Scham ablegen – Warum ich mich zeige, wie ich bin

Von Simon H. · · 2383 Wörter Vertrauen & Mut , Körper & Selbstbild , Partnersuche

Ich könnte lügen.

Ich könnte auf meiner Website schreiben: “Sportlich, attraktiv, erfolgreich.” Ich könnte ein Foto nehmen, auf dem mein Bauch nicht zu sehen ist. Ich könnte meine IV verschweigen und meinen Körper verstecken und der Mann sein, den du auf Tinder erwartest.

Aber dann wärst du nicht hier wegen mir. Sondern wegen einer Illusion.

Und ich habe genug Illusionen gelebt. Für ein ganzes Leben genug.

Die Fassade

Ich habe Fassaden gebaut. Jahrelang. Professionell. So gut, dass ich irgendwann selbst nicht mehr wusste, wer darunter steckt.

Die Fassade sagte: Alles gut. Der Typ hat Humor. Der kommt klar. Der ist stark, schaut euch die Arme an. Der braucht niemanden.

Hinter der Fassade stand ein Mann, der nachts den Kühlschrank leerfrisst, weil die Leere in der Brust nach irgendetwas schreit, das sie füllt. Ein Mann, der seine IV-Briefe unter einem Stapel Rechnungen versteckt, damit kein Besucher sie sieht – wobei sowieso nie jemand kommt. Ein Mann, der seinen Bauch einzieht, wenn er an einem Spiegel vorbeigeht.

Ich habe Fassaden gebaut, weil ich dachte, der echte Simon reicht nicht. Zu schwer. Zu arm. Zu kaputt. Ich kannte das Gefühl, zu viel zu wollen – und gleichzeitig zu glauben, man verdient nichts davon. Wer will schon einen Mann, der seine Rechnungen vom Staat bezahlt kriegt und nachts den Kühlschrank leerfrisst?

Also habe ich gespielt. Den Lustigen. Den Starken. Den, der alles im Griff hat. Und jedes Mal, wenn jemand den gespielten Simon mochte, dachte ich: Wenn du wüsstest.

Was Scham wirklich ist

Scham ist nicht Schuld. Schuld sagt: Ich habe etwas Falsches getan. Scham sagt: Ich bin falsch.

Und das ist ein Unterschied, der alles verändert. Schuld kannst du wiedergutmachen. Etwas Falsches getan? Entschuldige dich. Mach es besser. Lern daraus.

Aber wenn du bist falsch – wenn dein Körper falsch ist, dein Kontostand falsch ist, dein ganzes Sein falsch ist – dann gibt es nichts zu reparieren. Du bist das Problem. Und das Problem lässt sich nicht lösen, weil das Problem du bist.

So denkt Scham. Und ich habe ihr jahrelang geglaubt.

Scham hat mir gesagt: Versteck deinen Bauch. Versteck deine IV. Versteck dein Allein-Sein. Versteck, dass du nachts isst. Versteck, dass du weinst. Versteck alles, was echt ist, weil das Echte nicht reicht.

Und ich habe gehorcht. Weil es sich anfühlt, als wäre die Alternative der Tod. Nicht körperlich – aber sozial. Ausgestossen. Abgelehnt. Allein.

Bloss: Allein bist du sowieso schon. Hinter deiner Fassade. In der schicken Einsamkeit des “Alles gut”.

Meine drei grössten Schäm

Ich zähle sie auf. Weil genau das die Scham kleiner macht.

Erstens: Mein Körper. 135 Kilo. Ein Bauch, der über den Hosenbund quillt. Dehnungsstreifen an den Seiten. Keine Sixpack-Instagram-Version eines Mannes. Sondern ein Körper, der erzählt, was mein Mund nicht gesagt hat. Jedes Kilo eine Geschichte. Jede Falte ein Kapitel.

Ich habe mich jahrelang geschämt, am Strand das T-Shirt auszuziehen. Im Gym habe ich die engsten Shirts getragen – nicht um zu zeigen, sondern um zu verstecken. Im Schwimmbad bin ich nicht mehr gegangen. Dates? Nur in dunklen Restaurants, wo man den Bauch nicht sieht.

Zweitens: Die IV. Invalidenversicherung. Das Wort klingt wie ein Urteil. Invalid. Nicht gültig. Nicht wertig. Nicht genug. In einer Gesellschaft, die Männer über ihre Arbeit definiert, ist ein Mann ohne “richtigen” Job kein richtiger Mann.

Wenn mich jemand gefragt hat: Was machst du beruflich? – habe ich gelogen. “Selbstständig.” “Im Umbruch.” “Verschiedene Projekte.” Alles, nur nicht die Wahrheit: Ich lebe von der IV, weil mein Körper und mein Kopf nicht so funktionieren, wie die Gesellschaft es erwartet.

Drittens: Das nächtliche Essen. Das war die tiefste Scham. Tiefer als der Körper. Tiefer als die IV. Weil das nächtliche Essen die Wahrheit war, die alles andere erklärte.

Aufwachen um 3 Uhr. Aufstehen. Kühlschrank auf. Essen, bis der Druck im Magen die Leere in der Brust verdrängt. Kalter Käse. Brot. Schokolade. Alles durcheinander. Nicht weil ich Hunger hatte. Sondern weil ich allein war und die Einsamkeit sich anfühlte wie Sterben.

Am Morgen dann die leeren Verpackungen. Der Geschmack im Mund. Und die Stimme der Scham: Schon wieder. Du bist so schwach. So redet sie. Und damals habe ich ihr geglaubt. Heute höre ich sie – und widerspreche.

Der Tag, an dem ich aufgehört habe

Kein grosser Moment. Kein Durchbruch. Nur eine stille Erkenntnis, morgens auf dem Bettrand:

Ich bin so müde vom Verstecken.

Müder als von den 135 Kilo. Müder als von den Formularen. Müder als von der Einsamkeit. Das Verstecken war das Anstrengendste an meinem ganzen Leben.

Weil Verstecken Arbeit ist. Ständige Arbeit. Du musst jeden Moment aufpassen. Jede Antwort planen. Jede Situation vorausdenken. Was sage ich, wenn sie nach meinem Job fragt? Was ziehe ich an, damit man den Bauch nicht sieht? Wie erkläre ich, warum ich mittags zu Hause bin?

Diese Arbeit kostet mehr Energie als jedes Gym-Training. Sie frisst dich auf. Von innen. Langsam und gründlich.

Und an diesem Morgen, auf dem Bettrand, habe ich eine Entscheidung getroffen. Keine dramatische. Eine stille. Ich habe entschieden: Ich höre auf zu spielen. Nicht weil ich nicht mehr konnte – sondern weil ich nicht mehr wollte.

Also habe ich aufgehört. Nicht überall gleichzeitig. Aber Schritt für Schritt.

Die ersten Schritte

Der erste Schritt war diese Website. Diese Worte. Kein Filter. Kein “Sportlich, humorvoll, liebt Reisen.” Sondern: Ich wiege 135 Kilo. Ich bin IV-Bezüger. Ich lebe allein. Und ich suche eine Frau, die mich so will.

Als ich die ersten Sätze geschrieben habe, haben meine Hände gezittert. Buchstäblich. Mein Körper hat geschrien: Nein! Versteck das! Die werden dich auslachen! Die werden dich hassen!

Aber ich habe weitergeschrieben. Weil die Alternative – weiterverstecken – keine Alternative mehr war. Weil ich mich buchstäblich zu Tode geschämt habe. Kilo für Kilo.

Der zweite Schritt war das Gym. Nicht das Training – das habe ich schon gemacht. Sondern das Duschen danach. In der offenen Dusche. 135 Kilo. Nackt. Vor anderen Männern. Ohne das T-Shirt, hinter dem ich mich versteckt habe.

Ich stand unter dem Wasser und mein ganzer Körper war angespannt. Sie schauen. Sie urteilen. Sie denken: Was macht der Fettsack hier?

Und dann: Niemand hat geschaut. Niemand hat geurteilt. Alle waren mit sich selbst beschäftigt. Und ich stand da, nackt und nass und 135 Kilo schwer, und die Welt ist nicht untergegangen.

Der dritte Schritt war reden. Mit einem Menschen, dem ich vertraue. Nicht alles auf einmal. Nur einen Satz: Ich esse nachts, weil ich einsam bin. Sechs Worte. Die schwierigsten sechs Worte meines Lebens.

Scham stirbt im Licht – wenn du ins Sichtbare trittst

Scham stirbt im Licht. Das hat jemand Kluges gesagt, und es stimmt.

Solange du dich versteckst, wächst die Scham. Sie wird grösser in der Dunkelheit, wie ein Schatten. Je mehr du versteckst, desto mehr gibt es zu verstecken. Je mehr du lügst, desto mehr Lügen brauchst du. Es ist ein Teufelskreis, der nur in eine Richtung dreht: nach unten.

Aber in dem Moment, wo du ins Licht trittst – wo du sagst: Das bin ich, schau hin – passiert etwas Unerwartetes.

Du überlebst.

Niemand stirbt daran, gesehen zu werden. Es fühlt sich so an. Dein Herz rast, deine Hände zittern, dein Kopf schreit: Nein! Aber du überlebst. Und jedes Mal, wenn du es überlebst, wird die Scham kleiner.

Nicht weg. Kleiner. Und das reicht.

Ich spüre immer noch Scham. Wenn ich einen neuen Artikel schreibe. Wenn ich mein Gewicht nenne. Wenn ich erzähle, dass ich von der IV lebe. Die Scham ist da. Sie flüstert: Bist du sicher? Willst du das wirklich? Die werden dich…

Aber ich gehorche ihr nicht mehr. Ich höre sie. Ich nicke. Und dann tue ich es trotzdem.

Das ist Scham ablegen. Nicht die Scham loswerden – das geht nicht. Sondern aufhören, ihr zu gehorchen.

Und weisst du was? Jedes Mal, wenn ich einen Text veröffentliche, der mein Innerstes zeigt, passiert etwas. Die Scham schreit vorher. Und danach? Danach ist es stiller. Nicht stumm – stiller. Wie ein Muskel, der nach dem Training leiser pocht. Die Scham verlernt ihre Macht nicht auf einmal. Aber sie verlernt sie Satz für Satz, Text für Text, Wahrheit für Wahrheit.

Und manchmal, wenn ich einen besonders ehrlichen Absatz geschrieben habe und mein Finger über dem Veröffentlichen-Button zittert, dann spüre ich neben der Angst etwas anderes: Freiheit. Kurz. Flüchtig. Aber real. Das Gefühl, endlich nicht mehr lügen zu müssen. Endlich der sein zu dürfen, der ich um 3 Uhr nachts im Spiegel bin – auch am helllichten Tag.

Der Preis des Versteckens

Ich will dir erzählen, was Verstecken kostet. Weil man darüber nie spricht.

Es kostet Beziehungen. Jede Verbindung, die auf einer Fassade basiert, ist keine echte Verbindung. Wenn jemand dich mag, aber nur die polierte Version kennt, dann mag er nicht dich. Er mag eine Rolle, die du spielst. Und du weisst das. Und es frisst dich auf.

Es kostet Gesundheit. Die Anspannung des Versteckens macht krank. Mein Körper war ständig im Alarmmodus. Weil Verstecken bedeutet: Immer aufpassen. Immer kontrollieren. Nie loslassen. Mein Nacken war ein Brett. Mein Kiefer presste nachts so fest, dass meine Zähne abgeschliffen wurden. Mein Magen war ein Knoten.

Es kostet Energie. Die Energie, die du fürs Verstecken brauchst, fehlt dir für alles andere. Für Freude. Für Kreativität. Für Liebe. Für das Leben statt dem blossen Überleben.

Es kostet dich selbst. Am Ende wusste ich nicht mehr, wer ich bin. So viele Rollen gespielt, so viele Masken getragen, so lange gelogen – irgendwann habe ich den echten Simon verloren. Er war irgendwo unter den Schichten, aber ich konnte ihn nicht mehr finden.

Was das mit dir zu tun hat

Vielleicht schämst du dich auch. Für deinen Körper, der sich nach der Geburt verändert hat. Für deine Bedürftigkeit, die du für Schwäche hältst. Für den Wunsch, gehalten zu werden, obwohl du eine “starke Frau” sein sollst.

Vielleicht versteckst du die Augenringe unter Concealer. Die Erschöpfung hinter einem Lächeln. Die Einsamkeit hinter “Mir geht’s gut”. Den Wunsch nach jemandem hinter “Ich brauche keinen Mann”.

Vielleicht denkst du: Wenn er mich sieht – die echte mich, die mit den Augenringen und dem Milchfleck auf dem T-Shirt und dem Chaos in der Wohnung und den Dehnungsstreifen und der Müdigkeit – dann will er mich nicht.

Doch. Genau die will ich. Die echte. Die ungefilterte. Die, die sich traut, ohne Make-up an die Tür zu kommen und zu sagen: “So sehe ich aus. Deal with it.”

Weil ich weiss: Hinter dem Concealer steckt eine Geschichte. Hinter dem Lächeln steckt eine Erschöpfung, die so tief geht, dass kein Schlaf sie heilt. Hinter dem “Mir geht’s gut” steckt eine Frau, die seit Monaten niemanden hat, der fragt: “Und wie geht’s dir wirklich?”

Diese Frau will ich sehen. Nicht die polierte Version. Die echte.

Ich will die Frau, die ihre Scham ablegt. Nicht die, die sich perfekt präsentiert. Sondern die, die sagt: “So sehe ich aus um 3 Uhr nachts. So klingt mein Weinen. Das ist mein Chaos.”

Weil ich das gleiche tue. Jeden Tag. Auf dieser Seite. In meinem Leben.

Und weil ich weiss: Zwei Menschen, die sich gegenseitig ihre Scham zeigen und trotzdem bleiben – das ist Liebe. Nicht die Filmversion. Nicht die Instagram-Version. Die echte.

Scham ablegen ist kein Einzelsport

Du kannst es nicht allein. Das ist der Witz – und die Wahrheit.

Scham entsteht im Kontakt mit anderen. In den Blicken, die dich bewerten. In den Kommentaren, die dich verletzen. In den Erwartungen, die du nicht erfüllst. Scham ist ein soziales Gefühl.

Und deshalb heilt sie auch nur sozial. Du brauchst jemanden, dem du dich zeigst. Der hinschaut und nicht wegrennt. Der sagt: Ich sehe dich. Und ich bleibe.

Nicht einen Therapeuten, der nickt und Notizen macht. Einen Menschen. Einen Mann, der selber weiss, wie es sich anfühlt, sich zu schämen – und der trotzdem hier steht, mit seinem ganzen Gewicht.

Das Wunder passiert nicht im Allein-Sein. Es passiert, wenn zwei Menschen gleichzeitig ihre Masken ablegen. Wenn du sagst: “Ich bin nicht perfekt.” Und er sagt: “Ich auch nicht.” Und dann schaut ihr euch an – ohne Masken, ohne Filter, ohne Fassade – und es ist okay.

Mehr als okay. Es ist alles.

Vielleicht kennst du das auch. Vielleicht schämst du dich für deinen Milchstau, der immer wiederkommt. Für die Tränen, die fliessen, wenn du allein stillst. Vielleicht schämst du dich sogar für das, was du beim Stillen körperlich spürst – ein Tabu, über das niemand redet. Für das Gefühl, dass du es nicht schaffst, obwohl alle sagen: “Das ist ganz natürlich.” Vielleicht schämst du dich, weil du Hilfe brauchst, obwohl du doch eine starke Frau sein sollst.

Ich kenne diese Scham. Und ich sage dir: Sie wird leiser, wenn du aufhörst, ihr zu gehorchen.

Ich habe das noch nie erlebt. Nicht so. Nicht mit einer Partnerin. Aber ich habe es in kleinen Momenten gespürt. In einem Gespräch, in dem ich die Wahrheit gesagt habe. In einer Umarmung von einem Freund, der wusste, wie es mir wirklich geht. In den Worten auf dieser Website, die nackt sind und trotzdem stehen.

Und ich weiss: Wenn das schon in kleinen Momenten so heilend ist – dann muss es in einer Beziehung wie Heimkommen sein. Wie endlich ankommen. Wie das Auge des Sturms, aber zu zweit.

Meine Einladung

Wenn du eine von denen bist, die sich versteckt. Die glaubt, nicht genug zu sein. Die den ersten Schritt nicht wagt, weil die Scham zu laut ist.

Dann sag ich dir: Ich kenne das. Und ich bin trotzdem hier. Sichtbar. Angreifbar. Echt.

135 Kilo. IV-Bezüger. Allein. Und bereit, mich zu zeigen. Mit allem, was dazugehört.

Nicht weil ich keine Scham mehr habe. Sondern weil ich aufgehört habe, ihr zu gehorchen.

Und du darfst das auch. Nicht morgen. Nicht wenn du “bereit” bist. Nicht wenn du abgenommen hast oder den perfekten Job hast oder dein Leben “in Ordnung” ist.

Jetzt. So wie du bist. Mit allem, was du versteckst.

Zeig dich. Ich halte das aus. Ich halte dich aus. Weil ich mich selber aushalten gelernt habe.


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Über den Autor

Simon H. ist kein Therapeut und kein Experte – er ist ein Mann, der eine ehrliche Verbindung sucht. Seine Überzeugung: Die Lösung für viele körperliche Blockaden liegt nicht in Symptombehandlung, sondern in menschlicher Nähe und echtem Vertrauen.

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