Schuldgefühle als Mutter: Warum du nicht perfekt sein musst

· 1289 Wörter Schuldgefühle , Mutter-Mythos , Überforderung , Selbstfürsorge , Perfektionismus

Es ist 3 Uhr nachts. Du liegst wach. Und die Stimme in deinem Kopf sagt: „Ich bin eine schlechte Mutter.”

Warum? Weil deine Milch staut. Weil du gereizt warst. Weil du dir gewünscht hast, einfach mal weg zu sein.

Und dann kommt die Scham. Du denkst, alle anderen schaffen es. Nur du nicht.

Ich möchte dir heute etwas sagen, das diese Stimme zum Schweigen bringt: Du bist keine schlechte Mutter. Du bist eine Mutter ohne Dorf.


Der Mythos der Aufopferung

Wir haben ein Bild von Mutterschaft geerbt, das toxisch ist. Es lautet: „Eine gute Mutter opfert sich auf. Sie hat keine Bedürfnisse. Sie ist immer geduldig. Sie funktioniert.”

Das ist eine Lüge. Und es ist eine gefährliche Lüge.

Denn wenn du glaubst, dass du dich aufopfern musst, ignorierst du deine Grenzen. Du gibst und gibst und gibst. Bis du leer bist.

Und weißt du, was passiert, wenn du leer bist? Dein Körper streikt. Der Milchstau kommt. Die Depression klopft an.

Milchstau ist oft kein medizinisches Problem. Es ist ein Schrei nach Selbstfürsorge.


Du kannst nicht aus einem leeren Gefäß geben

Stell dir vor, du bist eine Tasse. Dein Baby trinkt aus dir. Der Haushalt trinkt. Der Partner trinkt. Wenn niemand nachschenkt – was passiert dann?

Du trocknest aus.

Und genau das fühlst du. Diese innere Dürre.

Wenn du jetzt Schuldgefühle hast, weil du „nicht genug gibst”, verwechselst du etwas Wichtiges: → Deshalb ist die Ursache wichtiger als jedes SymptomDu gibst nicht zu wenig. Du bekommst zu wenig.

Es ist kein Zeichen von Egoismus, wenn du sagst: „Ich brauche eine Pause.” Es ist eine Überlebensstrategie. Denn nur eine gefüllte Tasse kann geben.


Warum Milchstau und Schuldgefühle zusammenhängen

Schuldgefühle erzeugen Stress. Stress erzeugt Cortisol. Cortisol blockiert Oxytocin. Ohne Oxytocin kein Milchfluss.

Siehst du den Kreislauf? Indem du dich fertigmachst, weil “es nicht klappt”, sorgst du biologisch dafür, dass es nicht klappt.

Du bist in einer Falle.

Der einzige Ausweg ist: Radikale Selbst-Vergebung.

Sag dir: „Ich darf müde sein.” „Ich darf genervt sein.” „Ich darf Hilfe brauchen.”


Simon: Ein Ort ohne Bewertung

Vielleicht schämst du dich, Hilfe zu suchen. Du denkst: „Ich müsste das alleine schaffen.”

Aber genau das ist der Gedanke, der dich krank macht.

Wenn du zu mir kommst (oder mir schreibst), wirst du keine Bewertung finden. Ich bin nicht hier, um zu prüfen, ob du eine “gute Mutter” bist. Ich bin hier, um der Frau zu helfen, die unter der Mutter-Rolle begraben liegt.

Ich biete dir einen Raum, in dem du:

  • Nichts leisten musst.
  • Nicht stark sein musst.
  • Einfach nur empfangen darfst.

Wenn ich deine Brüste entleere, tue ich das nicht, um dich zu “reparieren”. Ich tue es, um dir etwas zurückzugeben. Nähe. Ruhe. Halt.

Ich fülle dein Gefäß auf. Damit du wieder geben kannst – wenn du willst.


FAQ: Schuldgefühle loswerden

Bin ich egoistisch, wenn ich an mich denke?

Nein. Egoismus bedeutet, anderen zu schaden, um sich selbst zu nützen. Selbstfürsorge bedeutet, sich selbst zu stärken, um für andere da sein zu können. Das ist ein riesiger Unterschied.

Warum habe ich manchmal Wut auf mein Baby?

Das nennt man “Touched Out” oder Überlastung. Es ist normal. Dein Nervensystem ist überreizt. Es ist kein Zeichen mangelnder Liebe, sondern fehlender Pausen.

Was, wenn ich gar keine Milch mehr habe?

Dann bist du trotzdem willkommen. Deine Erschöpfung und deine Sehnsucht nach Halt sind real – egal ob mit oder ohne Milch. Simon ist für die Frau da, nicht für die Laktation.


Die Last der perfekten Mutter

Wir haben alle dieses Bild im Kopf. Die perfekte Mutter. Sie stillt problemlos, das Baby schläft durch, der Haushalt ist makellos. Sie ist immer geduldig, immer liebevoll, immer verfügbar.

Und dann schaust du dich um. Dein Baby schreit seit einer Stunde. Die Brust schmerzt. Der Berg ungewaschener Wäsche wächst. Du hast heute dreimal geschrien, obwohl du es nicht wolltest.

Das Schuldgefühl setzt ein wie ein Hammerschlag.

Aber hier ist die Wahrheit: Die perfekte Mutter existiert nicht. Sie war nie real. Sie ist ein Konstrukt, das uns krank macht.

Die Geschichte, die wir uns erzählen

Du erzählst dir eine Geschichte. Sie geht so:

“Andere Mütter schaffen das. Nur ich nicht.” “Ich sollte dankbar sein. Ich darf nicht klagen.” “Wenn ich eine gute Mutter wäre, hätte ich keinen Milchstau.”

Diese Geschichten sind Lügen. Aber wir glauben sie, weil sie überall erzählt werden.

Die Wahrheit ist: Alle Mütter kämpfen. Alle Mütter zweifeln. Alle Mütter haben Momente, in denen sie nicht mehr können.

Du bist nicht die Ausnahme. Du bist die Regel.

Woher die Schuldgefühle kommen

Schuldgefühle sind nicht natürlich. Sie werden uns beigebracht.

Von einer Gesellschaft, die sagt: Mutterschaft ist Erfüllung. Wenn du nicht erfüllt bist, stimmt etwas mit dir nicht.

Von einer Kultur, die sagt: Gute Mütter brauchen keine Hilfe. Wenn du Hilfe brauchst, versagst du.

Von einem System, das sagt: Du kannst alles alleine schaffen. Wenn du es nicht schaffst, bist du schwach.

Diese Botschaften sind toxisch. Und sie sind falsch.

Mutterschaft ohne Unterstützung ist unmöglich. Menschen haben das nie alleine gemacht. Früher gab es Dörfer, Großfamilien, Gemeinschaften. Heute gibt es – dich allein.

Wenn du Schuldgefühle hast, dann nicht, weil du versagst. Sondern weil dir ein ganzes Netzwerk fehlt.

Der Körper, der die Wahrheit spricht

Dein Körper lügt nicht. Er kann nicht lügen.

Wenn du chronisch Schuldgefühle hast, bleibt dein Körper im Stress. Cortisol steigt. Muskeln spannen sich an. Die Milchdrüsen verkrampfen.

Der Milchstau ist nicht zufällig. Er ist die körperliche Antwort auf die emotionale Last, die du trägst.

Dein Körper sagt: Es ist zu viel. Ich kann nicht mehr. Bitte hör auf, dich fertigzumachen.

Wenn du dieses Signal ignorierst, wird es lauter. Der Stau wird häufiger. Die Erschöpfung tiefer. Irgendwann bricht alles zusammen.

Die Wut, die du nicht zeigen darfst

Vielleicht gibt es da noch etwas anderes. Unter den Schuldgefühlen. Etwas, das du niemandem zeigst.

Wut.

Wut auf eine Gesellschaft, die dich allein lässt. Wut auf Menschen, die sagen: “Du schaffst das!” Wut auf ein System, das erwartet, dass du funktionierst. Vielleicht sogar Wut auf dein Baby, weil es so viel nimmt.

Diese Wut ist tabu. Gute Mütter sind nicht wütend. Gute Mütter sind dankbar.

Aber die Wut ist da. Und wenn du sie unterdrückst, wird sie zu Schuldgefühlen. Du kannst nicht wütend auf andere sein – also bist du wütend auf dich selbst.

Das ist der Mechanismus. Das ist, warum du dich schuldig fühlst.

Was wirklich hilft

Keine Affirmationen. Keine Selbsthilfe-Bücher. Keine “Du bist genug”-Instagram-Posts.

Was wirklich hilft, ist:

  1. Anerkennung: Jemand, der sagt: “Das ist verdammt schwer, was du da machst. Du verdienst Unterstützung.”

  2. Entlastung: Echte, praktische Hilfe. Jemand, der das Baby nimmt. Jemand, der kocht. Jemand, der nachts aufsteht.

  3. Zärtlichkeit: Berührung, die nichts von dir will. Arme, die dich halten. Die Botschaft: Du musst gerade nichts leisten.

Das sind keine Extras. Das sind Grundbedürfnisse.

Die Frage, die alles ändert

Statt zu fragen: “Was mache ich falsch?”

Frag: “Was brauche ich, das ich nicht bekomme?”

Die Antwort ist wahrscheinlich: Unterstützung. Entlastung. Jemanden, der da ist.

Nicht weil du schwach bist. Weil du ein Mensch bist, der versucht, allein zu tragen, was für mehrere Menschen gemacht ist.

Die Erlaubnis, die du dir geben darfst

Du darfst erschöpft sein. Du darfst überfordert sein. Du darfst genervt sein. Du darfst Hilfe brauchen. Du darfst nicht perfekt sein.

Das macht dich nicht zur schlechten Mutter. Das macht dich zu einem Menschen mit Grenzen.

Und Grenzen zu haben ist nicht Versagen. Es ist gesund.


Weiterlesen


Wissenschaftliche Grundlagen: Mütterliche Gesundheit ist der wichtigste Faktor für das Wohlergehen des Kindes. Studien lesen →

Über den Autor

Simon H. ist kein Therapeut und kein Experte – er ist ein Mann, der eine ehrliche Verbindung sucht. Seine Überzeugung: Die Lösung für viele körperliche Blockaden liegt nicht in Symptombehandlung, sondern in menschlicher Nähe und echtem Vertrauen.

Mehr Hilfe und Informationen

Entdecke weitere hilfreiche Artikel und Ratgeber: