (Gefässverengung, Hormonblockade) bewirkt.
Heisst das, ich bin selbst schuld?
Nein! Schuld ist das falsche Wort. Es ist eher ein Hinweis deines Körpers, gut für dich zu sorgen. Er zwingt dich zur Pause, weil du sie dir freiwillig nicht nimmst. Er zeigt dir, wo etwas fehlt.
Wie lasse ich Wut los, ohne jemanden zu verletzen?
Indem du sie anerkennst. Schreib sie auf. Erzähl sie jemandem, der es aushält. Schreie in ein Kissen. Boxt ein Kissen. Geh laufen. Wut ist Energie – sie muss fliessen, nicht stauen. Das Gefährliche ist nicht die Wut selbst – es ist die unterdrückte Wut.
Muss ich zum Psychologen?
Nicht unbedingt. Manchmal reicht es, gehört zu werden. Manchmal reicht es, gehalten zu werden. Manchmal reicht ein Mensch, der da ist – ohne Ratschläge, ohne Urteile, nur mit Präsenz.
Ich bin Simon. Ich lebe in Zuchwil, Kanton Solothurn. Ich bin hier, um zuzuhören. Um zu halten. Um den Raum zu geben, den du brauchst.
Wenn dein Körper eine Botschaft hat, die du nicht allein entschlüsseln kannst – schreib mir.
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